Mobilität
19.09.2019

Studie: Öl im Verkehr nicht konkurrenzfähig

Foto: iStock
Verbrennuner könnten bald zum Auslaufmodell werden. E-Autos sind auf Dauer günstiger.

Eine Untersuchung der französischen Großbank BNP Paribas zeigt: Der Ölpreis müsste auf zehn US-Dollar je Barrel sinken, um mit Elektromobilität auf Basis erneuerbarer Energien auf Dauer mitzuhalten.

Öl kann auf lange Sicht nicht mit erneuerbaren Energien im Verkehr konkurrieren – das rechnet Mark Lewis, der globale Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management, in seiner Studie „Wells, Wires and Wheels“ vor. Um die Mobilität auf Basis von Benzin in den nächsten 25 Jahre auf dem Niveau von 2018 zu halten, wären Investitionen von rund 24,6 Billionen US-Dollar erforderlich. Im Bereich erneuerbare Energien lägen die Kosten zwischen 4,6 bis 5,2 Billionen Dollar. „Selbst, wenn wir die Kosten für den Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur berücksichtigen, um die zusätzlichen Strommengen zu bewältigen, die aus all den neuen Wind- und Solarkapazitäten entsteht, schlägt die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien immer noch die von Öl“, sagt Lewis.

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Der Experte hat ermittelt, welchen Energieertrag Öl und erneuerbare Energien abwerfen, wenn diese zum Antrieb genutzt werden – den Energy Return on Capital Invested (EROCI). Wie weit kommt man mit Investitionen von 100 Milliarden Dollar? Das Ergebnis: „Bei gleichem Kapitaleinsatz bringen mit Wind- und Solarenergieprojekten betriebene Elektroautos schon heute sechs bis siebenmal mehr Energie auf die Straße als solche, deren Benzinmotoren im weitesten Sinne mit Öl betrieben werden.“ Dieselmotoren stehen etwas besser da, aber auch hier beträgt der Faktor immerhin noch drei bis vier.

"Sprit ist schlicht zu teuer"

Um bei gleichen Investitionen gleich viel Energie zu gewinnen, müsste für Benzinmotoren der Preis für ein Barrel Öl bei neun bis zehn US-Dollar liegen. Für konkurrenzfähigen Diesel müsste er auf 17 bis 19 Dollar fallen. Das liegt weit unter den heutigen Niveaus. Lewis kommt daher zu dem Schluss: Die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien schlägt die von Öl. „Sprit ist schlicht zu teuer, gerade langfristig betrachtet“, sagt der Analyst.

Bis zu 36 Prozent des globalen Bedarfs an Erdöl entfallen auf Mobilität, fünf Prozent auf Stromerzeugung. Die Konkurrenz durch erneuerbare Energien und Elektromobilität dürfte hier die Nachfrage auf dem Ölmarkt deutlich reduzieren, erwartet Lewis. Zwar seien Elektroautos noch teurer als die herkömmlichen. Doch schon 2024 könnten sich die Preise angeglichen haben. Auf die traditionellen Ölkonzerne kommen harte Zeiten zu. Lewis fordert mehr Engagement seitens der Politik, um die Elektromobilität voran zu bringen: steuerliche Anreize wie in Norwegen, bessere Ladeinfrastruktur und bessere Speichertechnologien.

Lesen Sie auch den Kommentar: Mit Strom auf Erdöl-Entzug gehen

Jochen Bettzieche
Keywords:
Neue Mobilität | Elektromobilität | Verkehrswende
Ressorts:
Markets

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