Netzausbau
05.02.2014

Sued-Link mit Fragezeichen

Siemens
Andere Länder wie China und der Türkei sind bei Gleichstromtrassen weiter

Heute startete das erste HGÜ-Projekt Deutschlands, die Hochspannungstrasse Sued-Link. Trotz Zubaubremse bei der Windenergie werde die Leitung gebraucht, sagen die Übertragungsnetzbetreiber. Bei den Kosten, Verlauf und Genehmigungen gibt es Fragezeichen.

Heute startete das größte Netzausbau-Projekt der Energiewende, die Gleichstromverbindung Sued-Link. Ab 2022 soll die Stromautobahn Windstrom aus dem Norden über 800 Kilometer in die Verbrauchszentren im Süden transportieren. Der Sued-Link ist das Gemeinschaftsprojekt der beiden Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und Tennet. 

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Die Übertragungsnetzbetreiber betreten mit dem Bau der Leitung Neuland. Erstmals kommt in Deutschland HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) zum Einsatz, eine Technik, die deutlich weniger Verluste als Wechselstromleitungen aufweisen und die in Ländern wie China und den USA bereits installiert sind. „Die Kosten der Leitung werden nach jetzigem Stand in einem unteren einstelligen Milliardenbereich liegen“, sagt TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig auf Anfrage von BIZZ energy today. Grundsätzlich würden die Trassen zuerst als Freilandleitung geplant, sagt Joswig. Teilbereiche, die erdverkabelt werden, stehen heute noch nicht fest. Die Kosten in diesen Abschnitten können durch Erdverkabelung jedoch auf das 13-fache steigen. 

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Anders als etwa der genaue Streckenverlauf steht die Größe der Leitung fest – und das trotz der Pläne in Berlin, den jährlichen Zubau der Windenergie auf 2,5 Gigawatt zu begrenzen. Die Entschleunigung ist im aktuellen Netzentwicklungsplan bereits berücksichtigt, erklärt Joswig, die Leitung würde in jedem Fall benötigt. Mit einem absoluten Deckel wie bei der Photovoltaik mit maximal 52 Gigawatt Leistung in Deutschland rechnen die Übertragungsnetzbetreiber bei der Windenergie nicht. 

Widerstand in Bayern

Sorgen machen den Übertragungsnetzbetreibern die jüngsten Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der in seinem Land nach Bürgerprotesten ein Moratorium für Hochspannungstrassen angedroht hatte. „Nur um die Lufthoheit bei den Stammtischen zu bewahren, stellt Seehofer den mühsam erarbeiteten Netzausbauplan  der auch mit den Stimmen der CSU und der bayerischen Landesregierung beschlossen wurde – wieder in Frage“, schimpft der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Oliver Krischer.

Zwar stellen bei der geplanten HGÜ-Leitung diesmal nicht die Länder, sondern die Bundesnetzagentur die Genehmigungen aus. „Gerade im Hinblick auf die Bürgerakzeptanz haben aber auch die Länder Möglichkeiten“, heißt es bei TransnetBW. Beide am Projekt beteiligten Übertragungsnetzbetreiber fordern die klare Unterstützung notwendiger Stromverbindungen wie den Sued-Link durch die Politik auf Landes- und Bundesebene.

Baden-Württemberg, Hessen und Bayern „werden im Jahr 2023 rund 30 Prozent ihres Jahresverbrauchs an Strom importieren müssen“, sagte Rainer Joswig, Mitglied der Geschäftsführung der TransnetBW, zum feierlichen Startschuss des Projekts in Berlin. Die Windenergie, die im Süden den Kernenergiestrom ersetzen soll, werde aber vor allem an den Küsten im Norden produziert. Der Sued-Link sei „das wichtigste Infrastrukturprojekt der Energiewende“, sagte Tennet-Deutschland-Chef Lex Hartman. 

Der im Bundesbedarfsplangesetz festgeschriebene Sued-Link setzt sich aus zwei Projekten zusammen: der nördlichen Verbindung Wilster bei Hamburg und Grafenrheinfeld bei Schweinfurt sowie der südlichen zwischen Brunsbüttel und Großgartach in Baden-Württemberg. „Der vorgeschlagene Korridor für Sued-Link ist nicht in Stein gemeißelt“, stellte Hartman klar. 

 

Daniel Seeger
Keywords:
Netzausbau | HGÜ | Tennet | TransnetBW | Sued-Link
Ressorts:
Governance | Technology

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