Energiekonzerne
26.04.2016

Teyssen: Eon hat Mangel an Kapital

foto: eon
Eon-Chef Teyssen: "Wir haben einen Mangel an Kapital."

Der angeschlagene Energieriese Eon will sich für Investitionen in das Wachstumsfeld der erneuerbaren Energien verstärkt Hilfe von Partnern holen. Statt selbst möglichst viele Wind- und Solarparks zu besitzen, setzen die Düsseldorfer zunehmend auf Einnahmen aus dem Service für die Anlagen.

 

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„Wir haben überhaupt keinen Mangel an Wachstumsmöglichkeiten. Wir haben eher einen Mangel an Kapital, um unsere Wachstumsmöglichkeiten nutzen zu können“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen am Dienstag in London auf eine Frage von bizz energy bei einer Telefonkonferenz mit Finanzjournalisten. Die Antwort lässt sich als betriebswirtschaftliche Plattitüde verstehen: Für jedes Unternehmen ist Kapital eine begrenzte Ressource. Im Fall von Eon hat die Aussage des Vorstandsvorsitzenden aber eine besondere Bedeutung.

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Der traditionsreiche Konzern steckt mitten in einem epochalen Wandel. Im Jahr Eins vor Fukushima – also 2010 – machte Eon noch einen Gewinn von 6,3 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr einen Verlust in gleicher Höhe. Als Konsequenz hat Eon sein Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken und den globalen Energiehandel Anfang des Jahres in die Neugründung Uniper abgespalten. Am Dienstag präsentierten beide Unternehmen Investoren getrennte Kennzahlen und erklärten ihnen, womit sie trotz gesunkener Strompreise künftig noch Geld verdienen wollen. Für das laufende Jahr rechnet der um Uniper geschrumpfte Eon-Konzern noch mit einem nachhaltigen Überschuss von 0,6 bis 1 Milliarde Euro.

„Wir wollen kein Gigawatt-Gorilla sein“

Eon werde sich anstrengen müssen, um sein Rating von BBB+ zu halten, sagte Teyssen. Um ausreichend Kapital für Investitionen zu haben, kündigte der Eon-Chef an, Risiken und Chancen auf Partner zu verteilen. Bereits 2013 hatte der Konzern deutlich gemacht, wie diese Strategie der sogenannten Kapitalrotation aussehen wird. Damals hatten die Deutschen Anteile an Windparks in den USA und der Ostsee an einen dänischen Pensionsfonds und den dänischen Versorger SEAS-NVE verkauft. Den Erlös konnte Eon in neue Projekte investieren. Um nachhaltig Einnahmen zu erzielen, sicherte sich das Unternehmen die Betriebsführerschaft für die Windparks. „Wir wollen nicht wie ein Gorilla Gigawatt addieren, sondern Werte schaffen“, bekräftigte Teyssen am Dienstag.

Einen Tag zuvor hatte Eon einen Deal nach dem gleichen Muster verkündet. Mit dem norwegischen Konzern Statoil teilen sich die Düsseldorfer die Investitionssumme von 1,2 Milliarden Euro für den Offshore-Windpark Arkona vor Rügen. Da Statoil dem norwegischen Staat gehört, dürfte Eon bei der Finanzierung des Geschäfts von dem um drei Stufen besseren Rating A+ seines Partners profitiert haben. Der Turbinen-Lieferant Siemens hatte angegeben, sich mit Eon für zunächst zwei Jahre um Betriebsführung und Wartung der Anlagen zu kümmern.

Totalverlust im Brasilien-Geschäft

In weitere Auslandsmärkte außer den bestehenden wolle Eon in den kommenden Jahren nicht investieren, sagte Teyssen auf eine Frage von bizz energy. Der Konzern ist derzeit in mehreren europäischen Ländern sowie in den USA und der Türkei aktiv. Dort gebe es keinen Mangel an Wachstumsmöglichkeiten, sagte Teyssen. Die verlustreichen Aktivitäten in Brasilien hat der Konzern an Uniper übertragen. Eon hatte in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Euro wegen seiner einst 43-prozentigen Beteiligung an dem Versorger Eneva verloren.

Die Beteiligung sei bereits im vergangenen Jahr komplett abgeschrieben worden, teilte ein Sprecher von Uniper auf Anfrage mit. Eon sei Ende 2015 noch mit zwölf Prozent an Eneva beteiligt gewesen. Diesen Anteil werde Uniper voraussichtlich weiter reduzieren, wenn Eneva eine Ende März angekündigte Kapitalerhöhung realisiert.

Manuel Berkel
Keywords:
Uniper | Eon | Auslandsmärkte | Brasilien | USA | Türkei | Windpark | Solarpark | Johannes Teyssen | Arkona
Ressorts:
Finance | Markets

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