Studie
26.06.2019

Stromspeicher: gute Effizienz – schlechte Transparenz

Foto: Siemens
Auch ein Solarspeicher von Siemens wurde in der Stromspeicher-Inspektion untersucht.

Die Effizienz hat sich verbessert, aber die Güte der Geräte bleibt schwer vergleichbar: Die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin hat ihre Stromspeicher-Inspektion 2019 vorgelegt.

Im November 2018 stellte die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ihre erste Stromspeicher-Inspektion vor. Im Vergleich dazu hat sich 2019 die Gesamteffizienz der untersuchten Speicher leicht verbessert. Doch nach wie vor sehen die Forscher Defizite – vor allem bei der Verbraucherinformation.

Anzeige

Im vergangenen Jahr war noch die Rede davon, dass in deutschen Solarstrom-Haushalten rund 100.000 Stromspeicher in den Kellern stehen. Ein halbes Jahr später spricht die Branche schon von 125.000 derartigen Batteriesystemen. Die Transparenz für die Kunden hält mit dem Verkaufsboom aber nicht Schritt. Das beginnt schon bei der Bereitschaft der Branche, sich der Inspektion zu stellen. Wie 2018 hatten die HTW-Forscher auch dieses Jahr 60 Speicherhersteller angeschrieben. Beteiligten sich 2018 zehn Unternehmen mit 20 Speichern an der Studie, so waren es jetzt acht Unternehmen mit 16 Batteriesystemen – die Hälfte davon wurde 2019 erstmals auf Herz und Nieren getestet.

Anzeige

Standby-Verbrauch beachten

Auch wenn die Zahl der teilnehmenden Unternehmen sank, repräsentierten diese dennoch „mehr als die Hälfte des Heimspeichermarkts in Deutschland“, sagt Studienmitautor Johannes Weniger von der HTW. Den zahlenmäßigen Rückgang erklärt er damit, dass man 2018 Batterien analysiert habe, die mittlerweile oder künftig nicht mehr verfügbar seien. Auch entschieden die Forscher, nun nur noch Labordaten unabhängiger Prüfinstitute und keine herstellereigenen Messungen mehr zu berücksichtigen.

Vergangenes Jahr klagten die HTW-Forscher vor allem über eine ziemlich verbraucherunfreundliche Kennzeichnung der Geräte. „Erste positive Ansätze hin zu einer besseren Vergleichbarkeit sind zu erkennen“, bilanziert Johannes Weniger. So werde nun häufiger der Standby-Verbrauch angegeben. Zwischen 2.000 und 4.000 Stunden im Jahr sind die Stromspeicher laut der HTW-Studie völlig entladen – je kleiner die Batterie, desto häufiger. Im entladenen Zustand deckt der Speicher seinen Standby-Strombedarf dann aus dem Netz. Bei hohem Standby-Verbrauch um 50 Watt können da 100 bis 200 Kilowattstunden pro Jahr zusammenkommen, rechnen die HTW-Leute vor. Ihr Rat: Mehr als 5 Watt sollte der Speicher im Standby nicht benötigen.

Buch mit sechs Siegeln

Das war's im Wesentlichen schon mit dem Positiven. Statt ein Buch mit sieben Siegeln sind die Datenblätter der Stromspeicher offenbar jetzt nur noch eins mit sechs Siegeln. So findet es Johannes Weniger bedenklich, wenn weiterhin oft nur die sogenannte nominale Batteriekapazität angegeben wird. „An anderer Stelle auf dem Datenblatt oder in Fußnoten wird dann darauf hingewiesen, dass davon nur 70 oder 90 Prozent nutzbar sind“, kritisiert der HTW-Experte. Für eine bessere Vergleichbarkeit sollte seiner Ansicht nach die wirklich nutzbare Batteriekapazität ausgewiesen werden.

Auch wenn die Hersteller-Daten dem Batteriespeicher einen hohen Wirkungsgrad attestieren, so garantiert das keineswegs eine hohe Effizienz des gesamten Speichersystems, warnt die HTW-Studie. Entscheidend seien vielmehr geringe Verluste beim Umwandeln des Stroms sowie beim Standby-Betrieb. „Wer ein wirklich effizientes Photovoltaik-Speichersystem sucht, sollte auf einen Wirkungsgrad von über 95 Prozent sowohl beim Laden als auch beim Entladen der Batteriespeicher Wert legen“, sagt Mitautor Volker Quaschning von der HTW.

Verband sieht Effizienz-Kennzahl skeptisch

Gegenüber der 2018er Untersuchung hat sich 2019 die Gesamteffizienz der untersuchten Speicher leicht verbessert. Der von den HTW-Forschern entwickelte so genannte „System Performance Index“ (SPI) stieg von 88,1 auf 89,1 Prozent. Die leicht positive Entwicklung erklärt Johannes Weniger aber vor allem damit, dass sich 2019 vorrangig Unternehmen an der Studie beteiligten, die mit einer hohen Effizienz punkten können. Man kann das auch auch so sehen: Vermutlich beteiligten sich eher die Unternehmen, die sich für ihre Produkte gute Ergebnisse ausrechnen.

Andere Hersteller lassen sich nach wie vor nicht in die Karten schauen. „Weiterhin sind Produkte erhältlich, für die keine vergleichbaren technischen Daten vorliegen. Es bleibt offen, wie effizient diese Speicher sind“, resümiert Johannes Weniger.

Im Unterschied zur ersten Inspektion 2018, zu der keine öffentlichen Äußerungen des Bundesverband Energiespeicher (BVES) bekannt sind, reagierte dieser diesmal: Man unterstütze die Arbeiten an einheitlichen und reproduzierbaren Messungen für die Vergleichbarkeit von Speichersystemen, sagt BVES-Geschäftsführer Urban Windelen auf Nachfrage von bizz energy. Die Auswertung zeige „sehr gut“, dass Speichersysteme effizient eingesetzt werden können. Der Verband würde sich aber wünschen, wenn ein breiteres Spektrum an Geräten aufgezeigt wird und mehr Institutionen solche Vergleiche vornehmen. Skeptisch steht der BVES der Effizienz-Kennzahl SPI gegenüber. Dem Konzept der HTW könne der Verband hier noch nicht ganz folgen.

Lesen Sie auch: Solarspeicher boomen – Verbraucherschützer bremsen

Lesen Sie auch: Hocheffiziente Stromspeicher sparen bis zu 1000 Euro

Jörg Staude
Keywords:
Stromspeicher | Solarspeicher
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen