Verkehrswende
05.04.2019

Studie: Elektroautos sind gut für das Klima

Foto: iStock
Vor allem in Norwegen ist man in Sachen Elektromobilität schon etwas weiter.

E-Fahrzeuge sind schon heute deutlich klimafreundlicher als Verbrenner. Der Vorteil wächst mit Fortschritten im Stromsektor und bei der Batteriefertigung – so das Ergebnis einer Studie.

Batterieelektrische Pkw sind in der Regel schon heute weniger klimaschädlich als vergleichbare Autos mit Diesel- oder Benzinmotor. So das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Denkfabrik Agora Verkehrswende. Demnach haben vor allem elektrische Stadtautos im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen einen deutlichen Klimavorteil. Mehr Strom aus Wind und Sonne sowie technische Fortschritte bei der Batterieherstellung können den Vorsprung in Zukunft weiterwachsen lassen.

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Etwa zehn Millionen E-Fahrzeuge würden benötigt, damit Deutschland die Klimaziele 2030 erreiche, sagt Christian Hochfeld bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Doch „wie gut ist die Elektromobilität wirklich?“, fragt der Direktor von Agora Verkehrswende. Klimaschädliches Gas entsteht sowohl bei der Produktion des Fahrstroms als auch bei der Herstellung der E-Fahrzeuge. Deshalb herrscht in der Öffentlichkeit Verunsicherung über deren gesamte Klimawirkung.

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Doch Verunsicherung führe zu Kaufzurückhaltung, sagt Hochfeld. Um diese Unsicherheiten – auch im politischen Umfeld – zu nehmen, habe man das Heidelberger Ifeu-Institut für Energie und Umweltforschung gebeten, den vorhandenen Kenntnisstand abzubilden. Das Fazit der Wissenschaftler: „Die Zeit spielt für das Elektroauto“. Um diesen Prozess zu fördern, sollten unter anderem der Ausbau der regenerativen Stromerzeugung beschleunigt und Anreize geschaffen werden, die Batterieproduktion zu verbessern.

Klimavorteil spätestens nach 150.000 km

Die Forscher bilanzierten in der Studie die Klimaeffekte von elektrischen Pkw über deren gesamten Lebensweg und verglichen sie mit den Treibhausgasemissionen von Benzin- und Dieselfahrzeugen. Grundlage war eine Auswertung von 23 bereits vorhandenen Untersuchungen sowie eigene Modellierungen.

Ihr Vergleich zeigt, dass die Lebenszyklus-Emissionen von E-Autos nach einer Fahrtstrecke von 150.000 Kilometer 24 Prozent geringer sind als die von Benzinern und 16 Prozent geringer als die von Diesel-Pkw. Dabei ist unterstellt, dass die Energiewende bei der Stromerzeugung wie von der Bundesregierung beabsichtigt fortgeführt wird. Würde ausschließlich solar erzeugte Elektrizität als Fahrstrom genutzt, dann könnte sich der Klimavorteil der E-Fahrzeuge über den gesamten Lebensweg betrachtet verdoppeln.

Keine Zweifel mehr an Klimaverträglichkeit

„Unsere Studie zeigt, dass Zweifel an der Klimaverträglichkeit von batterieelektrischen Pkw nicht mehr begründet sind“, sagt Hochfeld. Wer es mit dem Klimaschutz ernst meine, müsse nun zeitnah die richtigen Konsequenzen ziehen und die politischen Rahmenbedingungen so setzen, dass Elektroautos nicht nur angeboten, sondern auch gekauft werden. „Dazu gehört der beschleunigte Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Bepreisung von klimaschädlichem Kohlendioxid und ein nach CO2-Kriterien gestaffeltes Bonus-Malus-System bei der Zulassung von Neufahrzeugen“, so der Agora-Direktor.

Batterieelektrische Fahrzeuge verursachen in der Nutzungsphase regelmäßig weniger Klimagase als Verbrenner. In der Herstellungsphase verursachen sie vor allem wegen der energieintensiven Batterieproduktion allerdings mehr – je größer die Batterie, desto größer sind die mit ihrer Herstellung verbundenen Emissionen. Diese „Startlast“ kompensiert das Elektroauto mit jedem gefahrenen Kilometer.

Standortvorteil durch Strommix

Deshalb hängt die Klimabilanz von Elektro-Pkw unter anderem auch davon ab, wie solche Fahrzeuge genutzt werden. Als besonders vorteilhaft erweisen sich laut Agora Verkehrswende gemeinschaftlich genutzte Stadtfahrzeuge mit kleiner Batterie und hoher Jahresfahrleistung. „Damit der Verkehrssektor wirklich klimaneutral wird, brauchen wir auch die Mobilitätswende – dazu gehören Carsharing, Ridesharing und Ridepooling mit Elektroautos“, sagt Hochfeld.

Der Studie zufolge lässt sich die Klimabilanz von E-Autos künftig deutlich verbessern. Der größte Beitrag sei durch mehr grünen Strom zu erwarten, aber auch bei der Fertigung der Batteriezellen gebe es große Verbesserungspotenziale. Auch könne ein hoher Anteil von Solar- und Windenergie am Strommix europäischen Ländern bei der Fertigung von Batteriezellen einen Standortvorteil gegenüber Ostasien verschaffen. Dort wird momentan das Gros der Batteriezellen unter Einsatz von vergleichsweise viel Kohlestrom gefertigt.

„Wir sehen uns bestätigt, dass Elektromobilität der Schlüssel zur Verkehrswende ist“, bilanziert Kerstin Meyer, Projektleiterin Personenverkehr bei Agora Verkehrswende. In allen untersuchten Fällen habe das Elektroauto einen Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner.

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Carsten Kloth
Keywords:
E-Mobilität | Verkehrswende | E-Autos
Ressorts:
Markets

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