Der IT-Verband BITKOM plädiert für eine Modernisierung der deutschen Stromnetze. „Allein im Energiesektor können wir durch mehr Intelligenz in den Netzen jedes Jahr neun Milliarden Euro Kosten einsparen“, sagte Verbandspräsident Dieter Kempf gestern in Berlin. Insgesamt könne durch eine Modernisierung der großen Infrastruktursysteme ein wirtschaftlicher Nutzen von mehr als 55 Milliarden Euro pro Jahr erzielt werden. Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Hightech-Verbands. „Wir müssen diese Potenziale stärker nutzen“, sagt Kempf, und vor allem „Energieverbrauch und Verkehrsströme intelligenter steuern“.

Die Studie errechnet für die Energiewirtschaft eine jährliche Ersparnis von 10,7 Milliarden Euro. Den größten Nutzen mit 12,7 Milliarden Euro erbringen allerdings systemübergreifende Anwendungen, etwa die Verknüpfung von Smart Grids und Elektromobilität. Ein weiteres Beispiel: Eine intelligente Steuerung des Netzes mit einer flexiblen Verschiebung der Stromlast kann demnach die Kosten um rund 5,5 Milliarden Euro jährlich senken.  

Der Elektrotechnikverband VDE forderte am Dienstag bereits eine verstärkte Kooperation auf EU-Ebene, um das Stromnetz auszubauen. Nach dem deutschen Netzentwicklungsplan 2012 müssten rund 8.200 Trassenkilometer um- und ausgebaut werden. Bisher wurden pro Jahr gerade einmal 20 Kilometer geschafft. „Die Herausforderung ist gewaltig, denn Europa braucht insgesamt rund 42.000 Kilometer neue Trassen“, verkündete der VDE. Die Netze in den europäischen Ländern isoliert voneinander ausbauen zu wollen, wäre demnach sinnlos. 

Deutschland besitzt laut einer Umfrage unter den 1.300 VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen beste Voraussetzungen, um beim Thema Smart Grid voranzugehen. 80 Prozent der Befragten sehen demnach wichtige Standortchancen, 74 Prozent Deutschland an der Weltspitze.