Koalitionsgespräche
13.10.2017

Start-ups sehen „historische Chance“ für Innovationsförderung

Foto: Christian Schaudwet
Eco-Innovation-Alliance: Mitinitiatoren Jochen Wermuth (Wermuth Asset Management, l.), Philipp Pausder (Thermondo, M.), David Wortmann (DWR eco).

Eine neue Allianz aus Energie-Start-ups wirft der alten Bundesregierung eklatantes Versagen bei der Innovationsförderung vor und hofft auf einen grün-gelb-schwarzen Neuanfang.

Die knapp 40 Unternehmen der neu gegründeten „Eco Innovation Alliance“ warnen davor, dass Deutschland bei Energie, Klimaschutz und Mobilität in die technologische Bedeutungslosigkeit sinkt. Grund sei eine Förderpolitik, die etablierte Konzerne schütze und disruptive Start-ups benachteilige.

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Damit mehr Kapital in junge Cleantech-Unternehmen fließt, fordert die „Eco Innovation Alliance“ die Möglichkeit zur Sonderabschreibung auf Verluste, die aus Beteiligungen entstehen. Diese könne die Attraktivität von Investitionen in Start-ups steigern, ohne Kapitalgeber aus dem Risiko zu entlassen.

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Gefahr für Autoindustrie

„Das Förderprinzip in Deutschland ist komplett falsch“, sagt Mitinitiator Philipp Schröder, Geschäftsführer des Speicheranbieters und Energiedienstleisters Sonnen. Bisher würden Förderprogramme bürokratisiert und Konzernen angedient. „Aber von 100 Euro, die man alten Firmen gibt, um sich neu zu erfinden, kommen vielleicht zwei Euro bei der Idee an.“ Die Wirkung solcher Innovationsförderung verpuffe.

Der Technologieinvestor Jochen Wermuth, der dem Investitionsausschuss des 24 Milliarden Euro schweren Atommüll-Entsorgungsfonds angehört und sich in der „Eco Innovation Alliance" engagiert, warnt bei einem „Weiter so“ vor dem Rückfall Deutschlands auf das Niveau eines Entwicklungslands. Er sieht unter anderem Hunderttausende Arbeitsplätze in der Autoindustrie in Gefahr. Sogar Deutschlands gesamtes Gesellschaftsmodell sei gefährdet: „Wir sind umgeben von Trump, Putin, May und Erdogan. Wenn wir unsere liberalen Werte verteidigen wollen, müssen wir an den richtigen Stellen investieren.“

Hammerhart positionieren"

Schröder und Wermuth hoffen auf eine energie- und marktkompetente neue Bundesregierung mit vor allem grün-gelbem Profil. Während die Trump-Administration den amerikanischen Cleantech-Sektor bremse, bestehe für Deutschland die „historische Chance“, die Vorteile seines liberalen Strommarkts und seiner Kompetenz bei erneuerbaren Energie auszuspielen, sagt Schröder. „Wir müssen unsere Chance zwischen Leuten wie Putin und Trump nutzen, um uns hammerhart zu positionieren.“

Bisher aber landen Fördergelder im Energiesektor nach Einschätzung von Philipp Pausder, einem der Wortführer der Allianz, in den falschen Händen: „Viele Manager der großen Energieunternehmen wurden in einem stark regulierten, protektionistischen Marktumfeld sozialisiert“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Heizungs-Start-ups Thermondo. Sie seien nicht die Richtigen, um Innovationen voranzutreiben.

Gespräche mit Schulz und Altmaier

Die Idee zu dem neuen Start-up-Bündnis entstand im Vorfeld der Bundestagswahl nach Gesprächen mit dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter und Kanzleramtsminister Peter Altmaier.

An der „Eco Innovation Alliance" beteiligen sich neben Sonnen und Thermondo unter anderem die Unternehmen Unu, Sono Motors, Ubitricity, Blackforest Solutions, Zolar, Mobisol, Carbon Delta und Aquarion.

Lesen Sie auch: Speicher-Start-up Sonnen greift Tesla in den USA an

Christian Schaudwet
Keywords:
Innovation | Förderung | Start-ups
Ressorts:
Finance | Markets

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