Photovoltaik
26.10.2017

Trump könnte Solar-Handelskrieg auslösen

Foto: Liesa Johannsen
Solarmodule in der kalifornischen Metropole San Francisco

Der US-Präsident hat im November die Gelegenheit, chinesische Solarmodule mit Schutzzöllen zu belegen. Handelskommission und Arbeitsministerium liefern ihm passende Argumente. Solarworld, Suniva und First Solar hoffen darauf.

US-Präsident Donald Trump gilt als Fan des Protektionismus. Anfang Oktober kündigte er an, Strafzölle in Höhe von 220 Prozent auf Flugzeuge des kanadischen Bombardier-Konzerns zu verhängen. Jetzt nimmt Trump den Solarsektor ins Visier. Am 13. November wird die US-Handelskommission ITC ihre Empfehlungen für die geforderten Sanktionen gegen China veröffentlichen. Dann liegt die Entscheidung bei Trump. Ein Gesetz von 1974 ermächtigt ihn, in solchen Fällen Strafzölle zu verhängen.

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Investorin: "Handelskrieg verhindern"

Die US-Finanzindustrie sieht Trumps Protektionismus überwiegend kritisch. „Die Strafzölle würden die Wirtschaftlichkeit eines Großteils geplanter Solarprojekte gefährden“, warnt Nancy Pfund vom kalifornischen Cleantech-Wagniskapitalgeber DBL Partners auf Anfrage von bizz energy. DBL investierte unter anderem in Tesla und Solarcity, Pfund saß dort im Verwaltungsrat. Aus ihrer Sicht geht der US-Solarboom auf die Wettbewerbsfähigkeit von Solarkraft mit Energieträgern wie Erdgas zurück. „Es ist entscheidend, dass wir einen Solar-Handelskrieg vermeiden und stattdessen unsere Clean-Energy-Zukunft annehmen und die Jobs, die damit einhergehen“, fordert die kalifornische Finanzinvestorin.

Deutsche Branchenexperten reagieren gelassen: „Schutzzölle wären ein Eigentor der Trump-Administration und würden den europäischen Solarmarkt eher stärken“, sagt Holger Krawinkel vom Mannheimer Versorger MVV. Krawinkel ist Sprecher der „Solar Alliance for Europe“ (SAFE), die für die Abschaffung der Handelsbeschränkungen kämpft und unter anderem von Eon, EnBW, Lichtblick, GP Joule und Wacker unterstützt wird. Auf der anderen Seite stand lange ziemlich allein der Bonner Konzern Solarworld und warb unverdrossen für EU-Schutzzölle – bis er im Mai Insolvenz anmelden musste. Gründer Frank Asbeck hat inzwischen wichtige Assets des Unternehmens vom Insolvenzverwalter zurückgekauft.

"Massive Überproduktion" chinesischer Zellen und Module

Die US-Konzerntochter Solarworld Americas unterstützt eine Petition des insolventen Modulherstellers Suniva für Strafzölle auf ausländische Module, der sich inzwischen auch der Modulhersteller First Solar angeschlossen hat. Aus ihrer Sicht hat eine „massive Überproduktion“ von chinesischen Zellen und Modulen zur „Beinahe-Zerstörung der verbliebenen Solarhersteller in Amerika“ geführt. Die Handelskommission schloss sich dieser Argumentation Ende September an und stellte fest, dass chinesische Solarimporte der einheimischen Industrie geschadet haben. Allerdings sind Modulhersteller wie Solarworld und Suniva in den USA in der Minderheit: Die meisten Firmen sind Projektierer, die mit Planung, Verkauf, Installation und Wartung von Solaranlagen Geld verdienen.

Die Zeichen stehen also auf Protektionismus, zumal das Washingtoner Arbeitsministerium den Weg für Solar-Strafzölle Mitte Oktober ebnete: Es folgte der Argumentation von Solarworld, wonach die im Sommer erfolgten Entlassungen des Modulherstellers einer Welle von ausländischen Solarmodul-Importen geschuldet waren. Die Ex-Mitarbeiter von Solarworld Americas werden deshalb im Rahmen des sogenannten „Trade Adjustment Assistance“-Programmes (TAA) bei Arbeitssuche, Neuorientierung und Umschulungen unterstützt. Das TAA-Programm richtet sich generell an US-Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz infolge des Außenhandels verloren haben.

US-Solarverband sieht sieht 88.000 Jobs in Gefahr

Das Gros der Solarbranche fürchtet allerdings, dass Restriktionen auf Importe mehr schaden als nützen würden: Der Solarverband SEIA sieht 88.000 von insgesamt etwa 260.000 Branchenjobs in Gefahr. Er beruft sich auf die Berechnungen von Analysen, wonach die vorgeschlagenen 40 Dollarcent pro Watt bei Solarzellen und ein Mindestpreis von 78 Cent pro Watt auf Module die Preise für Solar verdoppeln und die Nachfrage um zwei Drittel schrumpfen lassen könnten.

Solarworld Americas hat unterdessen angekündigt, die Produktion wieder hochzufahren und bis kommenden Mai bis zu 200 Beschäftigte neu einstellen zu wollen. Darunter könnten auch ehemalige Mitarbeiter sein, die zuletzt entlassen wurden. CEO Jürgen Stein begründete dies mit der Aussicht auf „Entlastung von anschwellenden Importen“.

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J. Maier, J. Müller-Soares
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