Plötzliches Ende eines langen Machtkampfes: Der Chef des Stadtwerke-Verbundes Thüga, Ewald Woste, muss schon Ende Oktober das Unternehmen verlassen. Die Thüga-Gruppe, mit knapp 20.000 Mitarbeiten und 23 Milliarden Euro Umsatz eines der Schwergewichte der Branche, teilte in einer Pressemeldung mit, dass der Vertrag von Woste über den 31. Oktober hinaus nicht verlängert wird. Der Aufsichtsrat ließ verlauten, dass Woste an der Entscheidung beteiligt gewesen sei. Die Dankesformel fiel allerdings denkbar knapp aus, auf den Ausdruck des Bedaurns wurde verzichtet. Aufsichtsratschefin Petra Roth, die ehemalige Frankfurter Bürgermeisterin, sagte: "Der Aufsichtsrat dankt Ewald Woste und Bernd Rudolph (Anm. d. Redaktion: Rudolph scheidet aus Altersgründen aus dem Vorstand aus) für ihren langjährigen Einsatz für Thüga und besonders für die gute Entwicklung des Unternehmens seit 2009." Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

In den vergangenen Jahren hatte sich ein Machtkampf zwischen Woste und seinen Unterstützern auf der einen Seite und Teilen der Stadtwerke, die die Thüga beherrschen, auf der anderen Seite immer weiter zugespitzt. Aus Branchenkreisen hieß es immer wieder, insbesondere der Chef von Enercity (Stadtwerke Hannover), Michael Feist, betreibe die Ablösung von Woste. Auch der auf eigenständige Entscheidungen bedachte Woste wollte die Thüga stärker als eigenständigen Akteur auf dem Energiemarkt etablieren und warb unter anderem um neues Kapital, um den Expansionskurs zu finanzieren. Die unzufriedenen Aktionäre der Thüga hingegen sahen den Konzern eher als Dienstleister für die Stadtwerke, der Gewinne ausschüttet und auf eine eigenständige strategische Agenda weitgehend verzichtet. Von südbadischen Anteilseignern soll schon im vergangenen Jahr ein "Putschversuch" ausgegangen sein, hieß es damals in der Stuttgarter Zeitung.

Woste ist seit 2007 Thüga-Chef und blieb auch bei dem Unternehmen, als es 2009 von Eon an ein Stadtwerke-Konsortium verkauft wurde. Die Thüga agierte zwar wirtschaftlich erfolgreich, allerdings war die Rollenverteilung stets unklar. Auf der einen Seite sind mehrere Dutzend Stadtwerke an der Thüga beteiligt. Die Thüga wiederum hält Anteile an etwa 100 kommunalen Unternehmen. Enercity zum Beispiel hält gut ein Fünftel der Thüga-Anteile, während die Thüga rund ein Viertel von Enercity kontrolliert.

Für Woste ist es der zweite Amtsverlust binnen kurzer Zeit. Von 2010 bis zum Sommer dieses Jahres war er Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Ewald Woste, Noch-Vorstandschef der Thüga (Thüga)