Kommentar
21.02.2020

Streit um Tesla-Wald: Das richtige Maß

Symbolfoto: iStock
Das richtige Maß zwischen Ökonomie und Liebe zur Natur ist manchmal schwer zu finden.

Tesla kann mit den Rodungen für den Bau der Fabrik bei Berlin weitermachen. Der Kampf um die Bäume zwischen E-Autohersteller und Umweltschützern ist damit zwar entschieden – doch dahinter steht ein größerer Konflikt.

Vorläufig darf die US-Elektroautofirma Tesla die Bauarbeiten für ihre geplante Fabrik bei Berlin fortsetzen. Die zwischendurch gestoppte Rodung des Waldes kann weitergehen, urteilte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Der Kampf um die Bäume zwischen Autohersteller und Umweltschützern ist damit zwar entschieden, doch dahinter stellt sich eine größere Frage: Was ist heute das richtige Maß an Ökologie?

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Der umstrittene Wald ist eine ziemlich öde Kiefernplantage neben der Autobahn, angepflanzt, um billiges Nutzholz zu liefern. Dass ihn Ökoverbände und Baumschützer trotzdem verteidigen, zeigt: Es geht um etwas anderes. Auf der einen Seite steht die Firma Tesla, die dort elektrisch angetriebene Pkw herstellen will. Im Vergleich zu Diesel- und Benzin-Autos lässt die Elektrifizierung des Verkehrs auf einen gewissen ökologischen Fortschritt hoffen. Den Antrieb der Fahrzeugflotte auszutauschen, ist ein realistischer Weg, um die Kohlendioxid-Emissionen zu verringern.

Manchmal kommt es zu merkwürdigen Allianzen

Dem gegenüber steht die Utopie einer Verkehrswende, kombiniert mit nachhaltigem Lebensstil. Individuelle Mobilität mittels Privatautos würde zurückgedrängt, gemeinsame Fortbewegung mit Bussen, Bahnen oder neuen kollektiven Verkehrsmitteln wichtiger. Tesla arbeitet an einer technischen Lösung, die Umweltschützer fordern einen kulturellen Wandel. Kleine Schritte versus großer Sprung, Realismus versus Systemwechsel.

Und manchmal kommt es dabei zu merkwürdigen Allianzen. Vermeintlich fortschrittliche Ökologen machen gemeinsame Sache mit Rechten, denen deutsche Diesel lieber sind als amerikanische E-Autos, und die ihre Heimat vor der bösen Globalisierung zu schützen meinen.

Der Ökoradikalismus geht mitunter zu weit – in dieser Sicht zerstören selbst Windräder die Natur. Man kann nur empfehlen, mal ein bisschen abzurüsten. Auch, um erreichte demokratische Fortschritte nicht zu gefährden. Schon fordern die Wirtschaftsverbände, Bürgerbeteiligung und Rechtsmittel in Planungsverfahren einzuschränken. Wer zu sehr auf die Pauke haut, dem kann der eigene Absolutheitsanspruch auf die Füße fallen.

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Hannes Koch
Keywords:
Elektromobiltität | Umweltschutz | Tesla
Ressorts:
Governance | Technology
 

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