Verkehrswende
20.08.2018

Bikesharing-Markt wächst jährlich um 20 Prozent

Foto: istock/tonisvisuals, Top-Teaser: lzf
Opfer von Vandalismus: Leihfahrrad der Marke Ofo in Shanghai, China.

Der Boom der Leihfahrräder in Großstädten hält an: Die Nachfrage beflügelt die Investitionen, zeigt eine Prognose. Doch nicht alle Anbieter werden überleben.

Das Leihen von Fahrrädern wird in Großstädten immer beliebter: Schließlich ist Radfahren günstiger als ein Taxi und flexibler als der öffentliche Nahverkehr oder das Auto, das geparkt werden muss. Entsprechend groß ist inzwischen das Angebot an Leihfahrrädern. In der Innenstadt von Berlin etwa findet sich nahezu an jedem Straßenzug eine bunte Auswahl von Drahteseln. Die Unternehmensberatung Roland Berger rechnet damit, dass der Boom bis 2021 anhält: Der weltweite Umsatz mit Fahrradverleih-Diensten werde jedes Jahr um 20 Prozent auf bis zu acht Milliarden Euro wachsen, lautet die Prognose.  

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Drei Milliarden Euro sind laut Roland Berger in jüngster Zeit in Leihfahrrad-Unternehmen geflossen. Dabei setzten Investitionen von asiatischen Unternehmen die europäischen Märkte immer weiter unter Druck. Anbieter aus Asien betreiben im Unterschied zu europäischen Unternehmen unabhängige Systeme ohne feste Standorte, zum Beispiel Mobike, Ofo oder Yobike. In Peking, Shanghai und Shenzen gibt es mittlerweile jeweils 2,3 Millionen Leih-Drahtesel, in London sind es 18.000, in Paris 15.000 und in Berlin 14.000.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Das Wettrennen hat jedoch unerwünschte Nebenwirkungen: So haben die Anbieter mit Verlusten durch gezielten Vandalismus zu kämpfen. Zum anderen mussten erste Unternehmen wegen Überangebots das Feld schon wieder räumen: Das Unternehmen Obike aus Singapur etwa wollte mit seiner gelb-silbernen Flotte den deutschen Markt aufmischen, geriet im Juli jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. Nun hat der Verkauf von 10.000 Obike-Rädern begonnen, die in einer Hamburger Lagerhalle auf ihren Einsatz gewartet hatten. 

„Dass einige Anbieter wegen finanzieller Probleme wieder verschwunden sind zeigt, wie angespannt die Atmosphäre im Markt ist“, sagt Roland-Berger-Partner Tobias Schönberg. Er rechnet damit, dass sich der Markt in den nächsten Jahren konsolidieren wird. Pro Standort seien dann nur noch weniger, aber qualitativ hochwertige Angebote verfügbar.

Leihrad-Friedhöfe in China

Laut Roland Berger profitiert der Bikesharing-Markt von einem global steigenden Umweltbewusstsein und dem Trend zum Teilen, auch Sharing Economy genannt. Doch wohin ungebremstes Wachstum führen kann, zeigen die Fotos von regelrechten Leihfahrrad-Friedhöfen in China: Die Anbieter stapelten beschädigte Räder dort einfach am Straßenrand, weil sie mit der Instandhaltung nicht hinterherkamen. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, eine ökologisch begrüßenswerte Idee in ihr Gegenteil verkehrt zu haben.

Roland Berger prognostiziert dennoch, dass sich vor allem freie Systeme weiterverbreiten werden.  Sie haben weder feste Stationen noch Schlösser, Nutzer können per App an jedem Standort auf ein Rad zugreifen. Immer mehr Räder sind zudem mit GPS ausgerüstet, um Vandalismus und Diebstahl einzudämmen.
Besonders wichtig ist aus Sicht der Unternehmensberater, dass sich die Bikesharing-Angebote auch mit anderen Verkehrsmitteln verknüpfen lassen.

„Wer in diesem hart umkämpften Markt bestehen will, muss ein dichtes Netzwerk und einen benutzerfreundlichen Zugang bieten – von der Kundeninformation bis zur Bezahlung über das Smartphone, egal für welchen Service“, sagt Schönberg. So könnten Nutzer im Idealfall mit einer einzigen App den Zug für die Langstrecke sowie das Rad für die letzten drei Kilometer zum Ziel buchen.

Lesen Sie auch: Mobilität in der Großstadt – die Rebellion der Radguerilla

Jutta Maier
Keywords:
Bikesharing | Asien | Leihfahrräder | Roland Berger | Studie
Ressorts:
Markets

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