USA
19.05.2016

Trumps Faible für die Eisenbahn

Foto: Wikipedia
Bislang werden die Züge des US-amerikanischen Betreibers Amrtak auf maroden Strecken immer wieder ausgebremst.

Investitionen in das marode Schienennetz der USA lehnen die meisten Republikaner traditionell ab. Ihr designierter Präsidentschaftskandidat Donald Trump ist jedoch ein Eisenbahn-Fan.

 

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Einst war die Eisenbahn das wichtigste Transportmittel in den USA. Heute gelten die Vereinigten Staaten bei dem Thema als Entwicklungsland – zumindest in Bezug auf den Personenverkehr. Der  schnellste Zug des Betreibers Amtrak verkehrt zwischen Boston, New York und Washington, erreicht allerdings nur auf einem kleinen Teil der Strecke die Höchstgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern. Ansonsten wird er immer wieder von maroden Gleisen, Tunneln und Brücken ausgebremst. Die desolate Infrastruktur hat nicht nur finanzielle, sondern auch politische Gründe: Der von den Republikanern dominierte Kongress verweigert sich seit Jahren größeren Investitionen in den Bahnverkehr; er lehnte auch den Hochgeschwindigkeitszug in Kalifornien ab, der bis 2029 San Francisco und Los Angeles verbinden soll. Stattdessen haben im konservativen Lager Finanzspritzen für das (noch stärker heruntergekommene) Straßennetz und in den Flugverkehr traditionell Vorrang. 

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Donald Trump, der am Dienstag bei der Vorwahl der Republikaner in Oregon konkurrenzlos siegte, fällt in dieser Hinsicht aus der Reihe. Wohl deshalb, weil er anders als viele Parteigenossen seit jeher in der Stadt (konkret: in New York) lebt. So sprach sich ihr voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat im Oktober 2015 tatsächlich für Investitionen in das veraltete US-Schienennetz aus. „China und diese anderen Länder haben Hochgeschwindigkeitszüge. Wir haben nichts. Dieses Land hat nichts. „Wir sind wie ein Dritte-Welt-Land, aber wir werden loslegen, und wir werden es richtig tun und Amerika wieder groß machen", sagte Trump.

Es bleibt die Frage, wie der Milliardär sein Vorhaben refinanziert. Von höheren Steuern für Benzin oder auf CO2-Emissionen will Trump, der einen von Menschen verursachten Klimawandel „größtenteils“ für Schwindel hält, nichts wissen. Und die Ernsthaftigkeit seines vor kurzem überraschend angekündigten Vorhabens, Reiche höher zu besteuern, um Geringverdiener und Mittelklasse zu entlasten, darf ernsthaft bezweifelt werden: Schließlich hatte er noch vor einem halben Jahr das Gegenteil geplant, nämlich eine Steuersenkung für die reichsten Amerikaner.

 

Auch Clinton setzt auf neue Züge

Bei Hillary Clinton, die bei den Vorwahlen der Demokraten in Kentucky äußerst knapp gegen Bernie Sanders gewann, sind Investitionen in das Eisenbahnnetz Teil ihres Infrastruktur-Plans: Insgesamt 275 Milliarden Dollar will sie innerhalb von fünf Jahren in Straßen, Brücken, Schienennetz und Flughäfen stecken. Ihr Fokus liegt auf dem Güterverkehr: Güterzüge, die beispielsweise von Chicago nach Los Angeles 48 Stunden brauchen, vertrödelten allein 30 Stunden im Großraum Chicago, der völlig überlastet ist. Bis zum Ende ihrer ersten Amtszeit will die Demokratin deshalb in die 25 teuersten Infrastruktur-Engpässe investieren.

Darüber hinaus will sie ein „schnelleres, sichereres Personenschienensystem mit höheren Kapazitäten“ entwickeln: „Obwohl immer mehr Amerikaner mit dem Zug reisen, zerfällt unser Schienennetz“, heißt es in ihrem Programm. In manchen Fällen sei die Infrastruktur Jahrzehnte alt. Clintons Ziel sei deshalb ein „weltweit führendes“ Personenzug-System, das der rapide wachsenden Nachfrage gerecht werde und Amerika mobiler mache.

 

Ein Billionen-Projekt

Finanzieren will die Demokratin den Infrastruktur-Plan über eine nicht näher definierte Erhöhung der Gewerbesteuern; an eine höhere Benzinsteuer etwa wagt auch sie sich nicht heran. Außerdem dürften ihre geplanten – und von den Republikanern prompt als zu hoch kritisierten – Investitionen zu kurz greifen. Die American Civil Engineers Association (ASME), also der Berufsverband der Maschinenbauingenieure, rechnet in einer Studie vor: 1,6 Billionen Dollar wären notwendig, um Nordamerikas Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen. So weit geht dann selbst Bernie Sanders nicht, der am Dienstag in Oregon siegte. Mit einer Billion Dollar an geplanten Investitionen kommt er aber deutlich näher heran.

Jutta Maier
Keywords:
USA | Bernie Sanders | Hillary Clinton | Dondald Trump | Eisenbahnnetz | Züge | Infrastruktur | Schienenverkehr | Straßen | Investitionen
Ressorts:
Governance

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