Smart Grid
09.11.2012

Sparen mit neuen Stromnetzen

Der Ausbau des Stromnetzes kostet mehrere Milliarden Euro. Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich auch viel Geld sparen lässt – wenn der Ausbau intelligent erfolgt.

Der IT-Verband BITKOM plädiert für eine Modernisierung der deutschen Stromnetze. „Allein im Energiesektor können wir durch mehr Intelligenz in den Netzen jedes Jahr neun Milliarden Euro Kosten einsparen“, sagte Verbandspräsident Dieter Kempf gestern in Berlin. Insgesamt könne durch eine Modernisierung der großen Infrastruktursysteme ein wirtschaftlicher Nutzen von mehr als 55 Milliarden Euro pro Jahr erzielt werden. Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Hightech-Verbands. „Wir müssen diese Potenziale stärker nutzen“, sagt Kempf, und vor allem „Energieverbrauch und Verkehrsströme intelligenter steuern“.

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Die Studie errechnet für die Energiewirtschaft eine jährliche Ersparnis von 10,7 Milliarden Euro. Den größten Nutzen mit 12,7 Milliarden Euro erbringen allerdings systemübergreifende Anwendungen, etwa die Verknüpfung von Smart Grids und Elektromobilität. Ein weiteres Beispiel: Eine intelligente Steuerung des Netzes mit einer flexiblen Verschiebung der Stromlast kann demnach die Kosten um rund 5,5 Milliarden Euro jährlich senken.  

Der Elektrotechnikverband VDE forderte am Dienstag bereits eine verstärkte Kooperation auf EU-Ebene, um das Stromnetz auszubauen. Nach dem deutschen Netzentwicklungsplan 2012 müssten rund 8.200 Trassenkilometer um- und ausgebaut werden. Bisher wurden pro Jahr gerade einmal 20 Kilometer geschafft. „Die Herausforderung ist gewaltig, denn Europa braucht insgesamt rund 42.000 Kilometer neue Trassen“, verkündete der VDE. Die Netze in den europäischen Ländern isoliert voneinander ausbauen zu wollen, wäre demnach sinnlos. 

Deutschland besitzt laut einer Umfrage unter den 1.300 VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen beste Voraussetzungen, um beim Thema Smart Grid voranzugehen. 80 Prozent der Befragten sehen demnach wichtige Standortchancen, 74 Prozent Deutschland an der Weltspitze.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
smart Grids | Stromnetz
Ressorts:
Markets

Kommentare

Inzwischen wird mir schleierhaft, zu was 'Intelligenz' mutiert.

Wie intelligent ist denn, die öffentliche Energieversorgung auf IT-Netzwerke aufzubauen und damit die größte Angriffsfläche der Welt für technische Pannen und Cyber-Attacken zu realisieren?

Wie intelligent ist denn, die Verbraucher bald rund um die Uhr in Handlungsleistungen zu verwickeln, um Kosten zu sparen, die in keiner Relation mehr zum Leistungsaufwand stehen?

Wie intelligent ist denn, mit den Smart Grids ein aberwitzig komplexes Netzwerk aufzubauen, welches für immer dauernd modifiziert und aktualisiert werden muss?

Intelligent ist absolut gar nichts davon. Intelligent wäre aber die relativ einfache Lösung:
Die (unsteten) erneuerbaren Energien vom Wechselstromnetz abklemmen, ersatzweise an dezentrale Gleichstrom-Sammelnetze anschließen, das jeweilige Sammelnetz an den Input eines H2-Pufferkraftwerks legen und nur dessen Output ins Wechselstrom-Versorgungsnetz einspeisen. Das erlaubt den erneuerbaren Energien, nunmehr die unvermeidlichen Verlustleistungen seriöser und zuverlässiger Energieerzeugungsanlagen selbst zu tragen (statt vermeidliche Verlustleistungen in die Binsen zu schießen und dieses Ungeschick im Leistungspegel der thermischen Kraftwerke zu verstecken). Zudem entlastet das gleich den Importstrom und die hiesigen AKW & Co.-fossil und ermöglicht deren terminlich planbare Stilllegung. Und so genügt auch noch ein nennenswertes Weilchen die verfügbare Kapazität der vorhandenen Wechselstromnetze.

Damit lässt sich gleich noch ein bisher unterschlagenes Potenzial erneuerbarer Energien erschließen, welches ganz allmählich die Löcher der PV- und Windenergie stopfen kann und in absehbarer Zukunft unverzichtbar geworden sein wird. Sein nötiger Spielraum bedrängt keine Menschen, keine Tiere und auch keine freien Landschaften. Sein potenzieller Energieausstoß driftet ganz von selbst proportional der Verbrauchslasten – diesem Feature können die Smart Grids nie wirklich das Wasser reichen.

Dass mit H2-Pufferkraftwerken kein Traumwirkungsgrad zu erzielen ist, muss selbstverständlich in Kauf genommen werden. Denn dagegen steht noch immer der Alptraumwirkungsgrad der fossil und nuklear betriebenen Kraftwerke, die es endlich aus dem Feld zu schlagen gilt. Weit über deren Niveau gelangt der Wirkungsgrad eines H2-Pufferkraftwerks dadurch, dass nicht nur das H2-Gas, sondern auch das O2-Gas zwischengespeichert wird und die Gasspeicher so konstruiert sind, dass sich der Speicherdruck (über das Vermögen der Druckelektrolyse hinaus) selbsttätig aufbaut und so keine Kompressoren benötigt. Zudem kann die Abwärme der Elektrolyse und der Neuverstromung einem dezentralen Nutzen zugeführt werden. Insbesondere kann nur die Elektrolyse das komplette Leistungsspektrum der erneuerbaren Energien erfassen und proportional umsetzen.

Seufz – die geballten Leistungen der Windparks onshore und offshore sind leider eine Nummer zu groß geraten, um in eine solche Infrastruktur eingebunden werden zu können. Und ebenso leider werden sie den Fortgang der Energiewende dominieren – für intelligente Fortschritte kommt da jede Hilfe zu spät.

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