Gasmarkt
07.11.2018

Steigende LNG-Nachfrage: China mischt den Markt für Flüssigerdgas auf

Foto: iStock
Verladung von Flüssigerdgas auf ein Tankschiff. China baut seine LNG-Import-Infrastruktur derzeit stark aus.

China steigert seine Einfuhr von Flüssigerdgas. Bereits 2020 könnte es Japan als größten Importeur ablösen. Einer neuen Studie zufolge wird der chinesische LNG-Durst globale Auswirkungen haben.

Während in Deutschland noch über den Bau eines Import-Terminals für Liquified Natural Gas (LNG) gestritten wird, entwickelt China sich zum weltgrößten Abnehmer dieses Rohstoffs. Die KfW Ipex Bank rechnet in einer neuen Studie vor, wie das Land seine Einfuhr von verflüssigtem Erdgas gesteigert hat und weiter erhöhen wird.

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Demnach haben die Chinesen im vergangenen Jahr 53 Milliarden Kubikmeter LNG importiert und damit 22 Prozent ihres Erdgasbedarfs gedeckt. Für das Jahr 2030 sagt die KfW-Projektfinanzierungstochter ihnen einen Bedarf von 150 Milliarden Kubikmetern voraus – das wäre eine Steigerung um 184 Prozent. Blick zurück: Erst 2006 hat China überhaupt angefangen, Flüssigerdgas zu importieren.

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Der Grund für diesen LNG-Durst liegt in der Energiestrategie der Führung in Peking. Sie will Kohle zunehmend durch das sauberere Erdgas und durch erneuerbare Energien ersetzen, um Luftverschmutzung und CO2-Ausstoß einzudämmen. Im Jahr 2030 sollen 15 Prozent des Primärenergieverbrauchs mit Erdgas gedeckt werden, das entspräche 651 Milliarden Kubikmetern. Chinas eigene Erdgasförderung nimmt zwar zu, wird aber weit hinter dieser Maßgabe zurückbleiben. Also wird das Land seinen Import über Pipelines und LNG-Tankschiffe steigern müssen. (Lesen Sie auch: Chinas CO2-Emissionen könnten Höhepunkt überschritten haben)

„Pipelines auf Rädern“

Investitionen in LNG-Importterminals, Gasspeicher, Pipelines, LNG-Tanklastwagen sind im Gange. Da Pipelines nicht schnell genug gelegt werden können, behelfen sich Gaskonzerne wie die ENN-Gruppe mit Tank-Lkw. Die Nachrichtenagentur Bloomberg bezeichnet den zunehmenden Gastransport auf der Straße bereits als „Pipelines auf Rädern“.

Nach Angaben der des globalen Branchenverbands International Gas Union hatte China Mitte dieses Jahres 18 Import-Terminals mit einer Jahres-Gesamtkapazität von 84 Milliarden Kubikmeter in Betrieb. Sieben zusätzliche Terminals sind im Bau, neun weitere in Planung.

Grafik: KfW Ipex Bank, Quellen: KfW Ipex Bank, BP, IEA
Einen Großteil der zusätzlichen chinesischen Importvolumina werden nach Einschätzung von KfW Ipex langfristig die USA liefern –  auch wenn der aktuelle Handelskonflikt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern belastet. Die USA bauen ihre Infrastruktur zur Verflüssigung von Fracking-Erdgas derzeit stark aus, um ihren Anteil am globalen Gasmarkt zu erhöhen.

Zwar erweitern auch Russland und das wichtige LNG-Lieferland Katar ihre Verflüssigungskapazitäten. Dennoch könnte die stark wachsende Nachfrage Chinas zu steigenden Preisen an den LNG-Spotmärkten und für einen künftigen deutschen LNG-Import führen.

Der Markt für Flüssigerdgas ist sehr flexibel. Mitunter ändern Tankschiffe während der Fahrt ihre Richtung und steuern einen anderen Abnehmer an, der dem Absender höhere Preise bietet. Die KfW-Ipex-Analysten prognostizieren aufgrund des wachsenden chinesischen Imports auch eine steigende Nachfrage nach LNG-Tankern.

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Christian Schaudwet
Keywords:
LNG | Erdgas | China | Gasmarkt
Ressorts:
Markets

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