Mobilität
16.05.2018

Spedition Konrad Zippel packt Stroh in den Tank

Foto: Verbio
Eine der neuen Zippel-Zugmaschinen am Containerterminal in Schkopau.

Die Hamburger Spedition Zippel nutzt Lkw mit CNG-Antrieb zur Belieferung des Leipziger BMW-Werkes. Biogas gilt als klimaschonende Alternative für Nutzfahrzeuge – doch die Branche klagt über mangelnde Unterstützung.

Der Straßengüterverkehr verursacht nach EU-Angaben etwa 23 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im EU-Raum, für ein Viertel dieser Emissionen sind schwere Nutzfahrzeuge verantwortlich. Während die Markteinführung vollelektrischer Lkw nur langsam voran kommt, werden gasbetriebene Nutzfahrzeuge bereits eingesetzt. Die Hamburger Spedition Konrad Zippel will im kombinierten Verkehr die BMW-Zulieferlogistik am Standort Leipzig komplett emissionsfrei gestalten und setzt dazu nun vier neue Lkw der Marke Scania mit CNG-Antrieb (compressed natural gas) ein. Diese fahren mit Biomethan, das aus Stroh gewonnen wird. Im Vergleich zum klassischen Dieselantrieb stoßen sie 90 Prozent weniger CO2 aus.

Anzeige

Anzeige

 

Die Container für BMW in Leipzig transportiert die Spedition von jeher vom Hamburger Hafen aus auf eigenen elektrischen Zügen. Damit sind die Güter auf der Schiene bereits weitestgehend emissionsfrei unterwegs. Ein Problem war bislang die Dekarbonisierung der letzten Meile bis zum Kunden, was in dieser Transportkette 40 km bedeutet. Diese wird seit April nun mit den CNG-Lkw bewerkstelligt. Deren Auslieferung war eigentlich schon für Januar geplant, verzögerte sich aber auf Seiten des Herstellers, wie eine Sprecherin der Spedition dem Magazin bizz energy sagt.

 

Gazprom sorgt für Tank-Technik

 

Betankt werden die Fahrzeuge mit Biomethan, dass vom Hersteller Verbio aus Stroh und Reststoffen erzeugt wird. Neben der CO2-Reduktion wird so auch weniger Feinstaub und Stickoxid ausgestoßen. Das Biomethan tanken die Zippel-Lkw an einer Agip-Tankstelle – für die spezielle Tank-Infrastruktur sorgt das russische Erdgasunternehmen Gazprom.

 

„Wir sind über die Arbeitsgruppe Nachhaltige Antriebe im Hamburger Hafen auf den alternativen Antrieb aufmerksam geworden und haben unser Engagement vertieft, indem wir mit Scania und Verbio sprachen“, sagt Zippel-Geschäftsführer Axel Kröger. E-Mobilität sei auf Grund des hohen Gewichts und der großen Entfernungen im Containertransport bis auf weiteres keine Option. Sehr wohl aber das Methan, das als CNG oder in tiefgekühlter und verflüssigter Speicherform als LNG (liquefied natural gas) den Transport im internationalen Fernverkehr ermögliche.

 

„Niemand muss fürchten, dass hier Nahrungsmittelrohstoffe eingesetzt werden – bei uns kommt nur Stroh in den Tank“, sagt Bernd Sauter, Logistikvorstand von Verbio. Stroh sei ein landwirtschaftlicher Reststoff, der bisher in großen Mengen ungenutzt bliebe. In Deutschland stünden pro Jahr etwa acht bis 13 Millionen Tonnen zur Verfügung, die für die Methanerzeugung verwendet werden könnten.

 

CNG-Fahrzeuge sind auch leiser

 

Kröger bewertet die ersten Erfahrungen mit den neuen CNG-Lkw positiv. Auch im Berliner Raum könnte demnach in Zukunft mit Verbiogas im kombinierten Verkehr gefahren werden. Das Tankstellennetz sei dafür gut ausgebaut. Ein weiterer Vorteil des CNG-Antriebs besteht in der Reduzierung von Lärm: Laut Deutscher Energie-Agentur (Dena) arbeiten CNG-Motoren fünf bis zehn Dezibel leiser als Dieselaggregate. Für das menschliche Ohr bedeutet dies eine Reduktion um den Faktor vier. Damit werden CNG-Fahrzeuge insbesondere auch für die Belieferung in Innenstädte interessant.

 

Die Biogas-Branche beklagt sich allerdings über mangelnde Unterstützung seitens der Politik: „Leider fehlt uns weiterhin ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zur Bioenergie in Deutschland, damit uns die innovativen Umwelttechnologien und wertvollen Erfahrungen mit Biogas und Biomethan für den Klimaschutz nicht verloren gehen“, kritisiert Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrates. Dabei ermögliche die Verwertung von Reststoffen eine sinnvolle Nutzung von Abfällen und gleichzeitig die Erzeugung erneuerbarer Energie vor Ort. Die Branche habe in den vergangenen Jahren umfangreich investiert und sich als Weltmarktführer im Bereich der Bioenergieerzeugung etabliert, betont Hochi. Diese Entwicklung sei jedoch gefährdet.

 

Carsten Kloth
Keywords:
Mobilität | CNG | Biogas
Ressorts:
Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen