Investitionen
04.07.2013

SPD will mehr privates Kapital für Energieinfrastruktur

Foto: Tennet

Die Sozialdemokraten wollen im Falle eines Wahlsieges 80 Milliarden Euro pro Jahr in die Infrastruktur, darunter Straßen und Stromnetze, investieren. Das Geld dafür sollen vor allem Investoren beisteuern. Für die Partei bedeutet dies ein Umdenken.

Die SPD-Parteispitze plant Milliardeninvestitionen in Verkehrswege, Energie- und Datennetze sowie Bildung und Pflege. Dies geht aus einem Papier hervor, das BIZZ energy today vorliegt.

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Finanzieren will die Partei ihr Vorhaben mehrheitlich aus privaten Quellen. Lediglich ein Teil der Investitionen von umgerechnet 1.000 Euro pro Kopf und Jahr soll aus einer höheren Steuer für Besserverdienende stammen. Einen Großteil sollen Investoren oder Fonds leisten. „Niedrige Realzinsen, erhöhte Planungssicherheit (...) und die intelligente Mobilisierung von privaten Kapital für Infrastruktur-Investitionen werden dazu beitragen, die privatwirtschaftlichen Potenziale für Zukunftsinvestitionen zu heben“, heißt es in dem Papier.

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Heuschrecken-Debatte

Die Partei vollzieht damit einen Sinneswandel. Im Jahr 2005 hatte der damalige SPD-Chef Franz Müntefering Finanzinvestoren, insbesondere Private-Equity-Gesellschaften, wegen ihrer kurzfristigen Renditeerwartungen als Heuschrecken bezeichnet. „Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir“, sagte Münterfering damals. Seine Kritik zielte vor allem auf US-Unternehmen wie KKR, Permira oder Blackstone.

Genau diese Unternehmen investieren seit längerem in die deutsche Energiewende. Blackstone etwa finanziert den Bau der Offshore-Windparks Meerwind und Nördlicher Grund in der Nordsee. Auch KKR schielt auf Investments in den Energiesektor. „Infrastruktur-Investitionen sind hochattraktiv“, betonte Manager Vincent Policard gegenüber BIZZ energy today. Deutschland suche Investoren auf diesem Gebiet. „Als KKR fühlen wir uns hier sehr willkommen.“

Allianz, Blackstone oder Münchner Rück

In der Tat ist das Interesse von privaten Kapitalgebern an Energieinfrastruktur wie Strom- oder Gasnetzen in den vergangenen Jahren gestiegen. Dazu zählen auch institutionelle Anleger wie Versicherungen. Erst vor wenigen Monaten übernahm etwa die Allianz das Gasnetz im benachbarten Tschechien. Wiederholt wurde zudem über ein Interesse des Versicherungskonzerns am Übertragungsnetzbetreiber Tennet spekuliert.

Das Interesse der Großinvestoren hat einen einfachen Grund. Die Infrastruktur bietet ihnen eine gesicherte und langfristige Rendite auf gutem Niveau. Bei Stromnetzen etwa garantiert die Bundesnetzagentur vor Steuern neun Prozent. Zum Vergleich: Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität dümpeln aktuell bei um die zwei Prozent.  

Bürger finanzieren Netze

Ein weiteres Beispiel für die Mobilisierung von privatem Kapital für Energieinfrastruktur testet derzeit der Netzbetreiber Tennet in Schlewswig-Holstein. Dort können sich Bürger noch bis zum 30. August eine Anleihe für den Bau der Westküstenleitung zeichnen. Der Netzbetreiber verspricht eine Rendite von bis zu fünf Prozent. Der öffentliche Anteil ist allerdings auf eine Summe von 15 Prozent an den Gesamtkosten begrenzt. Tennet-Chef Lex Hartmann schränkte allerdings im Interview mit BIZZ energy today ein. „Für uns ist das viel Aufwand. Es ist sicherlich nicht der Weg, um Kapital einzusammeln.“
 

Karsten Wiedemann
Keywords:
SPD | Allianz | Blackstone | Stromnetze | Netzausbau
Ressorts:
Governance

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