Türkei
19.07.2016

Türkei-Putsch geht an Energiewirtschaft vorbei

Foto: Wikipedia / Nevit Dilmen / CC BY-SA 3.0
Die Türkei setzt stark auf Windparks wie diesen in der Provinz Canakkale.

Der Putschversuch in der Türkei wird sich nach Meinung von Experten kaum auf die boomende Energiewirtschaft des Landes auswirken. An den laufenden Aufräumarbeiten ist allerdings Eon beteiligt.

Ungewisse Stunden durchlebten neben so vielen Bürgern in der Türkei in der Nacht auf den vergangenen Samstag auch die 9.000 Mitarbeiter von EnerjiSA, dem türkischen Joint Venture des Essener Eon-Konzerns. Der Krisenstab des Unternehmens sei noch in der Nacht zusammengekommen, berichtet ein Sprecher. Doch die Beschäftigten konnten aufatmen: „Alle Mitarbeiter, entsandten Kollegen und ihre Familien sind sicher“, so der Sprecher weiter.

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Eon war von allen deutschen Energieunternehmen wohl am direktesten betroffen, weil Enerji Stromnetze in Ankara und Istanbul betreibt. Bei den Auseinandersetzungen waren auch Strommasten und andere Netzanlagen beschädigt worden. Das Unternehmen ist nun dabei, die Schäden zu beheben.

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Bauarbeiten unterbrochen

Dramatische Stunden auch für die Mitarbeiter des Photovoltaikunternehmens Phoenix Solar aus der Nähe von München: Im Osten der Türkei baut die Firma zusammen mit einem lokalen Partner einen Solarpark. „Die Arbeiten wurden vorsichtshalber vorübergehend unterbrochen, gehen aber diese Woche weiter“, berichtet ein Sprecher.

Andere deutsche Energieunternehmen sind abseits der Zentren Istanbul und Ankara tätig und spürten nach eigenen Angaben keine Auswirkungen. So RWE, das ein Gaskraftwerk in Denizli betreibt und die Essener Steag, der ein großes Kohlekraftwerk in Iskenderun gehört.

 

Regierung stützt Wirtschaft

Auch langfristig wird der Putschversuch nach Ansicht von Experten die stark wachsende Energiewirtschaft am Bosporus kaum beeinflussen. „Natürlich werden sich einige ausländische Investoren aktuell eher zurückhalten mit großen Investitionsentscheidungen in der Türkei“, gibt der Türkeiexperte Dirk Tröndle zu bedenken. Bei anhaltender Zurückhaltung werde Ankara aber gegensteuern: „Die Regierung wird dann sicherlich zusätzliche Investitionsanreizprogramme auffahren.“ Die türkische Zentralbank hat bereits angekündigt, wenn nötig in unbegrenzter Höhe für die Geschäftsbanken des Landes einzustehen.

Die Türkei hat sich hohe Ziele für den Bau neuer Kapazitäten zur Stromerzeugung gesetzt. Bis 2023 plant die Regierung einen Zubau von 15,5 Gigawatt Windanlagen, die Kohlekapazitäten sollen sich bis 2019 verdoppeln. Durch die Türkei sollen auch mehrere wichtige Gas-Pipelines führen. „Für die aktuellen Pipeline-Projekte sehe ich keine erschwerte Situation. Der Bau von Tanap zum Beispiel ist dem Zeitplan sogar schon voraus“, sagt die Energieexpertin Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Manuel Berkel
Keywords:
Türkei | Steag | Eon | RWE | Phoenix Solar
Ressorts:

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