Im Zuge der Energiewende wächst die Zahl der Photovoltaikanlagen auf deutschem Boden. Wenn der Grünstromanteil weiter steigen soll, konkurrieren Grünstromfans und Bauern um Acker- und Bauflächen. Ein neues Projekt soll beide Parteien miteinander versöhnen. Auf einer Fläche von 2,5 Hektar will Landwirt Thomas Schmid von der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach künftig beides ernten: Sonnenenergie und Sellerie.

Möglich macht das eine soeben am Bodensee eingeweihte neue Solaranlage. Deren Module sind in fünf Metern Höhe angebracht. Damit bleibt genug Platz für die Maschinen zur Saat und Ernte von Gemüse und Getreide. Bis 2019 will Landwirt Schmid unter der PV-Anlage neben Sellerie auch Weizen, Kleegras und Kartoffeln anbauen.

 

Kollektoren mit zwei Seiten

Ein Novum bei den Solarmodulen soll dafür sorgen, dass die Doppelnutzung der Fläche funktioniert: Die Module können nicht nur die auf die Anlage fallende Sonne in Strom umwandeln. Über die Rückseite nehmen sie zusätzlich die reflektierte Strahlung der Umgebung auf. Damit steigt der Energieertrag pro Fläche, das einfallende Licht verteilt sich gleichmäßig auf die darunter liegenden Pflanzen. Insgesamt soll die Anlage mit einer installierten Leistung von 194 Kilowatt Peak genug Strom für 62 Haushalte produzieren, den überschüssigen Strom nimmt der regionale Versorger ab.

„Angesichts des dynamischen, weltweiten Wachstums der Photovoltaik im letzten Jahrzehnt und dem damit verbundenen steigenden Flächenbedarf für PV-Anlagen, erlauben innovative Konzepte wie die Agrarphotovoltaik eine Doppelnutzung agrarischer Flächen“, sagt Projekt- und Institutsleiter Eicke Weber vom Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme (ISE). Das ISE koordiniert das von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) geförderte Projekt. Eine Kontrollfläche ohne Grünstromanlage soll bis 2019 zeigen, ob das Vorhaben den gewünschten Erfolg bringt. 

(Fotos: Fraunhofer ISE)