07.11.2016

Studie: Günstige Kredite machen CO2-Preise wirksam

Foto: Pixabay
Die Energiewende will auch bezahlt werden. Darum braucht es entsprechende Investitions-Bedingungen, sagen MCC-Forscher.

Ein CO2-Preis allein wird es nicht richten. Um die globale Energiewende voranzutreiben, setzen Mercator-Wissenschaftler auf eine Kombination von Emissions-Zertifikaten mit möglichst geringen Kapitalkosten.

Zum Beginn des Klimagipfels in Marrakesch steht auch die Debatte um CO2-Preise wieder auf der weltpolitischen Tagesordnung. Sie sollen die globale Energiewende beschleunigen, indem sie klimaschädliche Industrien teurer machen. Wissenschaftler des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) halten teure Luftverschmutzungs-Zertifikate allein allerdings nicht für erfolgreich. In einer aktuellen Studie empfehlen Sie darum begleitende Maßnahmen: Exportgarantien und günstigere Kredite.

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„Niedrige Kapitalkosten sind ein entscheidender Hebel, um die Wirkung von CO2-Preisen voll zu entfalten“ sagt Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimawandel und Entwicklung. Er und sein Team haben diesen Zusammenhang im Modell untersucht. Ihr Ergebnis: Gelänge es in einem beispielhaften Schwellenland die Kapitalkosten auf drei Prozent zu beschränken, würden bei einem CO2-Preis von 50 US-Dollar pro Tonne die Investitionen in Erneuerbare so attraktiv, dass man eine Emissionseinsparung von 50 Prozent erwarten dürfte. Derzeit liegen die Kapitalkosten für Wind- und Solaranlagen jedoch oft bei über 10 Prozent. Und zum Vergleich: Der europäische Kohlenstoffdioxid-Preis beträgt im Moment gerade einmal 6,44 Euro pro Tonne.

 

Sicherheiten für Grünstrom-Anlagen

Gerade die aufstrebenden Schwellenländer stillen ihren wachsenden Energiehunger derzeit noch durch großen Zubau an Gas- und Kohlekraftwerken. Um Investoren die Erneuerbaren nur durch CO2-Preise schmackhafter zu machen als die fossilen Alternativen, müssten diese Preise nach Überzeugung der MCC-Wissenschaftler sogar deutlich höher liegen als 50 US-Dollar pro Tonne. Doch das sei politisch unrealistisch.

Darum müsse eine erfolgreiche Klimapolitik das Investitionsrisiko senken. Das kann demnach durch feste Einspeisetarife gelingen und durch Exportgarantien. In Deutschland existieren solche Garantien in Form der durchaus umstrittenen Hermesbürgschaften, mit denen Unternehmen Exporte in riskante Auslandsmärkte staatlich versichern können. Kritikern fehlen dort verbindliche Sozial- und Umweltstandards.

Dennoch sind die Wissenschaftler um Jan Steckel sicher: Solche Absicherungen können die Kredite für Erneuerbaren-Anlagen deutlich vergünstigen. Das würde Grünstrom-Anlagen auch in unsicheren Märkten wettbewerbsfähiger machen. „Wenn aber in vielen armen Ländern sowohl die Risiken als auch die Kreditzinsen für die Erneuerbaren hoch sind, spielen deren Vorteile – keine Kosten für Brennstoffe, keine CO2-Zertifikate, keine Luftverschmutzung - für die Investoren kaum eine Rolle“, schreiben die MCC-Forscher in ihrem Bericht.

Tim Lüdtke
Keywords:
Energiewende | Marrakesch | COP22 | Klimagipfel | Klimaabkommen | Emissionshandel | Zertifikate | CO2-Preise | Kohelnstoffdioxid | erneuerbare Energien | Mercator
Ressorts:
Governance

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