Dienstagmittag, 11.50 Uhr: In blauem Anzug und rotem Schlips betritt Donald Trump die Bühne. Nach kurzer Einleitung durch Schwab beginnt er seine halbstündige Rede von den beiden Telepromptern rechts und links des Redepults abzulesen.

Es ist eine Lobeshymne auf die eigene Politik, den guten Zustand der US-Ökonomie und eine glorreiche Zukunft. Seine Regierung habe sieben Millionen neue Jobs geschaffen und die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Prozent gesenkt – „so niedrig wie in keiner anderen Präsidentschaft“. „Wir haben zehn Millionen Leute aus der Sozialhilfe herausgeholt“, behauptet Trump. 12.000 neue Fabriken seien während seiner Amtszeit entstanden. Der Wirtschaftsaufschwung sei ein „inklusiver“, er komme den Arbeitern, ihren Familien, der Mittelklasse, den Frauen, afroamerikanischen und hispanischen Bürgern der USA zugute.

Ausgelöst habe er all das, sagt Trump, durch Steuersenkungen, die Abschaffung hinderlicher Gesetze, Sanktionsdrohungen und Strafzölle gegen Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Dadurch hätte seine Regierung neue, für die USA vorteilhafte Handelsabkommen mit China, Mexiko und Kanada durchgesetzt. Der Präsident empfiehlt der Welt, dem Beispiel der USA zu folgen.

Trump und Thunberg – das sind zwei Planeten

Donald Trump
US-Präsident Donald Trump und Klimaaktivistin Greta Thunberg haben sich in Davos ein Art Fernduell geliefert. Foto: World Economic Forum/Jakob Polacsek
Die Wörter „Erderwärmung“, „Kohlendioxid“ und „Klima“ kommen in Trumps Rede nicht vor. Stattdessen erklärt er, dank Fracking seien die USA nun der größte Produzent von Erdöl und Erdgas weltweit. Darin liege die Zukunft, wie auch in „sauberer Kohle“. Die Angst der 1990er Jahre, das Erdöl könne mal zu Ende gehen, habe sich zum Glück als falsch erwiesen. Trotzdem könnten sich seine Landsleute über „saubere Luft und sauberes Wasser“ freuen. Immerhin verspricht der US-Präsident, sich an Schwabs Initiative zu beteiligen, weltweit „eine Billion“ neuer Bäume zu pflanzen. Dafür erhält Trump den einzigen Zwischenbeifall. Am Ende seiner Rede klatscht das Auditorium wenige Sekunden.

Trump und Thunberg – das sind zwei Planeten. Der US-Präsident erwähnt die Aktivistin nicht, sie ihn aber ebenso wenig. Ein Gespräch zwischen den Antipoden kommt nicht zustande. Das müssen die Besucherinnen und Besucher des Forums untereinander und mit sich selbst ausmachen. Das „Aneinandervorbei“ der Schlüsselfiguren sagt auch einiges über das Weltwirtschaftsforum. Mitunter wollen die Veranstalter etwas anderes als ihre Gäste. Diese wiederum haben oft kein Interesse an den Zielen, die das WEF formuliert.

Forum eindeutig weiter als Trump

Beim Klima jedenfalls ist das Forum eindeutig weiter als Trump – und näher bei Thunberg. In einem Brief forderte Schwab alle teilnehmenden Firmenchefs auf, für ihre Unternehmen die Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen auf null bis spätestens 2050 anzupeilen. Der Klimawandel sei ein „Schlüsselthema“ des diesjährigen WEF, so Schwab. In einer Studie bemängelte das Forum, dass nur ein paar hundert Unternehmen weltweit bisher ihren Klimagas-Ausstoß planmäßig reduzierten.

Dienstag, 13.00 Uhr: Thunberg hält nun eine Rede beim Panel „Die Klima-Apokalypse vermeiden“. Einer der vier Gäste auf dem Podium ist Allianz-Chef Bäte. Thunberg wiederholt ihre Forderung an die WEF-Unternehmen, sofort alle Investitionen in fossile Energien zu stoppen. Sind wir naiv?, fragt sie dann. „Nein“, antwortet sie selbst, „es ist einfach nötig“.

Allianz-Chef Bäte gründete „Netto-Null-Allianz“

Bäte hat gerade zusammen mit den Vereinten Nationen und ein paar anderen Großinvestoren die „Netto-Null-Allianz“ gegründet. Bis 2050 wollen die Unternehmen ihre Kapitalanlagen in Höhe von rund vier Billionen Euro so umstrukturieren, dass sie keinen Kohlendioxid-Ausstoß mehr verursachen.

Damit ist Bäte ganz weit vorne. Er sucht Mitstreiter. Trotzdem ist 2050 nicht sofort. Warum es nicht schneller geht, fragt die Moderatorin. Er müsse auch die Interessen seines Unternehmens berücksichtigen, sagt Bäte. Das kann man so verstehen: Wenn er alles sofort auf den Markt schmeißt, ist der Gewinn weg.

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Fotos: CC BY-NC-SA 2.0