Internationale Presseschau
08.05.2013

Strafzölle für Chinas Module

Die EU-Kommission will schon bald über mögliche Strafzölle gegen Hersteller aus Fernost entscheiden. Der Ausgang der Verfahrens ist allerdings noch völlig offen.

Europäische Unternehmen haben sich zu früh gefreut: Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte berichtet, die Europäische Union wolle am Mittwoch über Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Modulhersteller entscheiden. Durschnittlich 46 Prozent sollten demnach auf die Importe erhoben werden, mit individuellen Zollsätzen je nach Hersteller. Die Zölle gälten dann für sechs Monate. In der EU-Kommission widerspricht man dem Bericht, der sich auf Diplomatenkreise beruft. „Bisher ist keine Entscheidung getroffen worden“, stellte ein Sprecher auf Anfrage klar. Das Verfahren laufe noch, „vorläufige Anti-Dumping-Maßnahmen, falls es welche geben sollte, würden spätestens am 5. Juni veröffentlicht“.

Anzeige

Anzeige

Im Juli 2012 hatte der Branchenverband EU Pro Sun, vorneweg der derzeit stark gebeutelte Bonner Solarworld-Konzern, vor der EU geklagt. Der Verband wirft den chinesischen Konkurrenten vor, den europäischen Markt mit Solarpaneelen zu überschwemmen – mit Preisen, die deutlich unter dem Marktwert liegen. „Mit staatlich subventioniertem Dumping zerstört China jetzt zusehends das, was Europa mit Blick in eine sichere Energiezukunft aufgebaut hat“, sagte Milan Nitzschke, Vice President Solarworld. Wettbewerb gäbe es im ordnungspolitischen Baukasten Chinas nicht. 

Für die EU handelt es sich um das größte Anti-Dumping-Verfahren ihrer Geschichte. 2011 exportierte China Photovoltaik-Produkte im Wert von 21 Milliarden Euro in die Staatengemeinschaft. 

In der hiesigen Branche gehen jedoch die Meinungen über mögliche Strafzölle auseinandern. So haben sich europäische Unternehmen in der Allianz für bezahlbare Solarenergie (AFASE) zusammengeschlossen, die sich klar gegen derartige EU-Eingriffe aussprechen. Sie berufen sich auf eine Studie der Wirtschaftsberater von Prognos, nach der Schutzzölle unter anderem zu steigenden Preisen, zu einem Nachfragerückgang und zu einem weiteren Verlust von Arbeitsplätzen in der Solarenergie führen würden. 

Unterstützung für diese Position kommt auch aus der Regierungskoalition in Berlin. „Strafzölle können erhebliche Schäden zur Folge haben, zum Beispiel für die hoch spezialisierten Maschinenbauer, die ihre Produkte zur Herstellung von Solarmodulen vor allem auch nach China liefern“, sagte Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Er warnt auch vor einer Eskalation gegenseitiger Strafmaßnahmen.

Daniel Seeger
Keywords:
Anti-Dumping-Verfahren | Europäische Union | Solarbranche
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen