Der Widerstand gegen den Vorschlag zur Reform des §14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) kam überraschend: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte den Regelungsentwurf seines Ministeriums vor einem Monat kurzerhand gestoppt, nachdem die Autobranche heftig interveniert hatte. Der Entwurf stellt das Instrument der Spitzenlastglättung in den Mittelpunkt, welches den Netzbetreibern das Recht einräumt, die Anschlussleistung von Kunden mit Elektroautos oder Wärmepumpen bis zu zwei Stunden am Tag zu drosseln.

So sollte verhindert werden können, dass die Netze überlastet werden, wenn beispielsweise zu viele E-Autos gleichzeitig an der Ladesäule hängen. Berichten zufolge hatte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), all ihren Einfluss genutzt, um dies abzuwenden. Ihr Argument: Dies schmälere die Attraktivität der Elektromobilität und behindere deren Hochlauf.

Bei einem Spitzentreffen wollte Altmaier nun nach einer Lösung im Streit suchen. Einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums zufolge war es "ein sachlicher und umfassender Austausch." Alle Akteure hätten die Gelegenheit gehabt, ihre Positionen darzustellen. Es sei deutlich geworden, dass der Austausch und Dialog auch weiter vertieft und fortgesetzt werden müsse.

Erneuerbaren-Verbände nicht eingeladen

Nicht eingeladen zum Spitzentreffen waren die Erneuerbaren-Verbände.  Marcel Keiffenheim vom Ökostromer Greenpeace Energy hatte bereits im Vorfeld des Treffens scharf kritisiert, dass sich Altmaier nur mit den "Lobbyisten der großen Auto- und Energieverbände" treffen wollte.

Dass das Treffen dann kaum Konkretes brachte, überrascht Keiffenheim nicht weiter. Ökologische und zugleich marktbasierte Entwürfe für eine Spitzenlastglättung hätten nicht auf dem Tisch gelegen. "Gute Konzepte, wie sich das Erneuerbaren-Dargebot und flexible Kundennachfrage zusammenzubringen lassen, existieren bereits in der Erneuerbaren-Branche", sagt Keiffenheim. Das Gesetz müsse im Sinne des Klimaschutzes sein und die Verbraucher nicht bestrafen, sondern einbinden. "Es dürfen nicht nur Industrie und Netzbetreiber profitieren."

Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), beharrt nach dem Treffen auf der Spitzenglättung. Aus Sicht der Netzbetreiber müssten, so Andreae, drei Dinge sichergestellt werden: Private Ladestationen müssten schnell an das Netz angeschlossen werden können, und E-Autofahrer:innen weiter sicher sein können, dass ihre Batterie immer genügend Strom laden kann. "Die Netzbetreiber wollen die Netze bedarfsgerecht ausbauen. Dafür brauchen sie das Instrument der Spitzenglättung. Das ist auch im Sinne der Stromkunden", sagt Andreae.

Einige Verbände beharren auf "Spitzenglättung"

Für Ingbert Liebing vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wurden beim Gespräch kaum neue Argumente ausgetauscht. "Wie könnte das auch anders sein? Die Spitzenglättung, die jetzt von einigen Akteuren in Frage gestellt wird, ist das Ergebnis eines mehrjährigen transparenten Diskussionsprozesses, in dem die notwendigen Gutachten und alle Argumente auf dem Tisch lagen", so Liebing. Dabei hätte sich die grundsätzliche Ausrichtung der Spitzenglättung, wie sie der bisherige Gesetzentwurf vorsah, als beste und wirksamste Lösung erwiesen, um den Hochlauf der E-Mobilität mit Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz zu verbinden.

VDA-Chefin Hildegard Müller erklärte hingegen, bei dem Treffen sei es gelungen, das Fenster für einen vernünftigen und verbrauchernahen Kompromiss zu öffnen. Er könne besser als der bisherige Entwurf sicherstellen, dass die Elektromobilität eine Erfolgsgeschichte werde. Der Netzausbau sei die Grundvoraussetzung, um die Mobilität der Zukunft zu ermöglichen. "Deshalb muss der Netzausbau jetzt energisch vorangebracht werden. Abschaltungen darf es nur im absoluten Notfall geben.“

Sinn des Instruments der Spitzenglättung ist neben der Netzstabilität allerdings auch, den kostspieligen Netzaufbau auf ein notwendiges Maß zu begrenzen. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Elektroautos und Wärmepumpen weiter steigen. Millionen von neuen Erzeugern und Verbrauchern müssen in das Energiesystem integriert werden. Über den besten Weg, wie das gelingen soll, wird weiter gestritten werden.

(mit dpa)

Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag wurde am Samstagvormittag aktualisiert.

Ortsnetzen droht die Überlastung, wenn künftig immer mehr E-Autobesitzer mit immer mehr Leistung laden wollen. (Copyright: Istock)