Elektromobilität
10.04.2018

Städte- und Gemeindebund fordert Umwidmung der Elektroauto-Prämie

Foto: Susanne Asenkerschbaumer
Gerd Landsberg beim Future Mobility Summit in Berlin

Nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes wären die mehr als 500 Millionen Euro nicht abgerufener Förderprämie besser in die Finanzierung kommunaler Ladesäulen oder E-Busse investiert.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), fordert, die „Umweltprämie“ umzuwidmen: Bisher nicht abgerufenes Fördergeld für den Kauf von Elektroautos sei besser in der Finanzierung einer kommunalen Ladeinfrastruktur angelegt. „Auch der Kauf von Elektrobussen wäre es eine Möglichkeit“, sagte Landsberg am Montag während der Fachkonferenz Future Mobility Summit in Berlin. Von der Idee eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs hält Landsberg hingegen nichts: „Ich bin gegen eine Vollkasko-Mentalität, alles kostenlos ist keine Lösung", sagte er. Die Verkehrsbetriebe könnten zudem den zu erwartenden Ansturm nicht bewältigen, wenn Bus und Bahn plötzlich für alle Bürger gratis wären.

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E-Busse sind im Vergleich zu solchen mit Dieselmotor im Betrieb günstiger. Dem stehen jedoch hohe Anschaffungskosten von 800.000 bis 900.000 Euro entgegen. Hinzu kommt, dass der Kauf von Elektro- oder Wasserstoff-Bussen europaweit ausgeschrieben werden muss. Fahrzeuge von deutschen Herstellern gibt es noch nicht. In Berlin fahren bisher erst vier von insgesamt 1.400 öffentlichen Bussen elektrisch. Bei Pkw liegt der Elektro-Anteil bei 0,2 Prozent. Dementsprechend zurückhaltend ist auch die Nachfrage nach der Umweltprämie: Von insgesamt 600 Millionen Euro wurden bisher nur 82 Millionen abgerufen.

Neue Bundesregierung bei Verkehrswende stärker gefordert

Landsberg drängte zudem darauf, dass die neue Bundesregierung das Thema Verkehrswende bei ihrer aktuellen ersten Kabinettsklausur in Meseberg ganz oben auf die Agenda setzt. Es sei „mindestens so wichtig wie der Umgang mit Flüchtlingen“, sagte der Geschäftsführer. „Was auf dem Diesel-Gipfel versprochen wurde, muss auch gehalten werden.“ Es fehle noch immer eine Entscheidung zu Diesel-Nachrüstungen und Anreizen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zudem kritisierte Landsberg die Diskussion um Fahrverbote für Diesel in Innenstädten. „Die Erwartung, dass wir die Mobilitätsprobleme Deutschlands im Gerichtssaal lösen ist falsch.“ Von den Kosten für die andauernden Prozesse hätte schon so mancher Elektrobus gekauft werden können.

Landsberg umriss zudem die Herausforderungen für die Mobilität der Zukunft: So könne die Digitalisierung des Verkehrs relativ kurzfristig dabei helfen, die Parkplatzsuche zu verkürzen. Jedes dritte Auto in deutschen Städte fahre nicht von A nach B, sondern sei auf Parkplatzsuche. Auch eine Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel, insbesondere zwischen Stadt und Land, müsse kommen. So könne beispielsweise das Navigationsgerät   anzeigen, wenn in der Innenstadt alle Parkplätze belegt sind. Stattdessen werde es dem Autofahrer einen freien Park&Ride-Platz an einer S-Bahnstation anzeigen. Das Ticket dafür könne direkt per Klick gelöst werden. „Das ist Zukunftsmusik, aber technisch machbar“, so Landsberg.

"Der Individualverkehr ist nicht das wichtigste"

Mittelfristig müssten in Städten und Kommunen mehr Radwege geschaffen werden. Es dürfe dabei nicht verschwiegen werden, dass dies zulasten des motorisierten Individualverkehrs gehe. „Wir haben lange Zeit Städte eher für Autos als für Menschen gebaut“, sagte Landsberg. Der Individualverkehr sei jedoch „nicht das wichtigste“. Zudem werde die Digitalisierung der Arbeit auf lange Sicht den Verkehr reduzieren. „Wenn Menschen demnächst vom Dorf aus ihre Arbeit erledigen können oder mit dem autonomen Bus oder der Straßenbahn in die Stadt fahren, wird das die Arbeits- und Pendlerströme verändern“, prognostizierte der DStGB-Geschäftsführer. Auch das autonome Fahren biete hier große Chancen.

Lesen Sie auch: Kauf von E-Bussen – Handlungsdruck auf Verkehrsbetriebe steigt

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Elektrobusse | Städte- und Gemeindebund | Umweltprämie | Elektroautos
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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