Die vor einer Woche veröffentlichte Studie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi)  zur Förderung der Energieeffizienz in Deutschland sorgt für Unmut in der Branche. Die Studie gelangt zu dem Schluss, dass die in Deutschland eingeführten Maßnahmen bereits ausreichen, um das nationale Einsparziel von jährlich 1,5 Prozent Endenergieverbrauch bis 2020 zu erfüllen. 

„Wir vermissen noch konkrete Bekenntnisse für die Energieeffizienz bei allen Parteien“, sagte Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) auf der Jahreskonferenz in Berlin. Energieeffizienz-Lösungen gehörten zu den vitalsten Wachstumskernen in der deutschen Unternehmenslandschaft, so Müller. Die Aussage der BMWi-Studie hätte ihn „irritiert“. 

Töpfer: Maßnahmen reichen nicht aus

Der Grand-Seigneur der deutschen Umweltpolitik, Professor Klaus Töpfer, sieht das ähnlich: „Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, sagte er. Auch die EU-Energieeffizienz-Richtlinie müsse in Deutschland progressiv und damit beispielgebend für andere Länder der EU umgesetzt werden, forderte Töpfer. In Deutschland sei kein Trieb so sehr ausgeprägt wie der Steuerspartrieb, scherzte Töpfer: „Warum diesen Trieb nicht nutzen?“ Künftig sollten Sanierungen besser steuerlich absetzbar sein, um die anvisierte Quote von zwei Prozent der Bestandsbauten überhaupt annähernd zu erreichen.  

Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht darin nur Vorteile: „Erstens bekämpfe die Abschreibungsmöglichkeit die 'Schwarzarbeit', weil dafür ein Beleg nötig ist“, erklärte Oettinger. Zweitens fließe ein Großteil der Wertschöpfung an lokale Handwerks- und Industriebetriebe zurück. Aber noch fehlt der Beschluss. Das Programm zur energetischen Gebäudesanierung scheiterte im Vermittlungsausschuss. Bund und Länder konnten sich Ende vergangenen Jahres nicht einigen. „Nach den Bundestagswahlen sollte ein neuer Versuch unternommen werden“, mahnte Oettinger. 

Technologien mit Einsparpotenzial

Energieeffizienz betrifft Privatleute und Industrie gleichermaßen. „Was wir für die erfolgreiche Fortsetzung der Energiewende bräuchten, wäre eine offene Diskussion über brach liegende Einsparpotenziale über alle Sektoren hinweg“, sagte Kurt-Ludwig Gutberlet, Chef von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte. Beispielsweise ließen sich durch den Austausch von alten Elektro-Hausgeräten jährlich 15 Milliarden Kilowattstunden Strom sparen, so Gutberlet. Das entspricht der Erzeugung von mehreren Großkraftwerken. Weitere Beispiele für vorhandene Technologien mit enormem Einsparpotenzial seien effiziente Beleuchtung, moderne Heizungspumpen und optimierte Druckluftsysteme.

Der EU-Kommissar geht um: Oettinger lädt Deneff-Unternehmer auf ein Wiedersehen nach Brüssel ein. (nhp )