Elektromobilität
20.10.2016

Tesla macht Tempo

Foto: OnInnovation / CC BY-ND 2.0
Tesla-Gründer Elon Musk will Ende Oktober ein neues Solarprodukt präsentieren.

Elon Musk hält die Öffentlichkeit und Investoren auf Twitter mit Ankündigungen zu neuen Produkten in Atem. Mit der Panasonic-Kooperation hat er eine Weiche für die Zukunft von Tesla und Solarcity gestellt.

Tesla-Chef Elon Musk steht mit seiner Elektroautofirma kurz davor, Solarcity zu übernehmen – das Solarunternehmen seiner Cousins. Damit erntet er Kritik, nicht zuletzt von dem einflussreichen US-Hedgefonds-Manager Mark B. Spiegel: „Ich glaube nicht, dass irgendein neues Produkt viel tun kann, um Solarcitys jährlichen, negativen freien Cash Flow in Milliardenhöhe auszugleichen“, sagt Spiegel im Gespräch mit bizz energy. Er rechnet damit, dass Tesla früher oder später gegen die Wand fahren wird: „Musk ist ein trügerischer Kerl, der sich für sehr clever hält“, frozzelt Spiegel.

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Solarcity hatte bereits 2011 einen negativen freien Cash Flow, seither hat sich das Minus von 283 Millionen Dollar (2011) auf 2,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr erhöht. Die Kennzahl zeigt, wie viel Geld für die Aktionäre eines Unternehmens am Ende tatsächlich übrig bleibt. Musk hat Investoren seit geraumer Zeit einem Wechselbad ausgesetzt – verfehlten Erwartungen einerseits, kräftigem Wachstum und großen Versprechen andererseits. Am 28. Oktober will Musk ein neues Solarcity-Produkt präsentieren, voraussichtlich ein Solardach mit integrierter „Powerwall“-Batterie und Tesla-Ladegerät.

 

Panasonic soll Solarcity-Fabrik nutzen

Für den langfristigen Erfolg beider Unternehmen entscheidender dürfte jedoch die Nachricht von Sonntag sein, wonach Solarcity in Zukunft mit dem japanischen Elektronikhersteller Panasonic zusammenarbeiten wird. Das Vorhaben ist jedoch davon abhängig, ob die Aktionäre der Übernahme von Solarcity durch Tesla zustimmen. Termin ist am 17. November.

Panasonic hat laut Tesla eine „unverbindliche Absichtserklärung“ unterzeichnet. Demnach werden die Japaner ab Mitte 2017 in der neuen Solarcity-Fabrik in Buffalo im US-Bundesstaat New York Solarzellen und -module bauen. Die Anlage befindet sich noch im Bau und soll mit 1.460 Beschäftigten und einer Tagesproduktion von bis zu 10.000 Panels die größte in Nordamerika werden. Panasonic werde die Anlage gemeinsam mit Tesla-Solarcity betreiben, Tesla verpflichte sich im Gegenzug langfristig zur Abnahme der Panasonic-Module. Sie sollen in einem Solarenergie-System zum Einsatz kommen, das „nahtlos“ mit den Tesla-Batteriepaketen „Powerwall“ und „Powerpack“ laufen werde, teilte der Autobauer mit.

 

Autokonzerne jagen Musk

Aus Sicht von Beobachtern zeigt die Ankündigung den größer werdenden Einfluss Musks auf Solarcity – schließlich liefert Panasonic bereits Lithium-Ionen-Zellen für Tesla-Fahrzeuge. Außerdem entwickeln Tesla und Panasonic gemeinsam die Gigafactory in Nevada, die ab 2017 Batterien für Teslas neues Model 3 herstellen soll. Panasonic investiert nach eigenen Angaben insgesamt 1,6 Milliarden Dollar in die Produktion vor Ort. Offenbar ist Musk von der Partnerschaft so begeistert, dass er die Kooperation nun auf Solarcity ausdehnen will. Mit Panasonic hätte Solarcity einen erfahrenen Partner an der Seite: Die Japaner forschen bereits seit 40 Jahren an der Entwicklung von Solarzellen. Bei den Solarzellen soll laut Solarcity sowohl Technik von Panasonic als auch von Silevo zum Einsatz kommen. Jenes Start-up hatte Solarcity 2014 gekauft, um sich durch die Eigenproduktion von Solarzellen unabhängiger von chinesischen Zulieferern zu machen.

„Es ist eine gute Idee, Panasonic an Bord zu bringen und das (eingesetzte) Kapital fürs Solargeschäft zu verringern“, kommentierte Brian Johnson,  Autoanalyst bei Barclays Capital, den Deal im TV-Sender CNBC. „Wir sind an einem Punkt, wo der Markt nicht mehr so hypnotisiert ist von Teslas endlosen Produktankündigungen und mehr auf andere Dinge achtet“, so Johnson weiter. Er glaubt, dass den Investoren die Tesla-Ergebnisse des dritten Quartals wichtiger sind. Die Zahlen sollen am 26. Oktober veröffentlicht werden. Der Analyst rechnet damit, dass Teile des Ergebnisses fürs dritte Quartal positiv überraschen könnten, zum Beispiel die Zahl der Fahrzeug-Auslieferungen. Dennoch sieht er Tesla auf lange Sicht unter Druck – wegen des hohen Investitionsbedarfs, aber auch wegen der Konkurrenz, die bis Ende des Jahrzehnts eigene, leistungsstärkere Elektroautos herausbringen will.

Am gestrigen Mittwoch eroberte Musk die Schlagzeilen wenige Stunden vor Beginn der dritten TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten – mit einer IT-Innovation. Demnach werden ab sofort alle Tesla-Fahrzeuge mit einer neuen Hardware ausgestattet, die bis Ende 2017 ein komplett autonomes Fahren ermöglichen soll. Alle Modelle werden laut Musk acht Kameras, Radar-Sensoren mit einer höheren Auflösung sowie einen Bordcomputer mit 40 Mal höherer Rechenleistung haben. Die Software dazu soll jedoch erst Schritt für Schritt in Abstimmung mit den jeweiligen Verkehrsbehörden freigeschaltet werden. Teslas momentan eingebauter Fahrassistent „Autopilot“ steht nach mehreren Unfällen in der Kritik, weil der Name suggeriert, dass die Software bereits autonom fahren kann. Musk sagte, sein Ziel sei ein Auto, das bis Ende nächsten Jahres gänzlich ohne menschliches Einwirken von Los Angeles bis New York fahren könne.

Jutta Maier
Keywords:
Elon Musk | Solarcity | Tesla | Panasonic | Elektromobiltität | Solarenergie
Ressorts:

Kommentare

Geniale Erfinder und Visionäre, wie auch sein Namensfetter Nicola Tesla, wurden zu allen Zeiten vom Etablishment (Energiemonopolisten) denunziert und mit allen möglichen Mittel fertig gemacht.

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