Elektromobilität
28.02.2018

Studie: Mangel an E-Ladesäulen ist ein Mythos

Foto: Hyndai, teaser-Foto: istockphoto
Der Hyundai-SUV Kona ist ab Sommer auf dem Markt.

Die Ladeinfrastruktur ist nicht daran schuld, dass der Ausbau der E-Mobilität in Europa nicht vorankommt. Sondern die geringe Zahl erhältlicher Elektromodelle, zeigt eine Studie.

In der öffentlichen Debatte wird die stockende Verbreitung der E-Mobilität gerne auf die Ladeinfrastruktur geschoben: Die sogenannte Reichweitenangst halte Kunden vom Kauf eines batteriebetriebenen Fahrzeugs ab. Diese müssten befürchten, unterwegs keine Lademöglichkeit zu finden.

Anzeige

Eine neue Studie der "Platform for Electromobility", zu deren 31 Mitglieder Tesla, Renault-Nissan, Siemens und Alstom zählen, kommt nun zu einer ganz anderen Einschätzung: Demnach ist die Ladeinfrastruktur bereits ausreichend. Es sei vielmehr die geringe Zahl verfügbarer Modelle mit E-Antrieb, welche die Elektromobilität ausbremse.

Anzeige

Eine Ladesäule auf fünf E-Autos

Greg Archer, einer der Studienautoren, bezeichnete die fehlenden Ladesäulen in der britischen Tageszeitung "Guardian" als Ablenkungsmanöver: "Die Autoindustrie hat den Mythos verbreitet, dass sie liebend gerne mehr Elektroautos verkaufen würde, es aber einfach nicht genug Ladepunkte gibt." Dabei käme schon jetzt eine öffentliche Ladesäule auf fünf E-Fahrzeuge. Dies sei beinahe doppelt so viel wie das von der EU-Kommission geforderte Verhältnis von zehn Autos je Ladepunkt.

Die Studienautoren rechnen auf Basis der Pläne der EU-Regierungen damit, dass der Ausbau der Infrastruktur mit der wachsenden Zahl an E-Autos Schritt hält. So werde in zwei Jahren entlang der Autobahnen voraussichtlich alle 40 Kilometer eine Schnellladesäule zu finden sein. Die EU-Kommission hingegen verlangt erst alle 60 Kilometer einen Ladepunkt.

"Autoindustrie hat den Markt für Elektroautos absichtlich unterdrückt"

Die Autobauer hingegen brachten in Europa bisher nur wenige vollelektrische Modelle auf den Markt: Gerade mal 20 - gegenüber 417 Benzinern und Diesel-Fahrzeugen. Erschwerend komme hinzu, dass manche Modelle wie der Opel Ampera-E nur mit monatelangen Wartezeiten verfügbar seien. "Die Autoindustrie hat den Markt für Elektroautos absichtlich unterdrückt, das ist beschämend", sagt Archer laut "Guardian".

Allerdings wird sich dies bald ändern: Noch in diesem Jahr kommen mit dem Audi E-Tron Quattro und dem Jaguar E-Pace in Deutschland zwei neue Modelle mit mehr als 500 Kilometern Reichweite heraus, die sich mit Tesla-Fahrzeugen messen lassen können. Der Hyundai-SUV Kona Electric, der ab Sommer erhältlich sein wird, kommt nach dem neuen WLTP-Zyklus immerhin auf eine Fahrleistung von 470 Kilometern. Für die Jahre ab 2019 haben die Hersteller dann eine ganze Reihe neuer Elektroautos angekündigt.

Hinzu kommt die bewusste Abkehr vom Verbrennungsmotor seitens Autobauern und Regierungen: So will Volvo ab 2019 überhaupt keine reinen Verbrenner mehr anbieten. Großbritannien und Frankreich haben angekündigt, den Verkauf von Benzin- und Diesel-Autos bis 2040 zu verbieten.

 

Lesen Sie auch: "Es ist nicht damit getan, eine Ladesäule aufzustellen"

Jutta Maier
Keywords:
Ressorts:

Kommentare

100% Uebereinstimmung. Mit Ausnahme des TESLA sind die meisten reinen Stromer absolute Gähn-Autos ohne Sexappeal. Autos sind emotionale Produkte und müssen einige rationale Kriterien erfüllen (dazu gehört NICHT die Grösse des Tanks) und sie müssen die Sinne ansprechen. Für mich sind die rationalen Aspekte der Laderaum und der Langstreckenkomfort. Und wenn die Karosserie noch schnittig daherkommt, würde ich wohl die Schnellladepausen von 30 Minuten erdulden.... Da kommen Leaf & Co, definitiv nicht mit.

Ich stimme ihnen zu das des die Automobilhersteller von der starken Nachfrage überrascht wurden und es lange Wartezeiten gibt. Zum Glück haben wir einen BMW i3s bestellt wo es nur 4 Monate bis zur Auslieferung dauert. Selbst RENAULT braucht 6-7 Monate bis zur Auslieferung.
Es klingt gut wenn Deutschland innerhalb der Empfehlung der EU liegt wenn es um Ladepunkte pro E-Auto geht. Was dennoch schlecht daran ist, das diese Ladepunkte in den Städten liegen und nicht im ländlichem Raum wo der Anteil der Bewohner mit eigenem PKW höher ist als in der Stadt. Das müsste angegangen werden um mehr Ladepunkte im ländlichem Bereich zu schaffen.

Als Besitzer eines reinen E-Autos sehe ich auch, dass es in Ballungsräumen eigentlich ausreichend Ladestationen gibt. Viel zu häufig aber werden diese als frei in der App angezeigt und dann durch Falschparker blockiert. Schätzungsweise an 2 von 3 Malen stehe ich da und rufe entweder die Polizei oder hoffe, dass ich irgendwie noch ohne Ladevorgang wieder zurück komme. Hier nur 10€ Strafgebühr ist meines Erachtens viel zu wenig - da wünsche ich mir neben mehr Bewusstsein bei den Falschparkern eben auch deutlich höhere Strafen.

Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf!
Jedenfalls für mich erfüllt der Hyundai Ioniq electric alle Anforderungen.
Noch erschwinglich, großer Kofferraum, geringer Verbrauch, Ausstattung mehr als ich benötige. Jedoch auch nur mit langer Wartezeit erhältlich. Schade!
Anstelle des 28er Akkus einen 40er hineingepackt und es wäre perfekt.

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research