March for Science
21.04.2017

Trump verteidigt seine Umweltpolitik

Foto: Lorie Shaull
Demonstranten beim March for Science in Minnesota

Am Samstag haben Menschen weltweit für die Freiheit der Wissenschaft und gegen "alternative Fakten" demonstriert. US-Präsident Trump behauptete indessen, dass Wirtschaftswachstum den Umweltschutz stärke.

Während in der US-Hauptstadt Washington beim „March for Science“ und auf der ganzen Welt Menschen gegen eine wissenschaftsfeindliche Politik im Weißen Haus demonstrierten, meldete sich Donald Trump auf seinem Lieblingsmedium zu Wort: „Ich bekenne mich dazu, unsere Luft und unser Wasser sauber zu halten, aber bedenken Sie immer, dass Wirtschaftswachstum Umweltschutz stärkt. Jobs sind wichtig!“, twitterte der US-Präsident am Samstagnachmittag. Außerdem verbreitete er in einer offiziellen Stellungnahme: „Meine Regierung ist bestrebt, wissenschaftliche Forschung voranzutreiben, die zu einem besseren Verständnis unserer Umwelt- und Umweltrisiken führt.“

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Mit dem Tweet erntete er teils empörte Reaktionen von Nutzern - zumal der Earth Day am selben Tag stattfandt. Der in den 1970er-Jahren ausgerufene Aktionstag soll die Wertschätzung der Natur stärken und zum Überdenken des eigenen Konsumverhaltens anregen. Außerdem wurde der US-Präsident dafür kritisiert, dass er den Klimawandel in seiner Stellungnahme nicht erwähnte.

Trump hat vielmehr seit seinem Amtsantritt die Seite über Klimawandel von der Website des Weißen Hauses entfernen lassen, das Budget für die Umweltbehörde EPA zusammengestrichen und will den "Clean Power Plan" seines Amtsvorgängers Obama eliminieren. Den Klimawandel selbst bezeichnete er einst als „Schwindel“ und Erfindung der Chinesen. Außerdem will Trump der Kohle-Industrie in den USA zu einer Renaissance verhelfen. Kanadische Wissenschaftler fühlen sich bereits an die Zeiten unter dem früheren Premierminister und Klimaleugner Stephen Harper erinnert.

Berlins Bürgermeister solidarisiert sich mit Wissenschaftlern

Grund genug für zehntausende Menschen in mehr als 600 Städten weltweit, um für die Freiheit der Forschung und gegen die Verbreitung „alternativer Fakten“ zu demonstrieren. In Berlin nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 11.000 Menschen teil, die von der Humboldt-Universität bis zum Brandenburger Tor marschierten. Auch Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach auf der Abschlusskundgebung. „Berlin hat eine ganz besondere Verpflichtung für die Freiheit einzustehen“, sagte er. Deshalb solidarisiere sich die Stadt mit verfolgten Wissenschaftlern und akademischen Institutionen, die in ihrer Existenz bedroht seien und stelle sich „entschlossen gegen diejenigen, die die Freiheit der Wissenschaft aushöhlen und Unwahrheiten zu alternativen Fakten erheben“.

Auch die wissenschaftlichen Direktoren des Institute for Advanced Stustainability Studies (IASS) in Potsdam unterstützten den March for Science. „Alternative Fakten halten leider nicht, was sie versprechen“, sagte Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor sowie Umwelt- und Techniksoziologe am IASS zu bizz energy. Wissenschaftliches Wissen werde zwar nur einen Beitrag unter vielen zur Lösung der globalen Probleme leisten. „Aber ohne dieses Wissen wird es entweder sehr teuer oder sehr dilettantisch.“ Die Veranstalter in Deutschland sprachen von einem „ersten Schritt einer globalen Bewegung, um die grundlegende Rolle zu verteidigen, die Wissenschaft für unsere Gesundheit, Wirtschaft und Regierungen spielt.“

Kohle-Rückkehr bedeutet Gesundheitsrisiken

„Mit der rückwärtsgewandten Energie- und Klima-Politik ignoriert die Trump-Regierung fundierte und breit akzeptierte Erkenntnisse aus der Wissenschaft zum Klimawandel, wie auch zu Gesundheitsrisiken“, kritisierte Mark Lawrence, der als Atmosphären- und Klimawissenschaftler am IASS forscht. Denn eine Rückkehr zur Kohle werde nicht nur CO2-Emissionen ankurbeln, sondern auch durch erhöhte Schadstoffemissionen zu mehr vorzeitigen Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs führen.

Lawrence bezieht zudem eindeutig Stellung zum Thema Diversität. „Wissenschaft lebt von der Neugier auf das Unbekannte und von der Diversität der Perspektiven“, sagte Lawrence zu bizz energy. „Wir brauchen daher einen offenen Austausch zwischen Ideen und Menschen unabhängig von Nationalität, Religion oder Kultur, um Lösungen für die großen Herausforderungen entwickeln zu können.“

Es hatte allerdings auch Kritik an der Veranstaltung gegeben: Einige Wissenschaftler fürchten, dass die Wissenschaft durch derartige Demonstrationen zu sehr politisiert wird und Gefahr läuft, Neutralität und damit Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die US-Veranstalter hielten dagegen: Angesichts der alarmierenden Tendenz, wissenschaftlichen Konsens zu diskreditieren und die Forschung einzuschränken, müsse man sich stattdessen fragen: „Können wir es uns leisten, sie nicht zu verteidigen?“

 

Jutta Maier
Keywords:
March for Science | Washington | Donald Trump | Berlin | IASS | Mark Lawrence
Ressorts:
Community

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