Es ist die Ruhe vor dem Sturm: In den beiden letzten Juniwochen muss sich die Große Koalition über die Einführung bundeseinheitlicher Übertragungsnetzentgelte einigen. Sonst wird das insbesondere von den ostdeutschen Ministerpräsidenten herbeigesehnte Netzentgeltmodernisierungsgesetz (Nemog) auf die nächste Legislaturperiode verschoben.

Hinter den Kulissen sorgt ein Vorstoß von Unionsfraktionsvizechef Michael Fuchs für Streit: Fuchs will den durch die Energiewende verursachten Anteil der Netzentgelte in die Umlage beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verschieben. Beharren CDU und CSU auf der Fuchs-Lösung, will die SPD das Gesetz in Gänze platzen lassen, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete und zuständige Berichterstatter Johann Saathoff im Gespräch mit bizz energy ankündigt. „Der Vorschlag ist eine Mogelpackung für Ostdeutschland“, sagt Saathoff.

Denn die dann erhöhte EEG-Umlage treffe alle Privathaushalte, auch die im Osten, während etwa umlagebefreite Industriebetriebe in Nordrhein-Westfalen außen vor blieben. Die SPD pocht darauf, dass die Umverteilung nur über die Netzentgelte geregelt wird und die ohnehin schon hohe EEG-Umlage nicht noch weiter steigt.

Kostspieliges Engpassmanagement

Ob die Fuchs-Lösung in der CDU/CSU-Fraktion eine Mehrheit findet, ist offen: „Es werden dazu noch Gespräche geführt“, lässt Fuchs auf Anfrage von bizz energy mitteilen. Zu den Befürwortern des Fuchs-Vorstoßes zählt der frühere sächsische Umweltminister Arnold Vaatz, der heute für die CDU im Bundestag sitzt.

Insbesondere das Einspeisen der volatilen Windenergie macht kostspieliges Engpassmanagement nötig. Dazu gehört das Redispatch für konventionelle Kraftwerke, das 2017 laut Prognose rund eine Milliarde Euro Kosten verursacht. Hinzu kommt das Einspeisemanagement Erneuerbarer Energien, dessen Kosten dieses Jahr bei knapp 1,2 Milliarden Euro liegen dürften. Dazu trägt der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz rund ein Viertel bei, den Rest muss der Betreiber Tennet schultern, der unter anderem die Netze in den besonders windreichen Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen betreut.

Beide Unternehmen plädierten in der Vergangenheit für bundeseinheitliche Netzentgelte, während die beiden anderen Betreiber Amprion und TransnetBW dagegen opponieren. Letztere haben gut reden: Ihnen entstehen so gut wie keine Kosten für Engpassmanagement, weil sie viel weniger Windstrom einspeisen.

(Foto: istockphoto/markusloew)