Autonomes Fahren
16.08.2019

Städte testen selbstfahrende Busse auf der Straße

Foto: BVG, Oliver Lang
Kleiner Gelber fährt sich selber – erstmals auch im öffentlichen Straßenland einer deutschen Großstadt.

Autonomes Fahren findet längst nicht mehr nur auf gesicherten Teststrecken statt. Deutsche Großstädte lassen ihre Roboter-Busse zunehmend auch im normalen Straßenverkehr rollen.

Die Berliner können erstmals einen selbstfahrenden Kleinbus im öffentlichen Raum testen: Der Bus mit sechs Plätzen fährt seit Freitag im Ortsteil Tegel und verbindet die Endhaltestelle der U-Bahn-Linie 6 mit der Uferpromenade des Tegeler Sees. Fahrgäste brauchen keinen Fahrschein.

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Bis Jahresende soll erprobt werden, wie sich das Fahrzeug verhält und wie das autonome Fahren bei den Fahrgästen ankommt, sagt die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta. „Wir glauben, dass selbstfahrende Kleinbusse in Zukunft eine kluge Ergänzung zu den großen Gelben sein werden, zum Beispiel in engen oder verkehrsberuhigten Wohngebieten“, so die BVG-Chefin.

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Begleitperson ist an Bord

Das Fahrzeug der Firma Easy Mile fährt auf einer zuvor vermessenen und erlernten Route. Während der Fahrt scannt der Kleinbus ständig seine Umgebung ab. Der Test soll zeigen, wie die sensiblen Sensoren auf Umwelt und Wetter reagieren, aber auch Aufschlüsse zur Akzeptanz von hochautomatisierten Shuttles im Nahverkehr durch die Nutzer bringen.

Der Bus fährt höchstens 15 Kilometer pro Stunde (km/h). Eine Begleitperson ist an Bord, um die Fahrt zu überwachen und bei Problemen einzugreifen.

„Mit dem Projekt testen wir aber nicht nur neue Technologien, sondern geben den Berlinerinnen und Berlinern auch die Gelegenheit, den autonomen Kleinbus im Alltagsbetrieb zu erleben“, sagt Ingmar Streese, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Berlin sei mit dem Pilotprojekt bundesweit Vorreiter bei der Erprobung neuer Mobilitätsformen.

Erfolgreicher Test in der Hafencity

Doch auch Hamburg fährt beim autonomen Fahren vorne mit: Dort hat ein selbstfahrender Elektro-Kleinbus seine ersten Testfahrten in der Hafencity gemeistert. Im ersten Straßenabschnitt, in dem das Fahrzeug seit dieser Woche unterwegs sei, habe der noch vorhandene Fahrer an Bord ins Fahrverhalten nicht eingreifen müssen, sagte eine Hochbahn-Sprecherin am Donnerstag. Außer beim Wiederanfahren, nachdem das Fahrzeug wegen eines zu nahen Fußgängers selbstständig stoppte. „Dann musste der Fahrer den Shuttle wieder starten“, berichtete die Sprecherin.

Das fünf Meter lange Fahrzeug ist auf dem Großen Grasbrook unterwegs. Dabei kommuniziert der Shuttlebus mit acht mit Technik vollgepackten Masten, darunter Radar und Geschwindigkeitsmesser. Vor dem ersten Fahrtantritt sei Kartenmaterial in das Fahrzeug eingelesen und eine Verbindung zu den Masten hergestellt worden. Die Technik im Fahrzeug werde weiterhin angepasst, ergänzte die Sprecherin.

Der Shuttle-Bus wird zwei Jahre lang im Rahmen eines Entwicklungs- und Forschungsprojekts (HEAT) getestet. Er ist zunächst ebenfalls mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h unterwegs. Sukzessive soll das Fahrzeug einen Rundkurs über 1,8 Kilometer in der Hafencity bewältigen und von Mitte nächsten Jahres an Fahrgäste mitnehmen.

Lösung für autoverstopfte Städte?

Auch weitere Städte setzen auf autonom fahrende Kleinbusse. So plant beispielsweise die Stadt Mainz einen Regelbetrieb mit den Fahrzeugen, von denen zunächst drei gekauft werden sollen. Mainz hatte im vergangenen Jahr den autonom fahrenden Kleinbus „Emma“ des französischen Herstellers Navya entlang des Rheinufers getestet.

In neue autonome und lernende Systeme werden große Hoffnungen gesetzt. Sie sollen effizientes Fahren vor allem in den autoverstopften Städten ermöglichen, nicht nur als Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs auf kurzen oder schwach ausgelasteten Strecken oder als Zubringer. Gedacht wird auch an gemeinsam genutzte Shuttles, die auf Nachfrage angefordert werden können. Der individuelle Verzicht aufs Auto soll in jedem Fall schmackhaft gemacht werden.

Doch in der Attraktivität dieser Angebote liegt auch eine Gefahr – Forscher warnen in diesem Zusammenhang vor einem Rebound-Effekt: Weil autonome Fahrzeuge so bequem sind, besteht das Risiko, dass sie mehr genutzt werden, als notwendig wäre. Die Kunden setzen sich in das selbstfahrende Fahrzeug, anstatt das Fahrrad zu nutzen oder einen kurzen Fußweg in Kauf zu nehmen. Die Zahl der gefahrenen Kilometer würde sich so erhöhen und der Verkehr zu statt abnehmen. Diese Gefahr besteht aber wohl vor allem im Zusammenhang mit autonomen Privatautos, weniger bei den Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs.

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Carsten Kloth (mit dpa)
Keywords:
autonomes Fahren
Ressorts:
Technology

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