Die gute Nachricht: In Deutschland beginnt die Energiewende zu wirken, 2015 sind die Treibhausemissionen leicht gesunken. Dem Bundesumweltamt (UBA) zufolge wurden rund 902 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings nimmt der Ausstoß schädlicher Klimagase auf einigen Feldern wieder zu – vor allem im Verkehr. Der Grund: Es wird mehr Auto gefahren – ein Trend, der seit Jahren anhält. Aus Sicht von UBA-Präsidentin Maria Krautzberger spricht dies klar für den Ausbau der E-Mobilität. „Die Zahlen zeigen: Nur mit der Elektromobilität haben wir eine Chance, die Emissionen des Verkehrs zu senken“, sagt Krautzberger.

Steigende Emissionen im Straßenverkehr sind jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch international ein Problem: So warnt das International Transport Forum (ITF) davor, dass die aktuellen und absehbaren Pläne der internationalen Gemeinschaft zur Reduzierung des CO2-Austoßes nicht ausreichen werden, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor. Ein Grund dafür ist, dass es im Jahr 2050 in Städten doppelt so viel Verkehr geben wird wie heute – vor allem wegen des zunehmenden Individualverkehrs in Schwellenländern. Zum anderen erwartet das ITF, dass ein wachsender Warenaustausch in Regionen mit kaum entwickelten Eisenbahnnetzen oder Binnenschifffahrtswegen zu 50 Prozent mehr Abgasen führen wird. Das gelte besonders für den Frachtverkehr auf innerasiatischen Routen, der bis 2050 um 250 Prozent wachsen wird.

„Drastische politische Weichenstellungen vornehmen“

Selbst wenn also neue Technologien zum Einsatz kommen und Menschen häufiger mit Öffentlichen fahren, sorgt der insgesamt stark steigende Mobilitätsbedarf für mehr Abgase. So werden die Emissionen im Jahr 2050 laut ITF noch in etwa auf dem Niveau des CO2-Ausstoßes von 2015 liegen – nämlich bei rund 7,5 Gigatonnen. Dies gelte selbst in einem optimistischen Szenario. ITF-Generalsekretär José Viegas fordert deshalb: „Wir müssen sowohl das Innovationstempo beschleunigen als auch drastische politische Weichenstellungen vornehmen, um den Verkehr vom CO2 zu entwöhnen”. Der technologische Fortschritt könne bis 2050 rund 70 % der möglichen Reduktion von Klimagasen liefern. Mehr sei jedoch nur mit einer neuen Herangehensweise an das Thema Mobilität erreichbar. „Wir müssen sehr viel stärker über Dinge wie Shared Mobility, veränderte Logistikketten und sogar neue Verkehrsträger nachdenken“, sagt Viegas.

Um die Zahl der Fahrzeuge in den Städten zumindest auf dem Niveau von 2015 zu halten, empfiehlt das ITF einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen: So müssten die Städte eine integrierte Raum- und Verkehrsplanung einführen, das Mobilitätsverhalten der Menschen durch die Preise aktiv steuern sowie in den öffentlichen Nahverkehr investieren. Wenn dies geschieht, sieht die Zukunft in Bezug auf Emissionen aus Sicht des Forums gar nicht übel aus. „Mit dem richtigen Maßnahmen-Mix werden sogar schnellwachsende Städte in der Lage sein, ihren Bewohnern dasselbe Mobilitätsniveau wie heute zu bieten, aber in einer weitaus nachhaltigeren Art und Weise“, sagt Jari Kauppila, Leiter Modelle und Statistik des ITF. Um den Schadstoffausstoß im Frachtverkehr einzudämmen, rät das Forum zu einer besseren Auslastung – etwa durch Truck Sharing – zur Optimierung von Routen oder größeren Zeitfenstern für die Auslieferung von Gütern.

In Mega-Städten wie Mexico City wird sich der Verkehr bis 2050 verdoppeln. (Foto: Fidel Gonzalez)