Interview
17.01.2019

Strombörsen-Chef: „Mittelfristig kann EEG-Förderung auslaufen“

Foto: EEX
Peter Reitz, Chef der Strombörse Leipzig, glaubt, dass die Erneuerbaren-Förderung bald enden kann.

Das EEG ist in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt worden, zuletzt durch das Ausschreibungssystem. Doch nun müsse man den nächsten Schritt gehen, sagt Strombörsen-Chef Peter Reitz.

Was kommt nach dem EEG, Herr Reitz?
Das können wir im Ansatz bereits sehen: Bei Ausschreibungen für Offshore-Windenergie haben schon Gebote mit null Cent Förderung den Zuschlag erhalten. Das heißt, es kommen bald Anlagen ohne Förderung in den Markt. Zudem wird nach 2020 erstmals eine größere Zahl von Anlagen aus der EEG-Förderung herausfallen. Es gibt Unternehmen, die nun Portfolios aus solchen Anlagen zusammenstellen, um deren Strom im Markt zu verkaufen.

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Lassen sich die Anlagen profitabel betreiben?
Diese Leute sind ja nicht auf den Kopf gefallen, sie haben ihre Berechnungen gemacht. Es sind oft auch nicht die bisherigen Betreiber. Man braucht eine gewisse Größe und Skaleneffekte, dann gibt es Geschäftsmodelle für einen lohnenden Betrieb. Die Anlagen können zum Beispiel als Teil eines virtuellen Kraftwerks im Regelenergiemarkt einen Beitrag leisten.

Die Bundesregierung strebt mittelfristig eine förderfreie Stromerzeugung aus Erneuerbaren an. Halten Sie das für realistisch?
Das EEG ist in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt worden, zuletzt durch das Ausschreibungssystem. Aus meiner Sicht muss man nun einen weiteren Schritt gehen: Man sollte die Förderung nicht mehr für die produzierte Kilowattstunde ausschreiben, sondern ex ante als Investitionszuschuss für das Aufstellen der Kapazitäten. Danach nähmen die Energieproduzenten ohne weitere Hilfe am Markt teil. Mittelfristig halte ich es für realistisch, dass die Erneuerbaren sich so weit in den Markt integrieren, dass die gesamte Förderung auslaufen kann.

Aus der Erneuerbaren-Branche hört man Warnungen vor einem Abbau der Förderung. 
Sorgen gibt es bei Veränderung immer. Aber bei den Produzenten verschwimmen die Grenzen zwischen erneuerbarer und nicht-erneuerbarer Energie. Viele Versorger haben beides im Portfolio. Die können durchaus in einem solchen Markt agieren. Außerdem möchten auf der Nachfrageseite viele Unternehmen nur noch erneuerbaren Strom kaufen. Deshalb sehen wir zunehmend Power Purchase Agreements – direkte Verträge für die Lieferung erneuerbaren Stroms zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Es gibt  den Trend, solche Verträge über die Energiebörse laufen zu lassen. Der Vorteil ist, dass dann alles über das Clearinghaus der Börse abgesichert ist.

Was bedeutet mehr erneuerbare Energie ohne Förderung am Ende für die Verbraucherpreise?
Der Preis auf Ihrer Stromrechnung und der Preis, zu dem Strom an der Börse gehandelt wird, haben nicht viel miteinander zu tun. Der Erzeuger- und Vertriebspreis macht nur rund 20 Prozent des Endkundenpreises aus. Alles andere sind Netzentgelte oder staatliche Umlagen und Steuern. Wenn der Börsenpreis schwankt und mehr erneuerbare Energie im Netz ist, werden Sie das auf Ihrer Endkundenrechnung kaum sehen.

Peter Reitz ist Vorstandsvorsitzender der EEX AG (Strombörse Leipzig) und gehört dem Vorstand der  Terminbörse Eurex an. Seine Karriere begann der Diplom-Mathematiker als Produktmanager bei der Deutschen Börse in Frankfurt. Unter Reitz‘ Führung übernahm die EEX 2015 die Pariser Strombörse Powernext, 2016 die Warenterminbörse CLTX in Singapur und 2018 die US-amerikanische Strombörse Nodal.

Lesen Sie auch: PPA statt EEG – Windbranche übt für Zeit nach der Förderung

 

Christian Schaudwet
Keywords:
EEG | Power Purchase Agreement | Strombörse
Ressorts:
Markets

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