Nach dem Niedergang des Solarthermieriesen Solar Millennium und den Ausstiegen von Siemens und Bosch aus dieser Technik wagt sich nun das Kölner Unternehmen Protarget mit einer Innovation auf den Markt. Protarget verspricht beim Bau mittelgroßer Solarkraftwerke rund  30 Prozent an Investitionskosten einsparen zu können. Den Trick dafür hat sich das Unternehmen bei den Autobauern abgeschaut: eine modulare Bauweise. „In der Automobilbranche längst gängige Praxis, ist die Standardisierung beim Anlagenbau ein neuer Begriff“, erklärt Martin Scheuerer, kaufmännischer Vorstand bei Protarget, gegenüber BIZZ energy today.

Das Problem: Bei solarthermischen Kraftwerken müssen Spiegel, Stahlkonstruktion und Absorberrohre, in denen eine Flüssigkeit für den Turbinenbetrieb erhitzt wird, auf hundertstel Millimeter präzise aufgebaut sein, um einen optimalen Wirkungsgrad zu erzielen. „Bisher musste dafür ein erheblicher technischer, finanzieller und zeitlicher Aufwand betrieben werden“, erklärt Scheuerer. Mit der modularen Bauweise, bei der die einzelnen Komponenten quasi ab Werk aufeinander abgestimmt sind, entfällt dies. „Die industrieelle Herstellung mit festen Zulieferern spart dabei zusätzlich Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen, die zumeist Unikate sind."

Das von Protarget entwickelte Modul ist für kleine und mittlere Kraftwerke von 1 bis 20 Megawatt konzipiert. Nach Angaben des Unternehmens können mit einer fünf Megawatt-Anlage 4.000 Haushalte oder ein Industriepark versorgt werden. Eine erstes Referenzprojekt des neuen Kraftwerktyps ist Anfang Oktober im bayrischen Bad Aibling in Betrieb gegangen.

Die Protarget-Pilotanlage in Bad Aibling ist seit Oktober 2012 in Betrieb (Protarget)