Netzstabilität
24.10.2018

Stromspeicher: Vattenfall baut mehr BMW-Batterien ein

Foto: Vattenfall
E-Autobatterien von BMW im "Second-Life"-Stromspeicher des Energieversorgers Vattenfall in Hamburg

Der Energieversorger Vattenfall weitet sein Geschäft mit Stromspeichern aus E-Autobatterien aus. Neben gebrauchten Akkus aus BMW-i3-Fahrzeugen kommen zunehmend auch nagelneue zum Einsatz.

Die 2.600 Lithium-Ionen-Batteriemodule, die der Energieversorger Vattenfall im Hamburger Hafen zusammengeschaltet hat, entsprechen der Speicherkapazität von rund 100 Elektrofahrzeugen des Modells BMW i3. Der Speicher aus gebrauchten Autobatterien liefert Primärregelenergie für das norddeutsche Stromnetz. Vattenfalls Bilanz nach zwei Jahren Testbetrieb: Die Alt-Akkus haben sich nach Aussage von Projektleiter Daniel Hustadt bewährt – inzwischen beteiligt sich der Energiekonzern mit dem „Second-Life-Strom“ an den täglichen Auktionen für Regelenergie.

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„Als Primärreserve eignen sich Batteriespeicher sogar besser als Kraftwerke, weil sie schneller und flexibler sind“, sagt der diplomierte Wirtschaftsingenieur Hustadt. In Sachen Schnelligkeit sei das Plansoll übererfüllt, weil die Batterien Strom innerhalb von Millisekunden lieferten.

Vattenfall weitet das Geschäft mit Speichern aus zusammengeschalteten Auto-Akkus in Hamburg nun aus: Auch bei seinem neuen Projekt arbeitet das Unternehmen mit BMW zusammen – mit dem Unterschied, dass in dem Speicherregelkraftwerk am Windpark Curslack im Stadtteil Bergedorf keine gebrauchten, sondern fabrikneue i3-Batterien eingesetzt werden. Wie sein Pendant im Hafen soll die Anlage, die demnächst in Betrieb geht, zur Netzstabilisierung bei schwankender Einspeisung von Wind- und Solarenergie  beitragen.

Projekte in den Niederlanden und Großbritannien

Autoakkus scheinen für Vattenfall der Batterietyp der Wahl zu werden: i3-Batterien nehmen auch in der Nähe von Amsterdam Strom aus einem Windpark auf, eine ähnliche Anlage steht in Südwales. Das niederländische Projekt soll im kommenden Jahr drei auf zwölf Megawatt Kapazität ausgebaut werden. Alle Vattenfall-Autobatteriespeicher haben die Aufgabe, Primärregelleistung zur Verfügung zu stellen und die Netze vor zu starken Schwankungen zu schützen.

Das Besondere am „Second-Life“-Speicher im Hamburger Hafen aber ist die Weiternutzung gebrauchter Technik: Wenn die teuren, an Rohstoffen reichen Batterien von E-Mobilen für den Fahrbetrieb nicht mehr ausreichen, sind sie im Prinzip noch lange nicht fällig für die aufwändige Entsorgung. „Die Batterien bleiben nach ihrem ersten Leben im Auto eine wertvolle Ressource“, sagt Daniel Hustadt. „Ihr zweites Leben kann durchaus noch einmal ein Jahrzehnt dauern.“

Forschungsbedarf bei Batterie-Recycling

Das kann Wissenschaftlern wertvolle Zeit verschaffen, das Recycling dieser Batterien erforschen. Auch die E-Auto-Hersteller wollen die Prozesse zur Wiederverwertung zu verbessern und deren Kosten zu senken. BMW versucht, den ökologischen Fußabdruck seiner E-Mobile insgesamt zu verkleinern, wozu auch der Einsatz von regenerativer Energie bei der Produktion gehört. Und für Bosch ist die Verbindung zwischen Mobilitäts- und Energiesektor interessant. Einen Algorithmus zu entwickeln, der Batterien unterschiedlichen Alters und somit auch unterschiedlicher Leistung effizient und ressourcenschonend steuere, sei eine Herausforderung, heißt es bei dem Autozulieferer.

Die Hamburger Testanlage ist in einem weißen Flachbau direkt an der Elbe untergebracht, nicht weit vom Kreuzfahrtterminal Steinwerder. Das 26 Meter lange, sechs Meter breite Gebäude hat zwei Gänge, an den Wänden stehen Stahlschränke mit Batterien und Computern. Der Speicher ist ein Kooperationsprojekt dreier Unternehmen: BMW liefert und integriert die Batterien, die zuvor Fahrzeuge seiner internationalen E-Testflotte antrieben. Bosch liefert die Wechselrichter und kümmert sich um die Systementwicklung. Vattenfall ließ die Fundamente des Gebäudes errichten, liefert den Strom, betreibt den Batteriespeicher und vermarktet dessen Energie.

„Kleinen Anlagen Marktzugang verschaffen“

Mit der Speicherkapazität von 2800 Kilowattstunden könnte man einen durchschnittlichen Zwei-Personenhaushalt mindestens sieben Monate lang versorgen, aber solche Einsatzarten sind nicht Zweck des Projekts. „Unser Ziel ist es, solche Batteriespeicher in das Energiesystem zu integrieren und somit vielen kleinen Anlagen über den Stromhandel einen Marktzugang zu verschaffen“, sagte der Vattenfall-Manager Pieter Wasmuth anlässlich der Inbetriebnahme im Herbst 2016.

Der Energieversorger hat im Rahmen seiner Second-Life-Kooperation mit BMW weitere Einsatzgebiete für Alt-Akkus in Hamburg erkundet: Autobatterien als Pufferspeicher für Schnellladesäulen oder in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage, um möglichst viel  Sonnenstroms selbst nutzen zu können. Die Zwei-Megawatt-Batterie im Hamburger Hafen ist der vorerst letzte von drei Praxistests zum Einsatz gebrauchter E-Mobil-Akkus. Vattenfall bezeichnet diese Art der Stromspeicherung als wirtschaftlich. Mit Second-Life-Batterien lasse sich Geld verdienen, heißt es aus dem Unternehmen.

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Monika Rößiger
Keywords:
Batterien | Stromspeicher | Vattenfall | Elektromobilität
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