Offshore-Windenergie
11.07.2013

Stillstand auf hoher See

Foto: Alpha Ventus/Jan Oelker
Erster deutscher Offshore-Windpark Alpha Venus.

Die Bundesregierung will saubere Kraftwerke auf hoher See errichten. Doch die ehrgeizigen Ziele drohen zu scheitern. Wegen unklarer Förderbedingungen nach 2017 halten sich die Investoren zurück.

Die Energiewende auf See droht zum Sturm im Wasserglas zu werden. Ende 2012 liefen gerade einmal 68 Windturbinen mit einer Leistung von 280 Megawatt in Nord- und Ostsee. Bis 2020 sollen es nach dem Willen der Bundesregierung mehr als 30 Mal so viel sein, nämlich 10.000 Megawatt. Im Bau befinden sich aktuell lediglich weitere 1.700 Megawatt.

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Auch bei den Netzanschlüssen gibt es weiter Probleme. Bei fünf von acht bis 2015 geplanten Anschlüssen sind laut Bundesregierung Verzögerungen zu befürchten. Im Zeitplan sind demnach nur drei, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Bundestag hervorgeht.  

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Stauchungsmodell sichert Vergütung

Das hat Folgen: Gehen die Anlagen nicht bis 2017 ans Netz, droht der Wegfall des attraktiven Stauchungsmodells. Das sichert den Betreibern über einen Zeitraum von acht Jahren eine erhöhte Vergütung von 19 Cent pro Kilowattstunde. Fällt ein Park aus dem attraktiven Stauchungmodell heraus, steht die Finanzierung auf der Kippe. „Nach dem heutigen Stand würde kein Park ohne das Stauchungsmodell gebaut", sagte Brigita Jeroncic von der WindMW zu BIZZ energy today. WindMW, im Besitz des US-Investors Blackstone, plant die Offshore-Projekte Meerwind und Nördlicher Grund in der Nordsee. 

Der Start für Meerwind ist im kommenden Jahr vorgesehen. Der Offshorepark Nördlicher Grund sollte 2017 ans Netz gehen, doch der Netzbetreiber Tennet verschob den Anschluss auf 2023. „Die Rahmenbedingungen sind nun völlig unklar“, so Jeroncic. Niemand weiß, wie sich die Preise für die Komponenten und die Vergütung entwickeln werden. Für Investoren keine gute Ausgangslage. WindMW hofft, in Gesprächen mit der Bundesnetzagentur noch einen früheren Anschlusstermin zu erreichen. 

Der Energieversorger EnBW zog dagegen bereits erste Konsequenzen. Das Unternehmen legte sein Offshore-Projekt Hohe See auf Eis, weil unsicher blieb, ob der Park vor 2017 ans Netz gekonnt hätte. Nach der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes war der Park aus dem Bestandsschutz für die Netzanbindung gefallen.

Investoren halten sich zurück

Für die Zeit nach 2015 gibt es bisher keine Aufträge für den Bau neuer Windparks. Die Investoren halten sich zurück. Tennet warnt bereits vor hohen Leerkosten, sollte das Unternehmen Anschlüsse für Windparks legen, die dann gar nicht gebaut werden. Es gäbe viele Projektentwickler, die noch keine Investitionsentscheidung getroffen hätten, obwohl Tennet schon an den Konverterplattformen arbeitet, sagte Unternehmenschef Lex Hartman. „Solche Offshore-Anbindungen bedeuten Millardeninvestitionen. Wenn die Windparkbetreiber sich entschließen, nicht zu bauen, dann stehen dort Plattformen ohne Anschlüsse, dann haben wir die viel zitierten ,Stranded Assets‘.“

Die Offshore-Branche hofft nun auf ein Signal der Politilk. „Jetzt liegt die Verantwortung bei der Bundesregierung, ihren Offshore-Plänen Taten folgen zu lassen, etwa durch die Beibehaltung der aktuellen Vergütungsregelung für die zweite Ausbaustufe“, schrieb der Chef der Offshore-Netzwerkes WAB kürzlich in einem Beitrag für BIZZ energy today.

Karsten Wiedemann
Keywords:
Offshore-Wind | Tennet | EnBW | WindMW | Blackstone | Lex Hartman | Windenergie
Ressorts:
Markets

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