Digitalisierung
27.02.2019

Studie: Energiebranche kann Blockchain schon einsetzen

Foto: iStock
Der Hype um Bitcoin ist zwar abgeflaut, doch die Blockchain-Technologie bleibt Hoffnungsträger.

Die Deutsche Energie-Agentur hat untersucht, wo sich der Einsatz der Blockchain in der Energiewirtschaft anbietet. Ein Ergebnis: Vor allem für Herkunftsnachweise ist die Technologie sinnvoll.

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Auch regulatorisch sehen die Experten noch Hürden – vor allem im Bereich Datenschutz: „Der Begriff der Löschung sollte vom Gesetzgeber noch einmal ausgestaltet werden“, sagt dazu Fachgutachter Ludwig Einhellig. Der Manager des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte ist für den regulatorischen Teil der Blockchain-Studie verantwortlich. Laut Datenschutz-Grundverordnung gibt es ein Recht auf Löschung personenbezogener Daten. Die Blockchain hält ihrem Wesen nach Daten jedoch unveränderlich fest: „Die Blockchain-Technologie und das Recht auf Vergessenwerden sind Antagonisten“ heißt es dazu in der Studie. Der Experte plädiert dafür, die Datenschutzgrundsätze zugunsten eines Rechts auf hinreichende Schutzmaßnahmen wie Anonymisierungen weiterzuentwickeln.

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Dreh und Angelpunkt einer Datenerfassung auf Blockchainbasis in der Energiewirtschaft werde künftig das Smart-Meter-Gateway sein. Bislang ist erst ein Gateway vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert worden. Der lange erwartete Rollout der intelligenten Messsysteme beginnt, wenn drei Geräte unterschiedlicher Hersteller das Verfahren durchlaufen haben.

Guter Zeitpunkt zum Einstieg

Für Unternehmen der Energiewirtschaft, die erste Erfahrung mit der Blockchain sammeln oder Pilotprojekte starten wollen, sei jetzt ein guter Zeitpunkt, meinen die Autoren der Studie. Man befinde sich in einer frühen Marktphase mit niedrigem Wettbewerbsdruck. Der abgeflaute Hype um die Kryptowährung Bitcoin habe dabei keine negativen Auswirkungen: „Kryptowährungen sind nicht gleichzusetzen mit Blockchain-Technologie“, sagt Strücker. Die Anzahl der genutzten Blockchains habe sich in den letzten Jahren extrem erhöht, ebenso wie die Zahl der eingesetzten Entwickler. Gleichzeitig sei Deutschland aktuell gut aufgestellt, auch wenn viele Patentanmeldungen in dem Bereich inzwischen aus China kämen.

Auch die Politik zeigt offenbar ein zunehmendes Interesse an der Blockchain. So berichtet Ingrid Nestle, ehemalige Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Umweltministerium auf der Podiumsdiskussion im Anschluss an die Studienpräsentation von „Neugier in der Politik, Hype und diffusen Hoffnungen“. Die Aufbruchstimmung, die die Blockchain erzeuge, sei wichtig für die Energiewende, so die Grünen-Politikerin. Gleichzeitig gebe es Skepsis gegenüber einer Technologie, bei der keine vermittelnde Instanz mehr vorhanden sei, die im Zweifel beispielsweise für Blackouts verantwortlich gemacht werden könne.

Doch die Blockchain-Technologie kann die Netze sogar stabiler machen, darauf weisen die Studienautoren hin. Ohne Dezentralisierung und Digitalisierung sei die Transformation der Energiesysteme nicht denkbar: Die zunehmende Menge an Akteuren – Erzeuger, Verbraucher und Prosumer, die beides gleichzeitig sind – würden den Einsatz digitaler Technologien wie die Blockchain notwendig machen. Je mehr Geräte und Akteure es gebe, desto höher sei der Abstimmungsbedarf. Hier werde die Technologie in Zukunft einen Beitrag leisten, ist Strücker überzeugt: „Die Blockchain in der Energiewelt wird kommen, die Frage ist nur wo und wann“.

Lesen Sie auch: Energiewirtschaft nutzt Blockchain vor allem für direkten Handel

Carsten Kloth
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Keywords:
Blockchain | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

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