Erdwärme
24.05.2018

Tiefengeothermie: Hohe Risiken blockieren Bohrungen

Foto: Creative Commons/Ben Benzin
Tiefengeothermie-Bohrung im hessischen Trebur.

Die Erdwärmenutzung durch oberflächennahe Bohrungen nimmt zu, aber die potenzialreiche Tiefengeothermie stagniert. Nun fordert die Branche Anschubhilfe vom Staat.

vorherige SeiteSeite 1Seite 2

Hinzu kommt, dass die Geothermiebefürworter meist in weithin unerforschte Tiefen von über 4000 Meter vordringen müssen und das mit Rohrdurchmessern, die das mehrfache einer Öl- oder Gasbohrung betragen. Das macht Geothermiebohrungen technisch aufwendig und vor allem teuer. Selbst wenn sie auf ausreichend heißes Thermalwasser treffen, kann dieses derart mineralisiert und materialbelastend sein, dass der Kraftwerksbetrieb erst nach langer Einfahrzeit und vielen Nachbesserungen rund läuft. Das steigert die finanziellen Risiken derart, dass fast nur Energiekonzerne oder große Stadtwerke sich an solche Projekte wagen.

Anzeige

Anzeige

Josef Daldrup, Chef des auf Geothermiebohrungen spezialisierten Unternehmens Daldrup & Söhne im westfälischen Ascheberg sagt im Gespräch mit dem Magazin bizz energy, woran es in der Branche hapert: „Wenn hohe unternehmerische Risikobereitschaft und hohes technisches Know-how zusammenfinden sollen, dann müssen auf der Absatzseite idealerweise Strom und Wärme verkauft werden können und auf der Förderseite das Fündigkeitsrisiko der Bohrungen über ein Versicherungskonzept gedeckt sein.“ Obwohl der Bohrdienstleister derzeit gut ausgelastet ist mit Projekten in München, Schwerin, den Niederlanden und in Belgien, fordert Daldrup mehr staatliches Engagement: „Die Tiefe Geothermie könnte sich in Deutschland wesentlich dynamischer entwickeln, wenn wir vereinfachte, standardisierte Genehmigungsprozesse hätten.“ Begrüßen würde er zudem eine gezieltere Förderung der geothermische Wärmenutzung und Forschungsbeihilfen zur Reduzierung der Bohrkosten.

Genehmigungsrechtlicher Hürdenlauf

Tiefbohrungen in Deutschland sind nach Einschätzung vieler aus der Branche ein genehmigungsrechtlicher Hürdenlauf, der sich über viele Jahre hinziehen kann. Tatsächlich ist auf dem Weg durch Bergämter, Umweltschutzbehörden, Landeigentümerversammlungen und kommunale Anhörungen schon manchem Investor die Puste ausgegangen.

Auch der Bundesverband Geothermie fordert von der Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für Investoren. „Sehr hilfreich wäre es, wenn staatliche Einrichtungen die Erkundung des Untergrunds als Infrastrukturmaßnahmen koordiniert vorantreiben würden“, sagt der Verbandsvorsitzende Knapek. Bisher sei die Gewinnung von Untergrunddaten in vielen Fällen Privatsache. Von staatlich erforscht werden, könnten dagegen viele profitieren.

Wie wenig über die Tiefen unter Deutschland bekannt ist, macht auch eine Geothermiebohrung aus dem Jahr 2003 in Speyer deutlich. Statt heißen Thermalwassers trat unerwartet Erdöl zutage – der Traum von Geothermiekraftwerk war geplatzt. Der Stadtkämmerer von Speyer mag es anders sehen, denn die inzwischen größte süddeutsche Ölförderung lässt die Gewerbesteuereinnahmen der Kaiserdomstadt sprudeln.

Lesen Sie auch: Wärmepumpen sind auch im Fernwärmenetz sinnvoll

Thomas Bauer
vorherige SeiteSeite 1Seite 2
Keywords:
Geothermie | Erdwärme | Wärmepumpe
Ressorts:
Markets

Kommentare

Die 36 Kraftwerke haben über 70 Bohrungen, drei Bohrungen sind nicht fündig. Ich würde sagen, dass die überwältigende Mehrheit der Bohrungen der Tiefengeothermie fündig wird... Der Schaden für einzlenen Investoren ist allerdings sehr hoch, daher sollte nur dort gebohrt werden, wo die fündigkeitswahrscheinlichkeit ausreichend groß ist.

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen