Digitalisierung
16.01.2019

Stromanbieter setzen auf Dienstleistungs-Plattformen

Foto: istock/Jean-philippe WALLET
Immer mehr Kunden suchen sich ihre Handwerksbetriebe online.

Energieversorger suchen nach Wegen, um ihre Kundschaft mit digitalen Geschäftsmodellen zu erreichen. Helfen lassen sie sich dabei zum Beispiel von Software-Unternehmen wie Energieheld.

Die Digitalisierung verändert die Energiebranche. Manche Unternehmen gründen eigene Start-up-Inkubatoren, andere entwickeln die notwendige Software intern. Viele entscheiden sich für eine Kooperation mit einem Start-up. So auch der zweitgrößte Schweizer Energieversorger CKW (Centralschweizerische Kraftwerke), der mit der Online-Plattform Energieheld zusammenarbeitet.

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Die Plattform berät Haushalte rund um die energetische Gebäudesanierung und vermittelt ihnen Handwerker. „Wir generieren über unsere Plattform Online-Anfragen und stellen sie Handwerksbetrieben bereit“, sagt Philipp Lyding, Mitgründer und Geschäftsführer von Energieheld das Geschäftsmodell. Dazu kooperiert das Unternehmen mit knapp 1.000 Handwerksbetrieben. Kommt es zu einem Auftrag, erhält Energieheld eine Provision.

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Handwerker-Portal in der Schweiz gestartet

Energieheld half der Schweizer CKW dabei, nach dem deutschen Vorbild das Portal Energieheld.ch aufzubauen. Denn das Hannoversche Unternehmen hat seine Plattformtechnologie lizensiert und stellt sie auch anderen Energieversorgern als sogenanntes White-Label-Produkt zur Verfügung. „Unser White-Label-Modell richtet sich zum Beispiel an große Partner, die die Transformation zum Energiedienstleister schaffen wollen“, erklärt Lyding. Bei CKW ist das erklärtes Ziel: „Wir wollen Hausbesitzer ganzheitlich unterstützen, ihre Energie- und Heizkosten nachhaltig zu senken“, sagt Andreas Uthmann, der für das Neugeschäft zuständig ist.

Energieheld-Geschäftsführer Philipp Lyding
„Die internen Strukturen der Energieversorger sind veraltet“, sagt Energieheld-
Geschäftsführer Philipp Lyding. Foto: Energieheld

Auch der Energieversorger Eon ist auf den Zug aufgesprungen und bietet zusätzliche Dienstleistungen: Mit dem niederländischen Partner Guidion hat er eine neue Plattform für Handwerkerservices namens „Home.on“ gestartet. Sie soll Leistungen rund um den Heizungseinbau, zum Thema Smart Home und zu erneuerbaren Energien offerieren. Heizungen werden dort nicht zur zum Kauf, sondern auch zur Miete angeboten – wie bei dem Online-Heizungsbauer Thermondo, an dem Eon beteiligt ist.

Neue Marken drängen in Strommarkt

Den Energieunternehmen sitzen potenzielle neue Konkurrenten aus der Technologie- und Autobranche im Nacken. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis große Konsumentenmarken wie BMW, Daimler, Amazon und Google Energiedienstleistungen anbieten“, schrieb Gerard Reid, Mitgründer des Londoner Beratungsunternehmens Alexa Capital und bizz-energy-Kolumnist in unserer Herbst-Ausgabe. Er behielt Recht: Vergangene Woche kündigte Volkswagen an, über eine eigene Tochtergesellschaft ins Stromgeschäft einzusteigen.  

Energieheld hat auch im Handwerk Nachholbedarf bei der Digitalisierung ausgemacht. Das Unternehmen bietet Handwerksbetrieben eine Cloud-Software namens „Hero“ als Software-as-a-Service-Modell an. Sie können damit Projekte und Kunden managen, vor Ort Aufträge generieren und Mitarbeiter verwalten. Seit diesem Jahr läuft das Software-Geschäft unter der neu gegründeten Marke Lyke, die Energieheld-Plattform ist ihre 100-prozentige Tochter.

Veraltete Strukturen

Obwohl die Kunden immer mehr Wert auf digitale Produkte und Services legten, täten sich viele Unternehmen schwer damit, die Digitalisierung zu meistern, sagt Lyding. „Die internen Strukturen der Energieversorger sind veraltet.“ Diese aufzubrechen sei nicht einfach. Die Unternehmen hätten in den vergangenen Jahrzehnten von ihren Stammkunden gelebt, ohne sich um neue Geschäftsmodelle kümmern zu müssen. „Unsere Erfahrung ist, dass viele daran scheitern oder länger brauchen.“

Die Plattform-Software soll die Energieunternehmen dabei unterstützen, neue Dienstleistungen anzubieten – zum Beispiel Smart Metering oder Energie-Contracting. Das Contracting sei am Boomen, sagt Lyding, also die Bereitstellung von Strom, Wärme, Kälte oder anderer Energie von Dritten, ohne dass der Kunde dafür eine Anlage beschaffen muss. „Irgendwann kauft man sich vielleicht nicht mehr die Heizung, sondern bezieht nur die Wärme.“ Wem die Heizung gehöre, spiele dann keine Rolle mehr – wie beim Auto, wo Carsharing mitunter bereits das eigene Auto ersetzt.

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Jutta Maier
Keywords:
Digitalisierung | Energieversorger | Handwerksbetriebe | Software-as-a-Service
Ressorts:
Technology | Markets

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