Mehrfach verschoben soll das neue Bundesbedarfsplangesetz (BBPIG) demnächst final vom Bundestag verabschiedet werden. Den Entwurf hatte die Regierung schon vor gut vier Monaten beschlossen. Die Vorlage enthält vor allem den aktualisierten Netzentwicklungsplan Strom, mit dem 35 neue Trassen durchs Land gezogen werden sollen.

Das ist nach Lesart der Regierung wegen des Ausbaus der Erneuerbaren  und der Abschaltung der verbleibenden Atom- und Kohlekraftwerke erforderlich. Insbesondere müsse der im Norden und Osten erzeugte Windstrom zu den "Verbrauchsschwerpunkten" im Süden und Westen geleitet werden.  Darüber hinaus sollen Voraussetzungen für den zunehmenden grenzüberschreitenden Stromhandel geschaffen werden.

Gegen die Stromtrassen, die Norden und Osten mit Süden und Westen verbinden sollen, gibt es seit Jahren Proteste. Gerade in Bayern ist der Widerstand in der Bevölkerung besonders groß. Mittlerweile haben die Initiativen, die in mehreren Teilen Bayerns seit Jahren gegen die Trassenpläne protestieren, nicht nur Rückhalt bei einigen Kommunen und Landkreisen, sondern auch beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

Die Landesgruppe Bayern des VKU hatte zusammen mit etwa 20 Stadtwerken schon im Oktober 2020 - also kurz nach Einbringung des Gesetzes - in einem Offenen Brief alle Bundestagsabgeordneten aufgefordert, dem Netzentwicklungsplan nicht zuzustimmen. Aus Sicht der Verbandes geht das BBPlG von einem überdimensionierten Ausbaubedarf aus, der übermäßige Kosten für Haushalte und gewerblichen Mittelstand mit sich bringt "aufgrund stark steigender Netznutzungsentgelte und einem ausgebremsten Zubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien", wie es im Schreiben heisst. Intelligentere Alternativen zum Netzausbau wie etwa die Integration von Speichern würden beharrlich ausgeblendet.

Für besonders verfehlt hält der kommunale Verband den geplanten Einsatz von Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HGÜ). Durch den Ausbau der HGÜ-Netze hätten Haushaltskunden pro Jahr 60 bis 80 Euro mehr an Übertragungsnetzkosten zu bezahlen – "für ein Netz, das für Haushaltskunden nicht relevant ist", erläutert Josef Hasler gegenüber bizz energy.

HGÜ-Trassen besonders in der Kritik

Halser ist nicht nur Vorsitzender der VKU-Landesgruppe Bayern, sondern auch Vorstandschef von N-Ergie. Der kommunale Grundversorger betreibt in Nürnberg wie im Umland Energienetze und ist damit einer größten Netzbetreiber zumindest in Süddeutschland.

Gerade die HGÜ-Trassen tragen nur "unwesentlich zur Energiewende bei", erklärt Hasler weiter. "Sie haben ein ganz anderes Geschäftsmodell, nämlich den europäischen Energiehandel. Dieses Geschäftsmodell widerspricht völlig unserer Definition von Energiewende und greift sogar das Geschäftsmodell der Stadtwerke auf Dauer an." Hasler stört auch, dass die Kosten des Netzausbaus über die Netzentgelte vor allem auf Haushalt- und Gewerbekunden umgelegt werden, während eine Reihe von Industriefirmen ganz oder teilweise befreit werden. Sein Fazit: "Die Energiewende ist so, wie sie sich im Moment darstellt, eine völlige Fehlentwicklung."

Dabei ist Hasler für eine dezentrale Energiewende – und kann auf eine gute Entwicklung verweisen. In wenigen Jahren werde, sagt er, die Menge des ökologisch in der Region erzeugten Stroms den Verbrauch von Haushalten und Gewerbe übersteigen. Seit dem Jahreswechsel beliefert N-Ergie automatisch alle "Privatkunden" und ohne Mehrkosten für diese ausschließlich mit Ökostrom – und zwar mit Ökostrom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien in Deutschland erzeugt werde, wie das Unternehmen mitteilt. Wie groß der Anteil der "Privatkunden" am gesamten Stromabsatz ist, teilt N-Energie dabei nicht mit.

Offiziell dienen die geplanten Trassen dazu, Windstrom von der Erzeugung zum Verbraucher zu bringen. (Copyright: Istock)