Die deutschen Stromnetzbetreiber sind zufrieden. „Wir haben den kosmischen Stresstest gemanagt“, sagte der Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Volker Kamm, gegenüber BIZZ energy today.

Dennoch habe die Sonnenfinsternis bei wolkenlosem Himmel zu „gewaltigen Schwankungen“ im Netz geführt.

 „Wir mussten eine Regelleistung von 2.000 Megawatt einsetzen“, berichtet eine Tennet-Sprecherin auf Anfrage. Das sei die für den Normalfall von dem niederländischen Stromnetzbetrieber maximal vorgehaltene Ausgleichsleitung.

In Deutschland produzieren PV-Anlagen etwa 39.000 Megawatt Strom, was einer Leistung von rund 40 Kernkraftwerken entspricht. Sobald sich der Mond gegen 9.30 Uhr vor die Sonne schob, sank deshalb die Einspeisung von Solarstrom in das deutsche Stromnetz; die plötzliche Wiedereinspeisung nach Mittag führte zu einem starken Zufluss. Die deutschen Netzbetreiber mussten deshalb auf das schwankende Grünstrom-Angebot reagieren.

Nord-Süd-Trassen sollen kommen

Die Sonnenfinsternis kann als Testlauf für einen deutschen Strommarkt mit einem noch höheren Anteil schwankungsfreudiger Erneuerbarer gesehen werden. 50Hertz-Sprecher Kamm fordert: „Um starken Schwankungen auch künftig begegnen zu können, muss der Netzausbau vorangetrieben werden.“ 

Unterstützung erfahren die Netzbetreiber in einem gestern von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgelegten Eckpunktepapier. Darin schreibt Gabriel: Die drei geplanten Nord-Süd-Stromtrassen sollten kommen; er schießt damit gegen den bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Dieser will den Freistaat lieber durch neue Gaskraftwerke statt durch Grünstrom aus dem windreichen Norden versorgen.

Gabriels Vorstoß sorgt in der Großen Koalition für Streit. Ein für morgen geplantes Treffen zwischen den Energie-Experten von SPD und CDU wurde vertagt.

(foto: 50Hertz)