Der größte deutsche Stahlbauer steckt tief in den roten Zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr Thyssen Krupp Verluste von knapp fünf Milliarden Euro ein, soviel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Hauptgrund für das schlechte Ergebnis ist der Bau von zwei Stahlwerken in den USA und Brasilien, die sich als unrentabel erwiesen. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will die Werke rasch verkaufen. Die Suche nach einem Käufer der einen entsprechenden Preis zahlt, gestaltet sich aber offenbar schwierig. Wegen der Verluste erhalten die Aktionäre in diesem Jahr erstmals keine Dividende.

Neben den Fehlinvestitionen belasten den Konzern seit Längerem Korruptionsvorwürfe. Ich werde hier nichts beschönigen, denn es ist offensichtlich, dass in der Vergangenheit sehr viel schief gelaufen ist", sagte Hiesinger am Dienstag. Seilschaften seien im Unternehmen offenbar wichtiger gewesen, als der unternehmerische Erfolg. Hiesinger will nun durchgreifen: Drei von sechs Vorständen müssen gehen.

Ex-Finanzminister und SPD-Wahlkämpfer Steinbrück wird den Aufsichtsrat von Thyssen Krupp wie angekündigt zum Jahresende verlassen, teilte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit. Die Stiftung kann als größter Aktionär bis zu drei Mitglieder ohne Beschluss der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat entsenden. Auch Aufsichsratschef Gerhard Cromme war über die Stiftung in das Gremium gelangt. Steinbrück wird durch Ralf Nentwig, Vorstand der Krupp-Stiftung ersetzt.