Als Teslas größter Verdienst gilt seine Pionierleistung: Dem einstigen Start-up ist es gelungen, Elektromobilität attraktiv für einen größeren Markt zu machen – auch durch hohe Investitionen. Doch die Förderrichtlinien für Elektrofahrzeuge in den USA sind so gestrickt, dass sie „First Mover“ benachteiligen: Tesla wird der erste Autobauer sein, dessen E-Fahrzeuge der Staat bald nicht mehr mit 7.500 Dollar fördert.

Das Unternehmen von Elon Musk hat bestätigt, dass es in diesem Monat die Obergrenze von 200.000 Auslieferungen in den USA erreicht hat. Das bedeutet, dass Tesla-Käufer nur noch bis Ende des Jahres die volle Förderung erhalten, danach läuft sie schrittweise aus: Im ersten Halbjahr 2019 bezuschusst der Staat den Kauf nur noch mit 3.750 Dollar, in der zweiten Jahreshälfte halbiert sich die Fördersumme dann ein weiteres Mal. 

Bafa konnte sich nicht mit Tesla einigen

Dass Tesla die Obergrenze in diesem Jahr überschreiten wird, war erwartet worden. Doch nun wird der E-Autopionier durch die Förderregeln indirekt für seine Schnelligkeit bestraft: Andere Hersteller, die ihre Batterie-Modelle erst jetzt auf den Markt bringen, haben die volle Förderphase noch vor sich. Die Demokraten haben zwar ein Gesetzesentwurf in den Kongress eingebracht, der die Auslieferungsgrenze abschaffen soll. Doch die Chancen dafür stehen schlecht, weil der Kongress von den Republikanern dominiert wird. Sie wollten die Förderung von E-Autos vor kurzem noch komplett abschaffen. 

In Deutschland ist die staatliche Förderung von Elektrofahrzeugen wie in vielen anderen Ländern hingegen auf ein Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro beschränkt. Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) förderte bisher insgesamt 1.531 Tesla Model S mit 2.000 Euro Kaufprämie, zusammen mit dem Hersteller-Anteil liegt der Bonus bei insgesamt 4.000 Euro. Nun kündigte die Behörde an, dass Tesla-Kunden den Umweltbonus zurückzahlen müssen, wenn sie das Fahrzeug vor dem 6. März 2018 erworben haben. Man habe in den vergangenen Monaten in Gesprächen mit Tesla versucht, „eine einvernehmliche Lösung im Interesse der Kunden herbeizuführen“, teilte das Bafa mit. „Leider ist das nicht gelungen.“

800 Tesla-Kunden direkt betroffen

Hintergrund: Die Fördergrenze liegt bei einem Kaufpreis von 60.000 Euro, doch die Basisvariante des Model S war laut einem Medienbericht, den das Bafa nun bestätigt, im Herbst 2017 zu einem Netto-Listenpreis von 59.000 Euro gar nicht lieferbar. Ende vergangenen Jahres hatte das Bafa Tesla deshalb zwischenzeitlich von der Förderliste gestrichen.

Seit dem 6. März gewährt das Bafa den Umweltbonus wieder. Allerdings müssen Tesla-Käufer nun im Antrag nachweisen, dass sie keine Sonderausstattung geordert haben, die den Preis hochtreibt. Von der Rückzahlung des Bonus sind dem Bafa zufolge 800 Verfahren betroffen. In weiteren rund 250 Fällen werden nun die Anträge von Tesla-Käufern abgelehnt, die zunächst auf Eis gelegen hatten.

Tesla versicherte dem US-Branchendienst Electrek, die Kosten für die Kunden zu übernehmen. Der Autobauer bestreitet weiter, dass die Basisversion des Model S nicht lieferbar gewesen sei.

USA: GM und Nissan könnten als nächstes Förderung verlieren  

Unterdessen wird in den USA erwartet, dass nach Tesla auch General Motors und Nissan bald die Schwelle von 200.000 ausgelieferten Fahrzeugen überschreiten. Damit wären die zwei größten Autobauer (Tesla und GM) des Landes vom Ende der Förderung betroffen. Die Demokraten im US-Kongress wollen das verhindern: Ihr Gesetzesentwurf sieht vor, die Obergrenze abzuschaffen und stattdessen E-Autos über einen Zeitraum von zehn Jahren zu subventionieren.

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Mit dem neuen Model 3 verknüpft Tesla große Hoffnungen. Im Juni gelang es dem Hersteller erstmals, in einer Woche 7.000 Stück zu produzieren. Deutsche Kunden müssen sich weiter gedulden: Mit der Auslieferung können sie erst ab Frühjahr 2019 rechnen. (Foto: Tesla/ Alexis Georgeson)