Dennis J. Snower
27.12.2017

„Trump kann Prozesse schmerzlich verlangsamen“

Foto: IfW
Dennis J. Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel

„Wie gefährlich ist Donald Trump wirklich fürs Klima?“ Diese Frage hat das Magazin bizz energy Wissenschaftlern und Klimaexperten gestellt. Das sagt Dennis J. Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel:

„Donald Trump hat es geschafft, internationale Übereinkünfte – etwa bei der Verteidigung oder dem Freihandel - zur Disposition zu stellen. Beim Klimaschutz wird ihm dies nicht gelingen. Aus drei Gründen:

Anzeige

1. Die Weltgemeinschaft steht geschlossen gegen ihn. Ein Meilenstein in dieser Hinsicht war der G20-Gipfel in Hamburg. In der Vergangenheit wurden auf den G20-Gipfeln ausschließlich einstimmige Beschlüsse gefasst, der Konsens war das wichtigste Kriterium. Nicht so beim Hamburger Gipfel. Es wurde ausdrücklich festgehalten, dass die übrigen 19 Staaten das Abkommen für irreversibel halten.

Anzeige

Illustration: Marie Wolf
2. Die Mehrheit der US-Amerikaner lehnt Trumps Politik ab. Er kann den Menschen kein klimafeindliches Verhalten oktroyieren. Er kann nicht verhindern, dass Kommunen und Bundesstaaten wie Kalifornien den Klimaschutz weiter vorantreiben, auch ohne formale Bindung.

3. Das Pariser Abkommen war der Startschuss für hohe Investitionen in klimafreundliche Technologien. Sie sind die Zukunft. Kein Unternehmen kann es sich erlauben, hier den Anschluss zu verlieren. Wer es tut, wird von der internationalen Bildfläche verschwinden. Die Welt will den Klimaschutz. Trump wird dies nicht ändern. Aber er kann Prozesse schmerzlich verlangsamen.

Eine Gefahr ist er vor allem für die freiheitlichen Grundsätze von Vertrauen, Toleranz und Fairness, die für eine Demokratie und eine liberale Weltordnung essenziell sind.“

Dennis J. Snower ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft. Der in Wien geborene US-Amerikaner lehrt zudem als Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Lesen Sie auch:

"Niemand folgt Trumps unverantwortlicher Klimapolitik", sagt Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan.

"Es gibt ein Amerika jenseits von Donald Trump", sagt GEOMAR-Forscher Mojib Latif.

 

Keywords:
Klimawandel | Klimaabkommen | Donald Trump
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Herbst 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 03.09.2018 bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen