Energiebilanzen
02.11.2018

Stromanteil: Erneuerbare ziehen mit Kohle gleich

Foto: iStock
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstrombedarf in Deutschland steigt weiter.

Die Stromerzeugung aus Wind und Solar wächst: Erneuerbare decken 38 Prozent des Verbrauchs, sagen BDEW und ZSW. Sorge bereiten weiter die Sektoren Wärme und Verkehr.

Die erneuerbaren Energien haben in den ersten drei Quartalen 38 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Das ist ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Januar, April und Mai 2018 erreichten sie mit besonders viel Wind und Sonne sogar bis zu 43 Prozent.

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Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Auswertung. Demnach könnten die Erneuerbaren auch im Gesamtjahr 2018 knapp 38 Prozent des Stromverbrauchs decken. 

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Stromerzeugung aus Kohle geht zurück

„Die Erneuerbaren sind ganz klar auf der Überholspur, während der Beitrag der konventionellen Energieträger zur Deckung des Bruttostromverbrauchs kontinuierlich zurückgeht“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Allerdings brauche es noch einiges, um das Ziel von 65 Prozent Erneuerbaren-Anteil bis 2030 zu erreichen. Es müsse daher sichergestellt werden, dass beim weiteren Ausbau kein Fadenriss entsteht, fordert der Verbandschef. 

Windanlagen an Land waren im Betrachtungszeitraum mit fast 63 Milliarden Kilowattstunden die stärkste Erneuerbaren-Quelle – ihr Anteil wuchs über 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch stärker stieg die Photovoltaik mit fast 16 Prozent auf über 41 Milliarden Kilowattstunden. In den ersten drei Quartalen 2018 wurden insgesamt fast 170 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt – damit lagen die Erneuerbaren nahezu gleichauf mit der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 7 Prozent zurückging.

Energieverbrauch und CO2-Emissionen sinken

Zuvor hatte auch die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen einen Zuwachs bei den Erneuerbaren Energien bekannt gegeben: Sie steigerten ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch demnach in den ersten neun Monaten des Jahres um rund drei Prozent. Der Stromverbrauch in Deutschland werde in diesem Jahr deutlich niedriger sein als im Vorjahr, verkündet die AG Energiebilanzen. Sie rechnet für das Gesamtjahr mit einem Rückgang um knapp fünf Prozent.

Da die Verbrauchsrückgänge bisher alle fossilen Energieträger beträfen, Zuwächse dagegen nur bei den CO2-freien Energien zu verzeichnen sind, geht die Arbeitsgemeinschaft von einem Rückgang bei den CO2- Emissionen aus. Der könnte aber zum Teil aber auch auf das Konto des warmen Wetters gehen.

„Die Zunahme der regenerativen Stromerzeugung bietet grundsätzlich Anlass zur Freude“, sagt Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. „Sorgen bereiten allerdings die Sektoren Wärme und Verkehr. Hier müssen wir endlich zu spürbaren Fortschritten kommen.“ Die EU verpflichtet Deutschland, die Treibhausgasemissionen in den nicht dem Emissionshandel unterliegenden Bereichen – somit vor allem Wärme und Verkehr – bis 2030 um 38 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Bei einer Zielverfehlung drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe – und zwar schon ab 2020.

Lesen SIe auch: Photovoltaik - Zahl von Strom-Selbstversorgen dürfte steigen

Carsten Kloth
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