Digitalisierung
12.03.2018

Stromhändler E2M testet Blockchain für Zeit nach EEG

Foto: Energy2market
Das Leipziger Unternehmen Energy2market handelt mit Strom aus Wind, Solar, Wasserkraft und Biomasse.

Ein weiteres Energieunternehmen versucht sich mit Hilfe der Blockchain-Technologie zukunftsfest zu machen. Der Leipziger Direktvermarkter Energy2market hofft auch auf eine Lösung für die Zeit nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Der Leipziger Stromhändler Energy2market (e2m) geht eine Partnerschaft mit der Blockchain-Plattform Swytch ein. Getestet wird eine Datenplattform für erneuerbare Energien. Produktionsmengen sollen hierbei einem virtuellen Wert – den Swytch-Token – zugeordnet werden. „Der Switch-Token trägt den Nachweis in sich, dass bei einer bestimmten Produktion an einem bestimmten Standort eine gewisse Menge CO2 vermieden wurde“, sagt Felix Buchholz, Leiter des Portfoliomanagements der e2m im Gespräch mit dem Magazin bizz energy.

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„Über die Blockchain kann der Nachweis geführt werden, an welchen Standorten bestimmte Strommengen produziert wurden und diesen für alle Marktteilnehmer transparent machen“, erläutert Buchholz. Es gehe aber nicht nur um die Verifikation der Einspeisedaten. „Die Swytch-Token sind wie eine Währung. Sie bekommen dadurch einen Mehrwert, dass Menschen diese handeln.“ Die Nachweisführung über die Blockchain könne darüber hinaus für andere Dinge genutzt werden: „Nachfrager wollen beispielsweise gerne eine bestimmte Energiemenge aus einer bestimmten Region. Diese Handelsgeschäfte könnten über die Blockchain direkt abgebildet werden“, sagt Buchholz.

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Mechanismen für Zeit nach EEG-Förderung

 

Seit Anfang des Jahres testet der Strom-Direktvermarkter aus Leipzig die Effizienz der Blockchain-Plattform. Das Unternehmen handelt mit etwa 3,5 Gigawatt (GW) installierter Leistung in den Erzeugungstechnologien Wind, Solar, Wasserkraft und Biomasse. Man sei überzeugt, dass die Blockchain-Technologie genutzt werden könne, um den Wert der europäischen Erzeugungsanlagen nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu sichern, sagt Geschäftsführer Andreas Keil. Erneuerbare Energien decken heute 31,5 Prozent des Bruttostromverbrauches in Deutschland ab – bis 2050 sollen 80 Prozent erreicht werden. Dies gehe nicht ohne neue Förderinstrumente und Handelsmechanismen, meint Keil.

 

Die in Boston beheimatete Swytch-Plattform wurde aus dem Umfeld des Massachusetts Institute of Technology (MIT) gegründet. „Unser Blockchain-System ist die einzige Technologie, die im Gigawatt-Bereich getestet wurde“, sagt Evan Caron, Mitbegründer und Geschäftsführer von Swytch. Die Blockchain-Technologie könne Verwaltungskosten drastisch reduzieren.

 

Blockchain: Hype oder Zukunftsmodell?

 

Auch Buchholz verweist auf Möglichkeiten wie dem direkten Handel von sogenannten Prosumern – also Strom-Kleinerzeugern und Konsumenten – „über den Gartenzaun hinweg“. Die Furcht, dass das eigene Unternehmen als Zwischenhändler überflüssig werden könnte, habe man zwar nicht. Dennoch möchte man zukünftige Geschäftsfelder ausfindig machen: „Letztlich geht es immer auch darum, die Infrastruktur bereit zu stellen. Es braucht eine Instanz, die die Plattform aufbaut und das Geschäftsmodell entwickelt“, sagt Buchholz.

 

Wie viele Blockchain-Projekte befindet sich auch die Kooperation von Energy2Market in einer sehr frühen Testphase. Noch ist keineswegs ausgemacht, dass die Blockchain-Technologie die Märkte wirklich grundlegend verändert. Vor allem in Hinblick auf ihre Funktion als Grundlage für Kryptowährungen mehren sich Stimmen, die die Technologie für überschätzt halten. Zuletzt äußerte sich der US-Ökonom Nouriel Roubini - bekannt für seine pessimistischen Prognosen – kritisch: Die Blockchain sei der übertriebenste Technologie-Hype aller Zeiten. Dennoch experimentieren gerade auch in der Energiebranche zahlreiche Unternehmen derzeit mit der Blockchain-Technik.

 

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Carsten Kloth
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain
Ressorts:
Technology

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