USA
15.12.2016

Trump-Verbündete fahren Kampagne gegen Tesla

Foto: Wikipedia / NASA / Bill Ingalls
Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk findet durchaus Anerkennung - hier von einem Nasa-Mitarbeiter 2012.

Dubiose Internet-Portale und Lobbyisten mit Verbindungen zu Donald Trump lancieren Negativ-Berichte über Tesla-Gründer Elon Musk.

Die Citizens of the Republic (CFTR) sind US-Aktivisten vom rechten Rand und haben ein klares Feindbild: Elon Musk. Der Tesla-Chef ist für sie ein elitärer Milliardär, der für Elektroautos, Weltraumflüge und Solaranlagen eine sinnlose Subvention nach der anderen einstreicht und im großen Stil Steuergeld verbrennt. Diese Gruppe will „mit Graswurzelbewegungen den Fortschritt der liberalen Regierung“ stoppen und steckt hinter der Website Stop Elon from failing again. Darauf wird der Tesla-Gründer regelmäßig mit Beiträgen bedacht, die ihn in schlechtem Licht dastehen lassen. Gallionsfigur von CFTR ist die Radio- und TV-Moderatorin Laura Ingraham. Sie ist eine Vertraute von Donald Trump, der sie demnächst zur Pressesprecherin für das Weiße Haus ernennen könnte.

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CFTR ist nicht die einzige Gruppe, die seit diesem Sommer und verstärkt nach der Wahl von Trump zum US-Präsidenten im Internet negative oder auch falsche Nachrichten über Musk verbreitet. Mindestens drei US-News-Portale veröffentlichten Artikel mit Titeln wie „So hat Elon Musk fünf Milliarden Dollar Steuergeld gestohlen“ oder „Elon Musk: Falscher Anhänger der freien Marktwirtschaft und nationale Schande“. Der Journalist Shepard Stewart, angeblicher Autor der Texte, erwies sich jedoch als erfundene Person. Zwei Nachrichtenportale löschten die Artikel daraufhin von ihren Seiten.

 

Darlehen hat Musk längst zurückgezahlt

Eine weitere US-Website trägt den Titel Wer ist Elon Musk?. In einem Video namens „Amerikanischer Betrüger: Die Geschichte von Elon Musk“, wird ihm vorgeworfen, das Weiße Haus mit Millionenspenden auf seine Seite gezogen zu haben. Das ist kräftig aufgebauscht: Die Non-Profit-Gruppe Center for Responsive Politics zufolge hat Musk seit 2003 insgesamt rund 515.000 Dollar an Politiker und Parteien gespendet. Auch Citizens for the Republic und andere, die behaupten, Musk habe für seine Firmen 4,9 Milliarden Dollar an Subventionen eingestrichen, nehmen es nicht so genau mit der Wahrheit: Eingerechnet dabei sind hypothetische Steuerrabatte, die Tesla in den nächsten 20 Jahren für Bau und Betrieb seiner Batteriefabrik „Gigafactory“ erhalten könnte, sowie Darlehen, die das Unternehmen längst zurückgezahlt hat.

Musk, der mit Tesla das Elektroauto und mit SpaceX die Raumfahrtbranche revolutioniert, sowie mit Solarcity gerade den größten Solaranlagen-Installateur in den USA übernommen hat, eignet sich gut als Zielscheibe für rechte Republikaner: Der Unternehmer steht für den Kampf gegen den Klimawandel, den der neugewählte Präsident als Erfindung der Chinesen abgetan hat. Zudem hatte Musk Trump kurz vor der Wahl als charakterlich nicht besonders geeignet für das Amt des US-Präsidenten bezeichnet. Und nicht zuletzt hat sich der Seriengründer mit seinem Erfolg zahlreiche Gegner gemacht: In der Kohle- und Ölindustrie, die sich von der Obama-Regierung schlecht behandelt fühlt, sowie bei traditionellen Raumfahrt-Unternehmen, denen Musk mit den Niedrigpreisen von SpaceX Aufträge wegschnappt. 

 

Verbindungen zur Ölindustrie

Doch von wem werden die Portale finanziert? Über Umwege lassen sich teilweise tatsächlich Verbindungen zur Ölindustrie nachweisen. So wurde die Gruppe Citizens of the Republic ursprünglich in den 70-ern von Ronald Reagan als Lobbygruppe gegründet. Unter der Leitung von Reagan-Biograf Craig Shirley erwachte sie 2008 zu neuem Leben. Nach Recherchen des britischen Guardian empfing CFTR nach ihrer Wiederbelebung eine Millionenspende von zwei Organisationen – dem Wellspring Committee und dem Annual Fund. Und diese beiden wurden in der  Vergangenheit von den Koch Brothers für deren Zwecke instrumentalisiert. Die Milliardäre David und Charles Koch leiten das Öl- und Chemie-Imperium Koch Industries und unterstützten unter anderem Klima-Skeptiker, die Tea-Party-Bewegung und den konservativen Thinktank „Heritage Foundation“.

Wellspring soll sich inzwischen zwar von den Kochs distanziert haben, erhält laut dem Bericht aber immer noch Spenden aus deren Netzwerk. Außerdem machte der CFTR-Vorsitzende Craig Shirley zwischen 1999 und 2001 Lobbyarbeit für die Organisation Citizens for State Power, die sich aktiv für die Deregulierung von Energieversorgern einsetzte. Einem Bericht der Washington Post zufolge spendeten Energiefirmen heimlich Millionen an Citizens for State Power, um ihre Interessen im US-Kongress durchzusetzen. Und die Website Who is Elon Musk veröffentlicht Artikel von Daily Signal, dem Nachrichtenportal besagter Heritage Foundation. Die anfangs erwähnten News-Seiten, welche die Berichte des vermeintlichen Journalisten veröffentlichen, bedienen sich dort ebenfalls.

Dennoch – Elon Musk und Donald Trump haben sich inzwischen deutlich angenähert: Der Tesla-Gründer war bei einem Treffen mit dem designierten US-Präsidenten und Vertretern der größten Technologie-Firmen dabei. Es fand am Mittwoch im Trump Tower in Manhattan statt. Unter den Teilnehmern waren auch Larry Page und Eric Schmidt von der Google-Mutter Alphabet, Apple-Chef Tim Cook, Facebook-Managerin Sheryl Sandberg und Microsoft-Boss Satya Nadella. 

Es ging unter anderem um die Schaffung neuer Arbeitsplätze und Steuererleichterungen für die Technologie-Konzerne. Bei den Jobs hat Musk bereits ordentlich vorgelegt: Der Gründer hat mittlerweile knapp 35.000 Arbeitsplätze vor allem in den USA geschaffen, in der Gigafactory sollen bis 2020 weitere 6.500 hinzukommen. 

Und mit der Teilnahme an dem Treffen ist es nicht genug: Musk wird sogar Mitglied in Trumps sogenanntem Strategischem Forum, das den neuen US-Präsidenten in Wirtschaftsfragen beraten soll. Auch Travis Kalanick, Chef des Fahrdienstes Uber, wird dem Gremium angehören. 

 
Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Elon Musk | SpaceX | Solarcity | Donald Trump
Ressorts:

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