Wasserstoff
05.12.2012

Tankstelle der Zukunft

Foto: Total

Noch bevor am neuen Berliner Großflughafen die ersten Maschinen abheben, können sich dort Wasserstoff-Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Treibstoff versorgen. Den Grundstein für die Multi-Energie-Tankstelle legte der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Der neue Berliner Großflughafen ist um eine Baustelle reicher. Ministerpäsident Matthias Platzeck (SPD) legte am Mittwoch gemeinsam mit den Unternehmen Linde, Total und Enertrag den Grundstein für die neue Multi-Energie-Tankstelle. Ob am Flughafen im nächsten Jahr Maschinen starten, ist derzeit wieder ungewiss. Die Tankstelle soll im Herbst 2013 aber in jedem Fall den Betrieb aufnehmen. Neben herkömmlichen Kraftstoffen können Autofahrer je nach Fahrzeug Strom, Erdgas, vor allem aber Wasserstoff tanken. „Was hier entsteht, ist ein weltweit einmaliges Projekt“, betonte Platzeck. Wasserstoffmobilität sei keine Science Fiction“ mehr.

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Für die Tankstelle haben sich Total, Enertrag und Gasspezialist Linde zusammengetan. Der Wasserstoff wird vor Ort per Elektrolyse erzeugt. Den Strom dafür liefert ein eigens dafür geplanter Windpark der Firma Enertrag. Der produzierte Treibstoff ist damit CO2-neutral. Linde stellt die Verdichter-Technik bereit, die notwendig ist, um den Wasserstoff zu tanken. „Ich würde mir wünschen, dass diese Tankstelle der Beginn einer Bewegung ist", betonte Platzeck. Immerhin: Bis zum Jahr 2015 sollen weitere 50 Stationen entstehen.

Der produzierte Wasserstoff wird aber nicht nur in Tanks fließen, er wird zudem in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme für den Tankstellenbetrieb umgewandelt. Weiteren Strom liefern Solarpanele auf dem Dach der Tankstellen. Auch Batterie-Fahrzeuge sollen vor Ort laden können.

Total-Deutschlandchef Hans-Christian Gützkow nannte die Multi-Energie-Tankstelle ein Leuchtturmprojekt. „Wir schaffen damit nachhaltige Mobilität." Total ist an 5 von 15 Wasserstofftankstellen in Deutschland beteiligt. Gützkow betonte jedoch, dass fossile Krafstoffe die nächsten Jahre im Zentrum des Unternehmens blieben. „Sie bilden die Grundlage für die Fortentwicklung."

Energieträger der Zukunft

Enertrag-Vorstand Werner Diwald sagte, Wasserstoff aus Windstrom sei der Energieträger der Zukunft. „Die Energiewende ist vor allem in der Mobilität nicht ohne Wasserstoff zu schaffen." Enertrag betreibt seit mehr als einem Jahr ein Hybrid-Kraftwerk in Prenzlau bei Berlin. Dort wird ebenfalls aus Windstrom Wasserstoff produziert. Schon heute sei der Treibstoff preislich mit herkömmlichem Benzin oder Diesel vergleichbar, so Diwald. Noch gibt es allerdings keine serienreifen Fahrzeuge. Mercedes hat angekündigt, 2014 ein erstes Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt zu bringen.

Gasspezialist Linde wird den Wassertstoff vor Ort in einem 500-Kilogramm-Tank verdichten. „Die Menge reicht aus, um mit einem Wasserstoff-Auto 50.000 Kilometer zu fahren", sagte Markus Bachmeier von Linde. Er betonte, die Herausforderung der nächsten Jahre sei es, die Kosten für die Infrastruktur zu senken. Dabei sollen die 50 Wasserstoff-Tankstellen helfen, die mit staatlicher Hilfe bis zum Jahr 2015 entstehen. „Wir beginnen erstmals mit dem Einstieg in eine Kleinserienfertigung", so Bachmeier. Im Vergleich zu vorangegangenen Wasserstoff-Stationen könnten die Kosten um 40 Prozent sinken, so Bachmeier.

Mit dem Bau der weiteren Stationen soll es möglich sein, mit Wasserstoff über die Autobahn von München bis nach Hamburg zu fahren. Deutschland wäre damit das erste Land, das eine Grundversorgung mit Wasserstoff anbietet. Die Bundesregierung fördert den Bau mit 20 Millionen Euro, weitere 20 Millionen kommen von den beteiligten Unternehmen, unter anderem von Linde, Total und Mercedes.  

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Total | Wasserstoff | BER | Linde | Enertrag | Matthias Platzeck | Power to Gas | Windenergie | Brandenburg | Schönefeld
Ressorts:
Technology | Markets

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