Solarbranche
20.06.2018

Speicherhersteller Solarwatt will Marktführer werden

Foto: Solarwatt GmbH
Speicherproduktion von Solarwatt in Frechen nahe Köln.

Ein Energiespeichersystem, das mit allen Photovoltaik-Anlagen und gängigen E-Auto-Wallboxen kompatibel sein soll: damit will Solarwatt die Konkurrenz angreifen.

Die Speicherbranche boomt, der Wettbewerb wird härter. Der Photovoltaik- und Speicherhersteller Solarwatt aus Dresden, derzeit Nummer fünf der Speicherbranche, will sein Energiesystem mit möglichst allen PV-Anlagen kompatibel machen, um die Konkurrenz auszustechen. „Unser Ziel ist es, mit dieser Systemkompetenz Marktführer zu werden“, sagt Olaf Wollersheim, Geschäftsführer von Solarwatt Innovation zum Auftakt der Münchner Fachmesse „Intersolar Europe“ im Gespräch mit bizz energy.

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Funktionieren sollen die Solarwatt-Systeme auch mit allen gängigen Ladeboxen für Elektroautos. „Selbst produzierter Grünstrom vom Dach ist schon jetzt günstiger als Energie von öffentlichen Ladestationen, es sei denn man bekommt ihn dort geschenkt“, sagt Wollersheim. So ließen sich E-Fahrzeuge mit Sonnenstrom für rund zehn Cent pro Kilowattstunde betanken – damit lägen die Kosten nur noch bei einem Drittel im Vergleich zu Strom aus dem Netz. Wollersheim rechnet deshalb mit einer steigenden Nachfrage nach Wallboxen zum Laden zuhause.

Olaf Wollersheim, Geschäftsführer von Solarwatt Innovation. Foto: Solarwatt GmbH
E-Fahrzeuge für die meisten Nutzer immer noch teurer

Durch die Integration des neuen, offenen Standards OCPP soll das Solarwatt-System mit allen gängigen Heim-Ladeboxen für E-Autos kompatibel werden. Die Ladestation für das Elektromodell i3 von BMW vertreibt Solarwatt bereits aufgrund einer bestehenden Kooperation mit dem Autohersteller. Wollersheim betont, dass E-Autos nur mit Ökostrom einen deutlich positiven Umwelteffekt hätten. Allerdings seien E-Fahrzeuge in der Gesamtkostenbetrachtung für die meisten Nutzer immer noch teurer als Verbrenner, weil diese nicht mit den vollen Kosten für die daraus entstehenden Umweltschäden belastet würden.

Als neue Kunden will der Speicherhersteller insbesondere Besitzer von PV-Anlagen, gewinnen, die demnächst aus der EEG-Förderung fallen. Sie können ihre immer noch funktionierenden PV-Anlagen mit einem Speicher „aufrüsten“ und dadurch den Strom-Eigenverbrauch stark erhöhen. „Unser Speicher My Reserve funktioniert mittlerweile mit 80 bis 90 Prozent aller existierenden Wechselrichter, das ist in der Branche selten“, sagt Wollersheim, der zuvor als am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an der Lithium-Ionen-Batterietechnik forschte.

Integration von Heimspeichern in ältere PV-Anlagen schwierig

Die Integration von Heimspeichern in ältere PV-Anlagen sei für die Installateure häufig schwierig. „Bei der vermeintlich einfachen Lösung mit einem direkt an das Wechselstromnetz angeschlossenen Speicher leidet die Wirtschaftlichkeit“, sagt Wollersheim. Konkret meint er die sogenannte AC-Kopplung: „Diese Anschlusstechnik bringt es nur auf einen Stromertrag von 70 bis 80 Prozent.“ Bei Solarwatt liege der Systemwirkungsgrad hingegen bei 90 Prozent.

Der Wettbewerb im Speichermarkt ist aus Sicht von Wollersheim insgesamt härter geworden. Nach dem Zusammenbruch der deutschen Solarbranche und der anschließenden Konsolidierung seien „die potentesten Hersteller übriggeblieben“, und diese lernten sehr schnell. Er geht davon aus, dass die Unternehmen, die sich zuletzt mit Geld von großen Investoren eingedeckt haben, „gekommen sind, um zu bleiben“. So hatte sich Sonnen im Mai eine 60-Millionen-Euro-Finanzspritze unter anderem von Shell und GE gesichert, während EnBW die Marke Senec schluckte. In Solarwatt ist der BMW-Erbe und Großinvestor Stefan Quandt investiert, der das Unternehmen 2015 aus der Insolvenz rettete.

Zubau von PV-Anlagen hat sich fast verdoppelt

2017 wurde bereits jeder fünfte Heimspeicher in ein bestehendes PV-System integriert, wie das Analysehaus EuPD Research ermittelt hat. Der deutsche Speichermarkt wuchs im vergangenen Jahr um knapp 50 Prozent gegenüber 2016, insgesamt 37.000 Heimspeicher wurden installiert. Für dieses Jahr liegt die Prognose bei 45.000 Neuinstallationen. Getrieben werde dies vom Zubau von PV-Anlagen zwischen drei und 10 Kilowatt peak (kWp), der bereits im Januar 2018 fast doppelt so hoch war wie im Vorjahr.

Wollersheim spricht von einem „relativ moderaten, zweistelligen Marktwachstum, das für alle Beteiligten angenehm ist.“ Denn eine sehr starke Fluktuationen würde die gesamte Lieferkette unter massiven Stress setzen. Die in den vergangenen Jahren massiv gesunkenen Preise für Speicher werden in Zukunft jedoch langsamer fallen, glaubt Wollersheim. Es sei absehbar, dass sie sich in den nächsten zwei Jahren „auf einem ausreichend niedrigen Niveau einpendeln werden, so dass sie für ihre Besitzer wirtschaftlich sind“. 

Momentan liegt Solarwatt laut EuPD Research mit einem Marktanteil von zehn Prozent hinter dem Marktführer Sonnen (21 Prozent), LG Chem, E3/DC und dem jüngst vom Energieversorger EnBW übernommenen Senec.

 

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Jutta Maier
Keywords:
Energiespeicher | Solarwatt | Photovoltaik | Intersolar | Solarstrom | Heimspeicher
Ressorts:
Technology | Markets

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