Preisportal
23.05.2020

Strompreis im Osten sinkt auf Westniveau

Foto: Istock
Die Netzentgelte für die Stromleitungen sind inzwischen mit der größte Kostenblock in der Stromrechnung

Die Ausgaben der Haushalte für Strom sinken in den neuen Ländern auf das Niveau der alten Länder. Wegen der geringeren Einkommen geben die Ost-Haushalte anteilig aber mehr für Energie aus.

Die Stromkosten der Haushalte in Deutschland gleichen sich an. Nach Berechnungen des Preisportals Verivox kostet der Haushaltsstrom in den neuen Ländern erstmals etwas weniger als in Westdeutschland. Jahrelang sei dies umgekehrt gewesen.

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Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden müsse danach in Ostdeutschland aktuell im Schnitt 1189 Euro zahlen. In den westdeutschen Ländern sei die gleiche Strommenge mit 1202 Euro um 1,1 Prozent teurer. Noch 2017 habe das Kostengefälle zwischen Ost und West rund 4 Prozent zu Lasten der neuen Länder betragen.

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Deutschlandweit stiegen die Stromkosten laut Verivox in den letzten zwölf Monaten um 1,4 Prozent. Während sie im Westen (bezogen auf 4000 Kilowattstunden) um im Schnitt 1,7 Prozent anzogen, sanken sie im Osten um 0,2 Prozent.

Die von Verivox und anderen Preisportalen in der Regel herangezogene Vergleichsmenge von 4000 Kilowattstunden überzeichnet aber die realen Kosten deutlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag 2018 der durchschnittliche Stromverbrauch privater Haushalte in Deutschland mit einer Elektrospeicherheizung bei 3.012 Kilowattstunden, ohne eine Speicherheizung bei 2.801 Kilowattstunden, also bei 75 bzw. 70 Prozent der vom Preisportal angenommenen Verbrauchsmenge.

Energiekosten sanken insgesamt spürbar

Wegen des Preisverfalls vor allem bei Öl und Gas müssen die Haushalte derzeit insgesamt weniger Geld für Energie aufwenden als noch vor einem Jahr. Die Kosten für Heizung, Strom und Sprit sanken auf Jahressicht um rund 6 Prozent, davon allein vom Februar auf den März 2020 um 5 Prozent, hatte Verivox im April mitgeteilt.

Nach Berechnungen des Preisportals Check24 müssen Verbraucher in den neuen Länder dabei einen höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Haushaltsenergie aufbringen. Westdeutsche Singlehaushalte verwenden demnach 3,8 Prozent ihrer Kaufkraft für Strom und Gas, in den neuen Ländern sind es 4,6 Prozent.

Den regional höchsten Anstieg der Strompreise ermittelte Verivox für das Saarland mit 3,8 Prozent, es folgen Nordrhein-Westfalen (plus 3 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 2,9 Prozent). In drei Bundesländern sei Strom in den vergangenen zwölf Monaten günstiger geworden: in Brandenburg (minus 2,7 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 1,8 Prozent) und Bayern (minus 0,7 Prozent).

Angleichung der Netzentgelte nützt Ost-Verbrauchern

Ein Grund für die gesunkenen Preise sei die Entwicklung der Netzentgelte. "Die politische Entscheidung, die Übertragungsnetzentgelte bundesweit schrittweise anzugleichen und so die Kosten der Energiewende gleichmäßiger zu verteilen, trägt Früchte", sagte Valerian Vogel, Energieexperte von Verivox. Seit 2019 werden die Entgelte für die großen Übertragungsnetze, die einen Teil der gesamten Leitungskosten ausmachen, bundesweit vereinheitlicht. Ab dem 1. Januar 2023 sollen dann in Deutschland überall gleich hoch sein.

Die Netzentgelte machen derzeit etwa 22 Prozent des Strompreises aus und sind damit mit der größte Posten. Sie fallen nach Angaben der Bundesnetzagentur regional sehr unterschiedlich aus. Vor allem in Teilen von Nord- und Ostdeutschland seien sie relativ hoch. Die Ursachen dafür seien äußerst vielschichtig. So seien in Ostdeutschland die Netze häufig zu groß dimensioniert. Zudem müssten in dünn besiedelten Gebieten die Netzkosten auf weniger Nutzer verteilt werden.

Verivox zufolge waren 2017 im Westen 274 Euro Netzkosten für einen Vier-Personen-Haushalt fällig, im Osten 339 Euro. Seither verlaufe die Entwicklung entgegengesetzt. In den alten Bundesländern sind die Netzentgelte um rund 5 Prozent auf 287 Euro gestiegen, in den neuen hingegen um 11 Prozent auf 301 Euro gefallen.

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jst/dpa
Keywords:
Haushalte | Stromverbrauch | Netzentgelt
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