Interview
08.02.2019

Synthetische Kraftstoffe aus dem Schiffscontainer

Foto: Ineratec
Die Ineratec-Gründer Philipp Engelkamp, Tim Böltken, Paolo Piermartini und Peter Pfeifer (v.l.)

Während die einen um die Gaspipeline Nord Stream 2 streiten, tüfteln andere an den klimaneutralen Brennstoffen der Zukunft. Das Start-up Ineratec hat zu deren Herstellung einen Mini-Reaktor entwickelt.

Tim Böltken und seine Mitgründer vom Karlsruher Start-up Ineratec haben einen Mini-Reaktor zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe entwickelt. Gemeinsam mit Audi wollen sie nachweisen, dass eine wirtschaftliche Produktion möglich ist. 

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Normalerweise sind Anlagen zur Umwandlung von Erdgas und Kohle in synthetische Kraftstoffe riesig. Warum haben Sie Ihren in einen  Schiffscontainer gequetscht? 

Tim Böltken: Da auf der ganzen Welt gleiche Probleme auftreten, kann unsere Technologie auch weltweit eingesetzt werden. Mit unserer Technologie können wir zum Beispiel einen „chemischen“ Stromspeicher bereitstellen, Treibhausgase reduzieren oder klimaneutrale Kraftstoffe herstellen. Und was lässt sich besser exportieren als ein Schiffscontainer? 

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Ihre Pilotanlagen laufen schon in Finnland und Spanien, weitere sind in Kanada, Brasilien, Malaysia und der Schweiz geplant. Wer sind Ihre Kunden?

Das reicht von Versorgern wie der Energiedienst-Gruppe aus der Schweiz bis hin zu Autobauern wie Audi.   

Wann kommt der Schritt zur großindustriellen Anlage?

Wir bauen gerade in Kooperation mit Energiedienst und Audi die erste Anlage zur Herstellung von E-Diesel im Megawattmaßstab.

Audi hat eine funktionierende Power-to-Gas-Anlage im Emsland. Warum jetzt die Kooperation mit Ihnen?

Wir nutzen eine einzigartige Mikrostrukturtechnologie, die über Jahrzehnte am Karlsruher Institut für Technologie entwickelt wurde. Außerdem kann sie durch kleine Modifikationen für Power-to-Gas-, Power-to-Liquid-, aber auch
Gas-to-Liquid-Verfahren eingesetzt werden. Wir haben daher einen sehr weiten Anwendungsbereich.

Momentan ist die Herstellung synthetischer Kraftstoffe nicht wirtschaftlich. Wie hoch sind Ihre Produktionskosten?

Bei der Erzeugung von synthetischen Kraftstoffen dominieren die Betriebskosten, nicht die Kapitalkosten. In Laufenburg in der Schweiz möchten wir nachweisen, dass an geeigneten Standorten, wo CO2 und Grünstrom günstig zur Verfügung stehen, eine wirtschaftliche Produktion auch im dezentralen Maßstab möglich ist. Perspektivisch zielen wir auf Produktionskosten von deutlich unter 2 Euro pro Liter. 

Wie stehen Sie zu Quoten und Steuererleichterungen, um die Produktion von grünem Wasserstoff anzuschieben?

Wir würden uns freuen, wenn CO2-neutrale synthetische Kraftstoffe auf die Flottenemissionen angerechnet würden. Auf EU- und auf Bundesebene würde das die richtigen Anreize setzen, um den Verkehrssektor zu defossilisieren.

Interview: Jutta Maier
Keywords:
grüner Wasserstoff | Synthetische Kraftstoffe
Ressorts:
Technology

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