Gazprom und Kirgistan schauen sich in die Augen. Alexej Miller, Chef des russischen Gaskonzerns, und Almasbek Atambajew, der kirgisische Präsident, sitzen sich an einem großen weißgedeckten Tisch in der Präsidentenresidenz in Bischkek gegenüber. Zwischen ihnen leuchtet ein Strauß rosa Röschen. In der Wahl der Krawattenfarbe haben sie sich der jeweiligen anderen Seite angepasst: Atambajew trägt das Blau der russischen Gasgesellschaft, Miller das Rot der kirgisischen Fahne. An jenem 10. April übernimmt Miller die kirgisischen Gaswerke zu 100 Prozent, für den symbolischen Preis von einem US-Dollar. Der Gazprom-Chef, ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, ist extra dafür in die kirgisische Hauptstadt gereist. „Die Übernahme ist die natürliche Konsequenz unserer langen Beziehungen mit dem kirgisischen Partner“, preist Miller anschließend den „historischen Deal“.

So kann man es tatsächlich sehen. Allerdings wohl genau andersherum, wie es Alexej Miller meint: Die Übernahme der kirgisischen Gasgesellschaft zeigt, wie schwach Gazprom geworden ist, zumindest in Zentralasien. Millers Konzern mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 108 Milliarden Euro (2013), Stolz und Cashcow der russischen Nation, gerät immer stärker unter Druck. Die Zahl der Konkurrenten, die Gas erheblich billiger fördern und verkaufen können, wächst stetig. Gleichzeitig werden die Ansprüche der Kreml-Spitze nicht geringer.

Was in Bischkek als Demonstration der Stärke gedacht war, ist ein Zeichen von Schwäche. Denn jener symbolische US-Dollar, den Miller an Kirgistan überweist, ist der Kaufpreis für einen schweren Sanierungsfall. Gazprom übernimmt 40 Millionen Dollar kirgisische Altschulden und muss überdies 600 Millionen Dollar in das marode Gasnetz investieren. Zudem erhält Kirgistan Versorgungssicherheit. Im Gegenzug, so Miller weiter, „sichert sich Gazprom den Zugang zu dem Markt und ist der strategische Investor in dem Land“. 

Wirtschaftlich macht der Gaskonzern dabei keinen Schnitt. „Das ist ein rein politischer Deal, er bindet Kirgistan enger an Russland“, sagt die Zentralasien-Expertin der Denkfabrik International Crisis Group, Deirdre Tynan. Die Übernahme solle Kirgistan den Beitritt in die ungeliebte Zollunion schmackhaft machen. 

Russlands staatlicher Vorzeigekonzern braucht jedoch eigentlich selbst Hilfe. Der Schiefergas-Boom in den USA und immer mehr Flüssiggas-Tanker auf den Weltmeeren vergrößern das globale Gasangebot und erhöhen den Preisdruck auf Gazprom. Die Ukraine-Krise ist ein weiterer Tiefschlag. Ausgerechnet die besten Kunden in Westeuropa schauen sich nach neuen Quellen um. Zwar expandiert Gazprom in Richtung China, aber dort lassen sich nicht die lukrativen Margen verdienen wie in Europa. Denn in Zentralasien hat China Gazprom schon lange mit einer geschickten Röhrendiplomatie ausgekontert.

Das Engagement Gazproms in Bischkek wirkt da kläglich...

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Konferenzsaal in der Moskauer Gazprom-Zentrale (Gazprom)