Elektromobilität
12.09.2016

Strafsteuern für den Elektroauto-Boom

Foto: Wikipedia / Malsa / CC BY-SA 1.0
Höhere Steuern auf Abgase könnten Elektroautos einen Schub geben.

Trotz Kaufprämie schaffen sich die Deutschen kaum E-Fahrzeuge an. Ändern wird sich das nur, wenn Fahrer von Benzinern und Dieseln mehr zahlen müssen, meinen Forscher.

 

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„Solange konventionelle Fahrzeuge keine Restriktionen erfahren, lassen sich Elektrofahrzeuge im Straßenraum nur bedingt privilegieren“, schreiben Wissenschaftler des Freiburger Öko-Instituts in einem aktuellen Arbeitspapier. Sie hatten im Projekt „ePowered Fleets in Hamburg“ untersucht, wie stark Fuhrparkmanager von Unternehmen E-Autos nachfragen. Für die Verbreitung der Stromfahrzeuge ist dieses Marktsegment hoch relevant, denn zwei Drittel aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw werden von Gewerbekunden gekauft.

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„In den meisten Unternehmen wird nur vorsichtig erprobt“, resümieren die Wissenschaftler in ihren Zwischenergebnissen. Nicht einmal die Kaufprämie von 4.000 Euro für reine Elektroautos hat die Nachfrage spürbar steigen lassen. Bis Anfang September gingen von Unternehmen lediglich 1.200 Förderanträge ein.

 

Dienstwagenprivilegien als Hindernis

In einem Punkt sind die Empfehlungen der Wissenschaftler an die Politik glasklar: Finanzielle Streicheleinheiten für Elektroauto-Fahrer allein helfen nicht weiter. Nötig sind auch spürbare Nachteile für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor: Fahrverbote in belasteten Innenstädten, höhere Sprit-Steuern besonders für Diesel und weniger Privilegien bei der Dienstwagenbesteuerung. Konkret fordert das Öko-Institut, die Dienstwagensteuer nach dem CO2-Ausstoß auszurichten. Arbeitgeber sollten außerdem nicht mehr die kompletten Spritkosten für Privatfahrten ihrer Mitarbeiter absetzen dürfen.

Auch die in dem Hamburger Projekt befragten Fuhrparkmanager räumen ein, dass die Dienstwagenbesteuerung derzeit ein wichtiges Argument für das Festhalten an Benzinern und Dieseln ist. Fast drei Viertel halten eine entsprechende Reform für wichtig, um Elektroautos einen Schub zu verleihen. Dieser Punkt kam direkt hinter Kaufanreizen und dem Ausbau von Ladesäulen.

 

Autoindustrie protestierte gegen Sonderabgabe

In der Bundesregierung sind Nachteile für konventionelle Autos allerdings nicht durchsetzbar. Erst kürzlich hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen Vorschlag von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) abgeschmettert, eine Blaue Plakette für schadstoffarme Autos einzuführen. Mit der Kennzeichnung wären Fahrverbote für Diesel erleichtert worden.

In der vergangenen Woche hatte der Stern berichtet, dass die Bundesregierung bei der Kaufprämie für Elektroautos ursprünglich eine Bonus-Malus-Regelung erwogen hatte, um die Prämie nicht durch Steuergeld finanzieren zu müssen. Für Benziner und Diesel wären je nach Emissionen Strafzahlungen von 50 bis 1.000 Euro fällig geworden. Nach heftigen Protesten von Automobilindustrie und IG Metall habe die Bundesregierung den Plan aber aufgegeben.

Manuel Berkel
Keywords:
Elektromobilität | Öko-Institut | Diesel
Ressorts:

Kommentare

ich weiss nicht woher diese Forscher ihr Wissen beziehen, ganz sicher nicht aus einer Befragung von "normalen" Autofahrern.
Ein E-Auto bekommt eine Förderung beim Kaufpreis und soll, wenn es beim Arbeitgeber betankt wird, dies auch kostenfrei können. Zudem bekommt es eine Steuerersparnis oder wird gänzlich von der Steuer befreit. An finbanzieller Förderung bleibt da nicht mehr viel, ausser vielleicht neue E-Autos zu verschenken ;-)
Anstelle jetzt aber daran zu gehen und die Infrastruktur aufzubauen, parallel zu E-Autos auch Wasserstofffahrzeuge, die Verbesserung von Brennstoffzellen, den Aufbau von Autbahntankstellen mit Fotovoltaik, Windrädern sowie Power-to-gas technologie zu fördern und damit eine gleichwertige Qualität zu Diesel- und Benzinfahrzeugen zu schaffen, nimmt man lieber den bequemen Weg und nötigt die Bürger über weitere Verteuerungen dazu den wenig komfortablen aber teuren Umstieg anzunehmen. Ganz große Klasse!!!

Für das einzige bisher in Deutschland existierende Langstreckentaugliche Elektrofahrzeug existiert schon eine Ladeinfrastruktur, die der Hersteller selbst errichtet hat. Die deutschen Automobilhersteller brauchen keine Fördergelder mehr. Die haben schon genug für die Entwicklung alternativer Antriebe bekommen, aber nichts erreicht. Der einzige Weg eine Änderung zu erzwingen führt über die Kosten. Wenn konventionelle Fahrzeuge teurer in Anschaffung und Unterhalt werden erhöht das zwangsläufig die Attraktivität von alternativen Antrieben. Wenn der Kunde sich dadurch für alternative Antriebe entscheidet, sind die Hersteller gezwungen ihr Angebot entsprechend auszurichten. Damit sie die Fahrzeuge auch verkaufen können, müssen sie entsprechende Infrastruktur schaffen. Für welche Alternative sich der Hersteller entscheidet (Elektro, Wasserstoff usw) bleibt ihm überlassen.
Wenn die Preise für Diesel und Benzin entsprechend ansteigen werden für die Kunden reale Verbrauchswerte relevant. Ein Hybrid der auf dem Papier 2l braucht, in Wahrheit aber nach 20 Kilometern nur noch auf Benzin läuft, ist dann uninteressant.
Um Firmen zu ködern wäre auch die Abschaffung der 1% Regelung für alternative Antriebe denkbar.

Ist es für E-Autos wirklich förderlich auch Privatpersonen zu bestrafen wenn Firmen ihren Fuhrpark nicht umrüsten wollen? Denn einen solchen Vorschlag kann dem Artikel entnommen werden.

Sieht man sich mal Otto Normalverbraucher an, kann sich dieser nicht unbedingt einen E-Neuwagen leisten. Oder kann eine 3 köpfige Familie mit einem Renault Twizy in den Urlaub oder einfach nur ins Wochenende fahren?

Bei Firmen-Fuhrparks muss man den Einsatzbereich der Fahrzeuge betrachten. Je nach Nutzungsbereich, eventuell auch Fahrten ins Ausland, lohnen sich finanziell eher Benziner und Diesel. Trotz oben genannten Strafzahlungen, denn Reisezeit wird meist wie Arbeitszeit bezahlt. Und Tankstopps, Entschuldigung Ladestops, kosten nun einmal Zeit.

Sinnvoller ware es dann doch eher Firmen mit mehreren Dienstfahrzeugen zu verpflichten mindestens ein (1x) E-Fahrzeug für den Nahbereich(!) anzuschaffen. Und je nach Art der Fahrten ware sogar ein Leichtfahrzeug ausreichend.
Gleiches mit dem Ausweisen von Firmenparkplätzen mit Ladefunktion für E-Autos, selbst wenn diese nur (Low-Cost) mit einfachen Steckdosen ausgestattet sind.

Die Betrachtung des Öko Instituts ist sehr einseitig. Man sollte in diesem Zahlenspiel transparent machen, wie viele Flottenfahrzeuge hier im Nahverkehr unterwegs sind. Denn das sind stand heute die einzigen Fahrzeuge die man realistisch auf Elektro umstellen könnte (Pflegedienste, Kurier, o.ä.).
Alle anderen Firmenwagen die von Vertretern gefahren werden die am Tag ihre 800km runter reißen, könnten ausschließlich durch einen Tesla S ersetzt werden, weil es hier ein entsprechendes Ladenetz gibt und die Reichweite an sich schon langstreckentauglich ist. Denken wir nun noch an die Garde der Manager mit Dienstwagen, die auch nur Pendler sind, dann stellt sich hier die Statusfrage. Technisch würde ein Nissan Leaf vermutlich bei den meisten ausreichen, doch welcher Manager möchte den Fahren? Hier bleibt dann maximal ein Hybrid, der aber auch kaum taugt, um die Umwelt nachhaltig zu schonen, mangels Reichweite. Bleibt wieder nur der Tesla, oder vielleicht der kommende Ampera. Bevor die Regierung aufgestachelt wird sinnlose Strafgebühren auf den Weg zu bringen, sollte besser die Automobilindustrie dazu verdonnert werden vernünftige E-Autos auf den Markt zu bringen. Das dies geht hat Elon Musk bewiesen.

Viele unserer Kunden würden sich gern ein Elektrofahrzeug zulegen (ich mir übrigens auch). Dabei ist der Preis zwar wichtig, aber in naher Zukunft eher zweitrangig. Warum es die Menschen nicht tun liegt an der nahezu nicht vorhandenen, teilweise defekten sowie verkomplizierten Infrastruktur sowie daran, dass es sich oft auch um Mieter handelt. Wenn ich Mieter bin und nicht über ein eigenes Grundstück nebst Lademöglichkeit verfüge, wie soll ich dann die ständige Verfügbarkeit meines E-Fahrzeugs sicherstellen?

Etwas unter "Strafe" stellen zu wollen, obwohl es noch keine durchdachte und bezahlbare Alternative gibt, ist - mit Verlaub - Schwachsinn. Genauso wie die sinnfreie Kaufprämie (Feigenblatt einer unfähigen bzw. lobbygesteuerten Politik). Das Geld sollte besser in ein nationales Elektroladeinfrastrukturausbauprogramm fließen, dann ergibt sich der Rest nach und nach von allein. Auch das barrierefreie Laden ist eine riesige Baustelle. Erst wenn das gut funktioniert (z.B. automatisches Zwischenladen an jeder Kreuzung, auf bestimmten Spuren der Autobahn etc.) wird der Wandel vollzogen. Bis dahin wäre es eine Unverschämtheit die Bevölkerung, die keine andere Wahl hat, mit Strafgebühren zu belegen. Das ist blanke Nötigung und wieder einmal ein Eingriff in Privatbereiche. Siehe auch Smartmeter, Leuchtmittel, Legionellenprävention und, und, und etc. Leider ist es schon normal geworden irgendwelche unausgegorenen "Lösungen" mit Macht auf dem Rücken der Bevölkerung zu etablieren. Da stellt sich die Frage - wem nützt dieses Vorgehen? Wer verdient daran? In wessen Auftrag geschieht das alles? Sicher nicht zum Wohle des Volkes.

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